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Mexiko: Studenten setzen sich zur Wehr gegen Polizeigewalt

 
Meldung vom 01.10.2014

In Mexiko werden Proteste gegen die Polizei laut, die oft willkürlich mit zuviel Gewalt gegen Zivilisten vorgeht. Nachdem Polizisten am Wochenende das Feuer auf Studenten eröffnet haben, demonstrieren Tausende. Zahlreiche junge Leute werden vermisst und keiner weiß, wohin sie verschwunden sind. Ihre Kommilitonen fordern Klarheit über ihren Verbleib.

Nach einem blutigen Einsatz der Sicherheitskräfte im Südwesten von Mexiko haben sich Tausende Studenten zu Protesten gegen Polizeigewalt versammelt. Sie marschierten am Montag (29.09.2014) durch die Provinzhauptstadt Chilpancingo und verlangten Aufschluss über das Schicksal von 57 vermissten Kommilitonen. Seit den Unruhen am Wochenende gibt es keine Erklärungen von staatlicher Seite, was mit den jungen Menschen passiert ist.

Die Polizisten wären unverhältnismäßig brutal vorgegangen, als sie auf die Studenten losgingen, bezeugte der örtliche Staatsanwalt Iñaky Blanco am Montag (29.09.2014). „Es gab keine Rechtfertigung dafür, Schusswaffen einzusetzen. Ich gehe davon aus, dass das strafrechtliche Konsequenzen haben wird.“

Das Militär und örtliche Behörden fahndeten nach den Vermissten, erklärte Cabrera. Zuvor wurden demnach 22 Polizisten festgenommen, die an den gewaltsamen Auseinandersetzungen teilgenommen hatten. Sie hätten jegliche Verantwortung geleugnet, seien jedoch von Studenten identifiziert worden. Es liegen angeblich Hinweise vor, dass die Polizisten auch mit dem Verschwinden der 57 Studenten etwas zu tun haben, sagte Blanco. Die Sicherheitsbehörden sind in Sorge, Angehörige könnten auf eigene Faust handeln und versuchen, sie zu befreien.

Bei einer Kundgebung junger Leute durch die Provinzhauptstadt Chilpancingo kam es am Montag zu Straßenschlachten. Vermummte Demonstranten griffen das örtliche Parlament an und schleuderten Steine auf den Eingang des Gebäudes. Die Lage in Guerrero ist auch weiterhin prekär.

Am Wochenende sind in der Stadt Iguala sechs Menschen ermordet worden. Zunächst erschossen Beamte zwei Studenten, die für eine Demonstration in Chilpancingo drei Busse kapern wollten. In derselben Gegend schossen Unbekannte später auf einer Autobahn auf zwei Taxis und einen Bus, in dem ein örtliches Fußballteam saß. Zuvor war die Leiche eines jungen Mannes entdeckt worden, dem die Haut abgezogen worden war. 25 Menschen erlitten bei den Unruhen Verletzungen.

Bei den 57 Vermissten dreht es sich um Studenten des Lehrerkollegs Ayotzinapa, das in Mexiko den Ruf hat, radikalen Aktivismus zu vertreten. Die staatliche Kommission für Menschenrechte stellte Ermittlungen zu der Gewaltwelle in Iguala in Aussicht. Bürgermeister José Luis Abarca Velázquez und sein Direktor für Öffentliche Sicherheit seien vor die Behörden einbestellt worden, sagte Generalstaatsanwalt Blanco Cabrera.

In Iguala, rund 185 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt, sollen nun bis auf weiteres Bundespolizisten und das Militär für die Ordnung sorgen und die 140.000 Einwohner schützen. Es würden gemeinsame Kontrollposten aufgestellt und Patrouillen ausgeschickt, teilte die Regionalregierung mit.

Guerrero wird als einer der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos angesehen. In ihm herrschen Armut, soziale Unruhen und Kriminalität. Mit 61,59 Morden je 100.000 Einwohnern steht es in der von der Drogenkriminalität erschütterten Region, in der sich auch der beliebte Ferienort Acapulco befindet, noch weitaus schlechter als in den Rauschgifthochburgen Sinaloa, Michoacán und Tamaulipas.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Handelsblatt“, handelsblatt.com

Schlagwörter: Mexiko, Demonstranten, Proteste, Studenten, Aktivisten, Gewalt, Polizeigewalt, Brutalität, Tote, erschossen, Schusswaffen, Vermisste, Unruhen, Kommilitonen, Iguala. Guerrero, Polizisten, festgenommen, Chilpancingo