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Nicaragua: Seit Wochen kein Regen – Dürre und Hungersnot

Meldung vom 29.08.2014

In Teilen Mittelamerikas hat es seit Wochen nicht geregnet. Darunter leidet die Landwirtschaft. Die Schäden der Dürre belaufen sich bereits auf Millionen, in einigen Regionen gehen die Nahrungsmittel aus.

Die gesamte Ernte der Familie von Petrona López aus Nicaragua ist vernichtet. Jetzt sammeln sie Wildpflanzen und verbrauchen die letzten Vorräte. „Wir haben uns schon mit anderen zusammengeschlossen, aber es reicht einfach nicht, um die Hungersnot zu bekämpfen“, erklärt die Bäuerin. Während die Menschen in von Trockenheit heimgesuchten Regionen der USA wie etwa Kalifornien derzeit keine Probleme haben, ist Mittelamerika mit der schwersten Dürre seit Jahrzehnten konfrontiert. In weiten Teilen der Region gab es seit Wochen keinen Niederschlag. Die Verluste in der Landwirtschaft beziffern sich auf Millionen, zahlreichen Bauern wird derzeit die Existenzgrundlage entzogen.

Guatemala erklärte wegen der Dürre bereits den Notstand. Rund 80 Prozent der Maisernte sind verloren, das Landwirtschaftsministerium rechnet mit Einbußen von 450 Millionen Quetzal (etwa 43 Millionen Euro). Etwa 500.000 Kinder unter fünf Jahren stehen in Gefahr, zu hungern, sagt der Staatssekretär für Ernährungssicherheit, Luis Enrique Monterroso. Jetzt wandte sich das mittelamerikanische Land an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), mit der Bitte um Unterstützung.

„Das Problem ist, dass unsere Notreserven sehr begrenzt sind. In den vergangenen Jahren mussten wir bereits auf die Kaffeepilz-Seuche reagieren und 200.000 Familien in Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua unterstützen“, erklärt der Vertreter des Programms in Lateinamerika, Miguel Barreto.

In Nicaragua müssen die Bauern den Verlust von fast 50.000 Tonnen Mais verkraften, eine Million Rinder sind extrem abgemagert, 2.500 Stück Vieh bereits an Durst verendet. In Honduras sind rund 45.000 Tonnen Mais verdorrt. In El Salvador stieg der Preis für ein Quintal (45,4 Kilogramm) Bohnen von 26 Dollar auf 110 Dollar (etwa 83 Euro) um das Vierfache. Im Norden und Osten des Landes ringen die Bauern mit Ernteverlusten von bis zu 90 Prozent.

„Die Dürre hat einen direkten Effekt auf die Familien. Der Mangel an Regen schadet den Pflanzungen, den Familien entgeht ihr Einkommen und sie können keine Vorräte für den Rest des Jahres anlegen“, kommentiert der WFP-Vertreter in Nicaragua, Helmut Rauch. Zuletzt verteilte die Organisation 1.400 Tonnen Lebensmittel an die Bedürftigen der Region.

Verantwortlich für die gegenwärtige Dürre ist nach Einschätzung von Experten das Klimaphänomen „El Niño“. Normalerweise währt die Regenzeit in der Region von Mai bis November. Einen Einschnitt bietet lediglich der zwei- bis dreiwöchige „Veranillo“ im Juli.

Dieser „kleine Sommer“ zieht sich jetzt im sogenannten Trockenkorridor im Zentrum und Westen Mittelamerikas bereits seit mehr als fünf Wochen hin. „Gewächse wie Mais und Bohnen überstehen eine solche Trockenperiode nicht“, betont der Agrar-Ingenieur Eddie Mendoza vom guatemaltekischen Landwirtschaftsverband (Fasagua).

Die Kleinbauern, die ihre Felder vor allem für den eigenen Bedarf bestellen, haben zudem keine Bewässerungssysteme. Wenn es keinen regelmäßigen Niederschlag gibt, verdorren ihre Pflanzungen. „Die Regierung muss Staudämme und Kanäle bauen, sonst stehen wir bei der nächsten Dürre vor der gleichen Situation“, verlangt Mendoza.

Um einen nachhaltigen Plan zur künftigen Vermeidung eines Nahrungsmittelengpasses auszuarbeiten, kamen zuletzt Regierungsvertreter der betroffenen Staaten und Experten in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua zusammen. Manuel Jiménez vom Zentralamerikanischen Landwirtschaftsrat riet, die Bauern der Region sollten genügsamere Sorten pflanzen und bei den Saat- und Ernteperioden die neuen Klima-Umständen miteinplanen.

„Die Länder in der Region haben sich in den vergangenen Jahren zwar besser auf den Klimawandel eingestellt, aber es gibt noch immer viel zu tun“, meinte Ana Ríos von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID). „Wir dürfen nicht länger nur auf diese extremen Ereignisse wie jetzt die Dürre reagieren, sondern müssen bereits vorsorglich tätig werden.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Hamburger Abendblatt“, abendblatt.de

Schlagwörter: Nicaragua, Dürre, Hunger, Ernte, Ernteverlust, Hungersnot, Klima, Klimawandel, Regen, Niederschlag, Mais, Trockenperiode, Bewässerung, Bewässerungssysteme, Rinder, verendet, Durst, Landwirtschaft, Bauern, Landwirte, Existenz, Unterernährung, Notstand