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Sambia: Präsident für 90 Tage

 
Meldung vom 03.11.2014

Guy Scott, lange Zeit Vizepräsident in Sambia, tritt nach dem Tod von Präsident Michael Sata als Interimspräsident an. Er ist ein Weißer und ein Mann der direkten Worte. Wenn er eine weiße Eliteschule in Sambia mit der Hitlerjugend vergleicht, vermutet man eigentlich nicht, dass er selbst weiß ist. Doch Guy Scott, Kind schottischer Einwanderer, ist es, und er besuchte selbst diese Schule im heutigen Simbabwe, auf der er ständig „diese Theorien über die Minderwertigkeit von Schwarzen“ zu hören bekommen hat.

Der 70-Jährige scheut sich nicht, Dinge beim Namen zu nennen. Südafrika, die große Wirtschaftsmacht im Süden des Kontinents, setzte er einmal mit den USA gleich: „zu groß, zu plump“. Er hege für die Südafrikaner keine Sympathie, aus demselben Grund, wie Lateinamerikaner die Amerikaner nicht mögen. Im Grunde müsse man sie als „rückständig“ einstufen.

Am Mittwoch (29.10.2014) wurde Guy Scott zum ersten weißen Staatschef seit dem Ende der Apartheid im südlichen Afrika bestimmt. Er sei der erste weiße Staatschef in Afrika überhaupt, der demokratisch bestätigt wurde, erklärte er selbst nach seiner Berufung. Verfassungsgemäß bekommt Scott, der bisher Vizepräsident war, die Geschäfte des verstorbenen Präsidenten Michael Sata übertragen. Sata war am Tag zuvor in einer Londoner Klinik an einer nicht genannten Krankheit gestorben.

Der studierte Ökonom kennt sich aus in der sambischen Politik: 1991 bahnte sich Scott erstmals seinen Weg ins Parlament und wurde Landwirtschaftsminister. Seine Parteizugehörigkeit wechselte er danach mehrmals. Zuletzt trat er Satas Partei Patriotische Front (PF) bei. 2011 konnte sie die Wahl für sich entscheiden. Der Machtwechsel von der langjährigen Regierungspartei MMD ging fair und friedlich vonstatten – umso überraschter waren Beobachter, als der neue Präsident zunehmend autoritäre Regierungszüge offenbarte. Oppositionsanhänger mussten sich mehrfach vor Gericht verantworten. Zudem legte die Regierung den Prozess um eine neue Verfassung auf Eis – weil sie die Wiederwahl Satas und seiner Partei behindern könnte, wie die Analysten des südafrikanischen Instituts für Sicherheitsstudien argwöhnen.

Begonnen hatte die PF mit der Zusicherung, dass die Bevölkerung Sambias endlich vom großen Kupferreichtum des Landes profitieren würde. Sata versprach, von den ausländischen Minenunternehmen höhere Steuergelder zu fordern. Umgesetzt hat er dies nur ansatzweise, doch Beobachter nehmen immerhin einen Kurswechsel bei ihm wahr: weg von dem investorenfreundlichen Kurs seines Vorgängers, hin zu einer schärferen steuerlichen Kontrolle internationaler Unternehmen.

In 90 Tagen, so ordnet es die Verfassung Sambias an, werden Neuwahlen stattfinden. Interimspräsident Scott, auch das ist in der Verfassung verankert, darf sich aber nicht zur Wahl stellen: Er hat zwar sambische Staatsangehörigkeit, aber nicht in dritter Generation. Schon seine Eltern müssten in dem Land geboren worden sein, damit er als Kandidat gelten kann. Scott nimmt diese Tatsache gelassen hin: „Ich werde nicht kandidieren“, erklärte er dem britischen Telegraph, „denn verfassungsmäßig kann ich es nicht.“

So bleibt dem 15-Millionen-Einwohner-Staat Sambia wohl die Anspannung erspart, die ein weißer Präsident in einem Land bewirken würde, das jahrzehntelang von der Kolonialmacht Großbritannien geknechtet wurde. Und doch mischen sich die europäisch-stämmigen Minderheiten zunehmend in die Politik des südlichen Afrika ein. In Botswana hat der Präsident Ian Khama eine Britin zur Mutter; in Südafrika steht der wichtigsten Oppositionspartei eine Weiße vor.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Süddeutsche Zeitung“, sueddeutsche.de

Schlagwörter: Sambia, Interimspräsident, Guy Scott, Weißer, Übergangspräsident, Vizepräsident, Präsident, Michael Sata, gestorben, Wahl, Neuwahlen, Demokratie, Verfassung, 90 Tage, Kolonialmacht, Großbritannien