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Südsudan: Finstere Kriegsstrategie – Gewalt gegen Kinder

Meldung vom 05.08.2015

Kinder im Visier – Die blutigen Gefechte im Südsudan machen auch vor Kindern nicht Halt. Im Gegenteil – oft werden gerade sie zum Ziel der jeweiligen Konfliktpartei. Hunderttausende Kinder sind der Gewalt hilflos ausgeliefert. Sie werden ermordet, vergewaltigt, sind auf der Flucht oder werden gezwungen, selbst als Kindersoldaten zu dienen. Ihre Chancen auf ein besseres Leben stehen schlechter denn je.

Es sind die einfachen Dinge, die Alier am meisten vermisst. Dinge, über die die meisten Jugendlichen wohl kaum einen Gedanken verlieren würden, weil sie ihnen völlig selbstverständlich erscheinen. Doch im Leben des 17-jährigen Alier ist seit fast zwei Jahren jegliche Selbstverständlichkeit verloren gegangen. Seit seiner Flucht aus seinem Heimatdorf Baidit, inmitten des Südsudans, sitzt er auf einer Art Wartebank, ohne zu wissen, was die Zukunft bringt.

Mit einem Cousin hat er in der Hauptstadt Juba Zuflucht gesucht, ohne Geld für die Schule oder für einen Anruf bei den Eltern. „Ich möchte wieder mit ihnen zusammenleben und eine Ausbildung machen“, meint er. Die Trauer in seiner Stimme dabei geht zu Herzen. Eines Tages, so sein Traum, würde er gerne als Ingenieur seine Existenz bestreiten.

Alier hat noch gut jenen Tag Ende 2013 im Gedächtnis, als er in der Nähe von Baidit die ersten Schüsse hörte. Dem damals 15-Jährigen war klar, was dort geschah. Erst kurz zuvor hatte er Berichte über die ethnisch motivierte Gewalt in der Hauptstadt Juba verfolgt, bei der viele Menschen ums Leben gekommen waren. „Ich machte mich auf den Weg zur Straße und rannte los“, schildert Alier, der seinen Familiennamen geheim halten möchte. „Am Straßenrand sah ich die Leiche eines jungen Mannes. Ich schloss mich anderen an, die ebenfalls auf der Flucht waren“, erläutert er mit brüchiger Stimme.

Es waren die ersten Ausschreitungen des militärischen Konflikts zwischen Präsident Salva Kiir und seinem zuvor entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Die Gruppe um Alier erreichte damals einen von Mücken verseuchten Fluss. Da das Wasser verunreinigt war, konnten die Flüchtlinge ihren Durst nicht löschen. Irgendwann trieben die Dorfbewohner jemanden auf, der sie per Boot über den Fluss setzte. Vielen ging es da schon schlecht, weil sie sich nicht beherrschen konnten und das Wasser aus dem Fluss getrunken hatten.

Nach einiger Zeit schafften sie es zu dem Ort Golyor, wo sie von Helfern mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt wurden. „Ich war noch von einer Malaria-Erkrankung geschwächt, fühlte mich aber nicht sicher genug in Golyor“, erklärt der 17-Jährige. Also hielt er nach einer Mitfahrgelegenheit Ausschau, um nach Juba zu gelangen.

Aliers Schicksal steht stellvertretend für unzählige andere Kinder im Südsudan, die das gleiche erlebt haben. Zehntausende Menschen sind dem mittlerweile anderthalb Jahre dauernden Machtkampf zwischen Kiir und Machar zum Opfer gefallen. Weitere zwei Millionen Menschen – darunter 800.000 Kinder – mussten nach Angaben der UN die Flucht ergreifen.

Die Ermordung, Vergewaltigung und der Missbrauch von Kindern gehören in diesem blutigen Bürgerkrieg zu einer Strategie. Regelmäßig hörten sie von schweren Vergehen gegen die Kinder, berichtet Laina Henderson von der Organisation Save the Children.

Gewalt gegen Kinder habe dabei für gewöhnlich ethnische Hintergründe, sagt Skye Wheeler von Human Rights Watch (HRW). Alier zum Beispiel stammt wie Präsident Kiir von der Gruppe der Dinka ab, und rannte weg vor den Nuer – jener Ethnie, zu der Riek Machar sich zählt.

„Jungen, die älter als zwölf Jahre sind, werden von (mit den Streitkräften verbündeten) Milizen getötet, damit sie sich nicht den Rebellen anschließen“, erläutert Jonathan Veitch. Er arbeitet als Vertreter des Kinderhilfswerks der UN (UNICEF) im Südsudan. Aber auch jüngere Kinder würden gefesselt und zum Sterben im Busch liegen gelassen. „Die Milizen denken, dass sie damit verhindern, dass sich die Kinder zu späteren Feinden entwickeln“, meint Veitch.

Erst kürzlich ging die Meldung von der Ermordung von rund 130 Kindern im Bundesstaat Unity durch die Medien. Kindern wurden die Kehlen durchgeschnitten, manche Kinder wurden in brennende Häuser gestoßen. Jungen wurden kastriert und Mädchen im Alter von acht Jahren mehrfach vergewaltigt. Hinzu kommt die Problematik mit den Kindersoldaten. Sie gehen mitunter gegen andere Kinder vor. Rund 13.000 Jungen wurden genötigt, bei den Streitkräften, verbündeten Milizen oder den Rebellen mitzukämpfen, meldete die UN. Manche zögen aber auch freiwillig in den Krieg, um der Armut zu entkommen.

Die Kinder, denen es dennoch eines Tages gelingt, aus dem Krieg auszusteigen, haben oft nur einen sehnlichen Wunsch: In die Schule zu gehen. Doch für die meisten wird dieser Traum wohl nie erfüllt: Die Alphabetisierungsrate in dem armen Land beläuft sich auf gerade einmal 27 Prozent. Und selbst vor dem gegenwärtigen Konflikt schafften noch nicht einmal zehn Prozent der Kinder einen Grundschulabschluss.




Quelle: „Rhein-Neckar-Zeitung“, www.rnz.de

Schlagwörter: Südsudan, Kinder, Bürgerkrieg, Gewalt, Vergewaltigung, Missbrauch, Kindersoldaten, Flucht, Flüchtlinge, Rebellen, Soldaten, Alphabetisierungsrate, Schule, Bildung, Juba, ethnische Konflikte, UN, UNICEF, Kinderrechte, Menschenrechte, Salva Kiir, Riek Machar