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Philippinen: Fischer fürchten China

Meldung vom 31.10.2014

Auf den Philippinen können Fischer ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten, weil China im Südchinesischen Meer seine Territorialansprüche gewaltsam durchsetzt – und nicht wenige sind in Sorge, dass ein Krieg ausbricht.

Der schwarze Sandstrand des Dorfes Inhobol brütet im Licht der untergehenden blutroten Sonne. Ein paar Leute transportieren schwere Plastikbeutel mit lebenden Zierfischen durch das knietiefe Wasser zum Ufer. Der 36-jährige Botch Alivio hockt auf einer Kaimauer und beobachtet neidisch das Treiben der Fischer, die ihre reiche, aber nicht völlig legale Tagesbeute auf zwei Lieferwagen verteilen. In sechs bis sieben Stunden werden die Fische aus dem nahegelegenen Naturschutzgebiet Oyon Bay Marine Reserve auf einem Markt der philippinischen Hauptstadt Manila eingehen und in den weltweiten Handel mit den kleinen, aber teuren Korallenfischen münden.

Botch Alivio dagegen geht er derzeit schlecht. „Meine Familie in der Stadt Cebu weint schon“, meint der athletische, derzeit aber unterforderte Fischer, „weil ich kaum Geld schicken kann.“ Seine Jagdgründe befinden sich normalerweise rund um das achtzehn Stunden Seefahrt entfernte Scarborough Riff, das eigentlich Territorium der Philippinen ist, aber inzwischen wie fast das gesamte Südchinesische Meer bis vor die Küste Malaysias von der Volksrepublik China vereinnahmt wurde. „Am 16. April haben die Chinesen uns von Scarborough vertrieben“, berichtet Botch, „und seitdem verdiene ich nicht mehr genug.“

Botch selbst tut alles, um nicht zu verarmen. Tag für Tag taucht er nicht weit vor der philippinischen Küste. Über einen Schlauch ist er mit einem Kompressor verbunden und kann dadurch unter Wasser atmen. Dort unten zielt er mit seiner Harpune auf jeden Fisch, der eine angemessene Größe hat. Alle zwei Stunden kommt er hoch und legt eine Stunde Pause an Bord ein, bevor es wieder abtaucht. Der Erlös für die Mühsal für ihn und seine vier Kollegen ist gering: 300 Kilogramm Fisch an drei Tagen. „Das lohnt sich kaum“, gibt Botch zu und zuckt mit den Schultern, „aber ich habe nun einmal keine Alternative.“

Er erinnert sich mit Wehmut an die guten alten Zeiten zurück. in denen er gemeinsam mit seiner Crew nach zwei Tagen rund um das Scarborough Riff zwanzig Tonnen Fisch erbeutet hat. „Dort kann ich meine Harpune mit geschlossenen Augen abschießen“, begeistert sich Botch, „ich erlege immer einen Fisch.“

Doch ob die Rückkehr zu reichen Fischgründen bei dem etwa 200 Kilometer von Masinloc entfernten Riff für Botch jemals wieder möglich sein wird, das wird freilich nicht an der Küste der philippinischen Zambales-Provinz entschieden – sondern in den undurchsichtigen Gebäuden der Macht im 2.700 Kilometer entfernten Peking. Die Volksrepublik China fordert nahezu das gesamte Südchinesische Meer bis vor die Küste Malaysias als sein Territorium. Damit beschneidet das Reich der Mitte die wirtschaftliche Entwicklung der anderen Anrainerstaaten. Die bislang wohlhabende Zambales-Provinz auf den Philippinen ist deswegen bitter verarmt.

Sieben chinesische Schiffe hätten damals das Korallenriff besetzt und scharf bewacht. „Wir haben außen an den Rändern gefischt“, schildert Botch. „Wir dürfen schon lange nicht mehr in das Innere des Riffs.“ Bislang wurden die Fischer dort nicht vertrieben. Seit April 2014 jedoch haben sich die Bedingungen verschärft. Die philippinische Regierung in Manila war damals in die Offensive gegangen und hat den Territorialstreit vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gezogen. Und die chinesische Regierung will seitdem ihre Macht unter Beweis stellen.

„Sie sind gekommen und haben uns mit Megaphonen aufgefordert, zu verschwinden“, bezeugt Botch. „Und wir gehorchen dann immer.“ Gegen die modernen, technisch hochgerüsteten und bis an die Zähne bewaffneten Schiffe Pekings sind die Fischer in ihren höchstens zwanzig Meter langen Nussschalen völlig hilflos. Auch die philippinische Marine kann dagegen nichts aufbieten. Nachts patrouillieren chinesische Seeleute das Riff. Sie verwenden nicht einmal ihre Positionslichter. Das Einzige, was man erkennen kann, sind die gleißenden Suchscheinwerfer der schnellen Schiffe aus Peking, die die Boote aus den Philippinen ausfindig machen sollen. „Wir haben im Zweiten Weltkrieg mit den Japanern erlebt, was passieren kann. Ich wünsche uns nicht, dass wir mit China einen ähnlichen Konflikt bekommen“, sagt Botch.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Badische Zeitung“, badische-zeitung.de

Schlagwörter: Philippinen, Fischer, Fischfang, Fischgründe, China, Territorialansprüche, Schiffe, bewaffnet, Südchinesisches Meer, Verarmung, Scarborough Riff, Masinloc, Fische, Zierfische, Beute, Territorialstreit, Internationaler Strafgerichtshof, Den Haag, Krieg