Unser Service für Sie


 [ » Newsletter ]

[ » zum Kontakt-Formular ]

[ » Material bestellen ]

[ » Geschenke bestellen ]



Videos aus unseren Projekten finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.
[ » Gebende Hände – Youtube-Kanal ]


Wenn Sie Kunde von Amazon sind, können Sie Gebende Hände bei jedem Einkauf unterstützen – jedes Mal mit 0,5% des Kaufpreises. [ » Ja, das will ich.]


Mexiko: Draußen spielen unmöglich – Jedes Jahr verschwinden tausende Kinder

Meldung vom 05.11.2015

In Mexiko sind Kinder in Gefahr. Daher lassen die Eltern sie keinen Augenblick aus den Augen. Jedes Jahr werden tausende Kinder vermisst. Den Kleinen drohen Entführungen, Zwangsprostitution und Organhandel. Darum überwachen die meisten Eltern jeden Schritt ihrer Kinder.

Eine Szene, die man in Mexiko-Stadt selten sieht: Kinder tummeln sich auf einem Spielplatz, ihre Eltern, offensichtlich aus der gehobenen Mittelschicht, haben auf Bänken Platz genommen, sehen ihren Kleinen ohne Unterlass zu oder spielen mit. Selten – denn Spielplätze gibt es wenige in der Millionen-Metropole. Die einzelnen, die es gibt, wurden oft gedankenlos auf dem Mittelstreifen mehrspuriger Schnellstraßen errichtet, inmitten von Straßenlärm und Luftverpestung. Dieser gepflegte Spielplatz ist eingefasst von einem üppig bepflanzten, großen, ruhigen Park. Darum hat Marcelo Ramírez mit seinem zweijährigen Sohn den langen Weg aus seinem weit entfernten Wohnviertel in Kauf genommen.

„Die Stadt hat gerade erst angefangen, Spielplätze zu bauen. Es gibt viel zu wenige. Dieser hier war einer der ersten. Er hat eine tolle Auswahl an Spielgeräten“, stellt der junge Vater fest, während sein Sohn versucht, die Kletterwand für Kleinkinder zu bewältigen. Spielplatz und Park sind von einem hohen Zaun umgeben – zur Sicherheit:

„Hier können sich die Kinder fast so frei bewegen wie früher. Als ich Kind war, durfte ich allein draußen Rad fahren. Heute ist das nicht mehr möglich, wegen der Unsicherheit. Kinder werden entführt, sogar auf solchen Spielplätzen muss man gut aufpassen. Man hört viel davon auf Facebook und Twitter. Es passiert einfach viel. Darum muss man vorbeugen.“

Spielplätze wie dieser wurden deshalb vor einigen Jahren von besserverdienenden Mexikanern noch nicht aufgesucht. Indoor (Aktionen drinnen) war angesagt – entweder im eigenen Heim oder in teuren, klimatisierten Spiellandschaften. Inzwischen versucht die Stadtverwaltung öffentlichen Raum für alle Kinder wieder einzunehmen. Trotz der Sicherheitsprobleme, sagt die Psychologin Norma Alday.

„Es passiert, dass Kinder ihren Eltern entrissen, entführt werden. Diese Fälle lösen viel Angst und Paranoia bei den Eltern aus. Die Stadt birgt viele Risiken. Wir haben hier sogar einen Alarm, der ausgelöst wird, wenn ein Kind verschwindet. Dann werden Spots im Radio ausgestrahlt: Dieses Kind wurde entführt, mit Namen, Aussehen, Kleidung, die es trug. Dieser Alarm ist etwas sehr Reales. Und verstärkt bei Eltern das Gefühl: Kinder können verloren gehen“, so Alday.

Im sehr kinderfreundlichen Mexiko sind Kinder immer Risiken ausgesetzt. Im vergangen Jahr sind im ganzen Land nach offiziellen Angaben 3.000 Kinder als vermisst gemeldet worden. Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen liegen um ein vielfaches höher. Minderjährige werden verschleppt, sie werden Opfer von Kinderhandel, Zwangsprostitution und sogar Organhandel. Das Organisierte Verbrechen hat keine Scheu, sich auch an Kindern zu vergreifen. Darum überwachen die Eltern sie mit Argusaugen.

Marcelo, der als Programmierer arbeitet, erfährt selbst, wie anstrengend das Leben mexikanischer Eltern deshalb ist: „Außerhalb unseres Hauses lassen wir unseren Sohn keine Minute aus den Augen. Immer muss er an der Hand gehen. Ich versuche trotz allem, entspannt zu bleiben und nicht immer an das zu denken, was passieren kann.“

Jetzt führt Marcelo seinen Sohn zum Spielplatz. Wenn er größer ist, wird er ihn zu Freunden fahren, zum Sport und zur Schule. Erst mit etwa 15 Jahren verringert sich die Totalbewachung. Wenn die Jugendlichen am Wochenende anfangen auszugehen, sind die Eltern wieder im Einsatz: Vor den Nachtclubs kann man dann Fahrzeugschlangen mit wartenden Müttern und Vätern sehen. Kindergroßziehen in Mexiko ist ein Vollzeitjob, der erst mit der Volljährigkeit des Kindes endet.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandradio“, dradio.de

Schlagwörter: Mexiko, Kinder, Spielplätze, Gefahr, Entführung, Organisiertes Verbrechen, Organhandel, Kinderprostitution, Kinderhandel, Eltern, Familie, Verschleppung, Mafia, Zwangsprostitution