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Äthiopien: Steiler Aufstieg zu einer Industrienation

Meldung vom 15.10.2014

Äthiopien verfolgt ehrgeizige Ziele: Das Land strebt an, sich vom Agrar- zum Industrieland zu entwickeln. In der Textilbranche werden große Fortschritte verbucht. Bürokratische Hürden und komplizierte Bewilligungsverfahren behindern allerdings die Umwandlung.

Alles ist sauber, geräumig, hell und auf gute Arbeitsbedingungen abgestimmt. Die Spinnerei mit den Rieter-Maschinen, die Strickerei, die Färberei und die Näherei der türkischen Textilfabrik Ayka Addis, die sich 20 km außerhalb der äthiopischen Hauptstadt befinden, laufen bestens. Die Angestellten sind hoch motiviert in einem angenehmen Arbeitsumfeld. Bis zu 75.000 Kleidungsstücke werden von den 8.000 äthiopischen Beschäftigten in der Fabrik pro Tag produziert und landen anschließend in die Verkaufsregale der europäischen Einzelhändler. Wichtigster Abnehmer von Ayka Addis ist das deutsche Unternehmen Tchibo, das 80% der gesamten Produktion importiert, wie Generalmanager Ercan Turkoglu in seinem Büro mitteilt.

Laut Turkoglu zählen geringe Löhne, niedrige Energiekosten, anziehende Steuervereinbarungen bei der Firmengründung, politische Stabilität und Sicherheit sowie gute Erreichbarkeit und Logistik zu den großen Vorteilen Äthiopiens. Bisher habe das Unternehmen die für die Kleiderherstellung benötigte Baumwolle wegen der Qualitätsanforderungen der Konsumenten allerdings noch importieren müssen. Das bedeutet noch einen Nachteil. Doch auch diese Beeinträchtigung wird demnächst weichen, denn das Unternehmen hat 10.000 ha Land in der Region Oromo zugesprochen bekommen. 2015 bezieht Ayka Addis dann auch umweltfreundliche und nachhaltige Baumwolle aus Äthiopien.

Turkoglu gibt allerdings zu, dass die Kosten der Textilherstellung in Äthiopien zurzeit noch um etwa 20% höher liegen als in Bangladesh. Das sei in erster Linie begründet in der geringen Produktivität und den hohen Logistikkosten. Die Verschiffung eines Containers von Addis Abeba nach Europa koste 3500 Dollar – das sei noch viel zu kostspielig, meint er. Mit dem Ausbau der neuen Eisenbahnlinie nach Djibouti sollten diese Kosten aber abnehmen. Turkoglu gibt sich optimistisch, dass in zwei Jahren Textilien in Äthiopien billiger hergestellt werden können als in Bangladesh. Deshalb sind bereits zahlreiche andere Textilunternehmen auf der Suche nach einem guten Standort in Äthiopien.

Ähnliches wird vom chinesischen Schuhproduzenten Huajian Shoes am Stadtrand von Addis Abeba berichtet. Die Chinesen fabrizieren an diesem Standort seit einigen Jahren mehrere hunderttausend Paar Schuhe pro Jahr und liefern diese nach China sowie in viele andere Länder. Überzeugt haben die Chinesen in erster Linie die niedrigen Lohnkosten. Diese sollen mit rund 40 Dollar pro Mitarbeiter und Monat nur etwa einen Viertel dessen ausmachen, was inzwischen in China angelegt werden muss.

Allerdings bemängeln auch die Chinesen die derzeit noch hohen Logistikkosten und eine relativ niedrige Produktivität. Diese Einschränkungen dürften es denn auch sein, welche das Wachstum der Textilindustrie und der Lederverarbeitung in Äthiopien bisher zurückgehalten haben. So sind beispielsweise Textilexporte bis heute nur zu 2 Prozent an den gesamten Ausfuhren des Landes beteiligt.

Die Regierung kündigt eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen bei der Einrichtung von neuen Unternehmen mit ausländischen Investitionen an. Die Transportkosten sollen mit der Fertigstellung der neuen Eisenbahnlinie zum Hafen von Djibouti niedriger werden. Auch sollen die Energiekosten nach der Fertigstellung des großen Staudamms im Norden des Landes günstiger werden.

Die Textilwirtschaft und die Lederverarbeitung werden von der Regierung speziell subventioniert, weil sie viele Arbeitsplätze offerieren. In diesen Industriezweigen kommen auch nicht gut ausgebildete Personen unter und das Land ist dringend auf weitere Arbeitsplätze angewiesen. Gleichzeitig setzt man darauf, dass Textilfirmen und Schuhproduzenten einen Teil der einheimischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Baumwolle und tierische Häute erstehen und verarbeiten. Der Großteil davon wird bis dahin unbearbeitet ausgeführt und bringt damit keinen so guten Erlös.

Neben der Textil- und Lederindustrie hat in Äthiopien in den vergangenen Jahren auch die Blumen- und Pflanzenindustrie mehr und mehr Fuß gefasst. Das Klima des Hochlands begünstigt mehrere Ernten von Schnittblumen und Setzlingen pro Jahr, und in der Umgebung von Addis Abeba gibt es ausreichend Regen. Es muss also nur während kurzer Perioden mit künstlicher Bewässerung gearbeitet werden. Die Nähe des internationalen Flughafens von Addis Abeba gewährleistet zudem den Transport der Schnittblumen und Setzlinge in kürzester Zeit zu dem niederländischen Markt.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Neue Zürcher Zeitung, NZZ Online“, nzz.ch

Schlagwörter: Äthiopien, Industrie, Agrarland, Agrarwirtschaft, Industrialisierung, Textilherstellung, Lederverarbeitung, Blumen, Pflanzenindustrie, Regierung, Investoren, Arbeitsplätze, Export, Herstellung, Standort, Logistik, Löhne, Energiekosten, Sicherheit, Stabilität, Baumwolle, Leder, Eisenbahn, Djibouti, Flughafen, Addis Abeba, Produktivität, Staudamm, Entwicklung