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Uganda: Mit dem Smartphone zum Whistleblower werden

Meldung vom 06.11.2015

Ein wichtiger Grund für wirtschaftliche Stagnation in Uganda ist die allseits verbreitete Korruption. Dort verschwinden jeden Tag öffentliche Gelder in dunklen Kanälen, die für Grundschulen oder Kliniken vorgesehen waren. Dem soll jetzt der Kampf angesagt werden – mit einer App, mit der einfach jedermann sich als „Whistleblower“ (jemand, der etwas enthüllt) betätigen kann.

Ein Dutzend Erwachsene sitzen dicht gedrängt auf den niedrigen Holzbänken der Dorfschule. Viele haben diesen Nachmittag sehnlichst erwartet. Einige haben sogar ihre Festtagskleider angezogen. Wie eifrige Schüler hängen sie an den Lippen eines jungen Mannes in dunklem Anzug, der mit seinem Smartphone herumfuchtelt. Dieses kleine Gerät sei eine Waffe gegen Korruption, sagt er: „Ich heiße Gerald Businge. Ich bin der Programmdirektor von Action for Transparency. Wir haben eine App entwickelt, die zeigt, welche Budgets die Regierung für Schulen und Kliniken angewiesen hat. So kann jeder nachprüfen, ob das Geld auch tatsächlich angekommen ist und ob es wie geplant ausgegeben wurde. Unser Ziel ist es, Korruption und Misswirtschaft öffentlicher Gelder aufzudecken.“

Gebannt schauen die Dorfbewohner zu, wie der Finger des Medienwissenschaftlers über das Display seines Handys gleitet. Eine Landkarte zeigt sich; kleine Symbole verweisen auf alle staatlichen Schulen und Kliniken. Mit einem Klick wird eine Tabelle aufgerufen. Dort kann man nachlesen, wie viel Geld diese Grundschule pro Jahr und Quartal vom Staat erhalten soll und welche Mittel zweckgebunden sind.

Doch was jetzt so einfach anwendbar ist, sei harte Arbeit gewesen, erklärt Gerald Businge: „Wir haben über ein Jahr gebraucht, um diese Daten zusammenzutragen. Man schickte uns im Ministerium von einem Bearbeiter zum nächsten. Denn eine zentrale Datenbank existiert nicht. Es war mühsame Kleinarbeit, die Detailinformationen für die einzelnen Schulen und Kliniken herauszufiltern, so dass die Bürger sie auch tatsächlich vor Ort überprüfen können. Wenn beispielsweise Geld für ein neues Klassenzimmer angewiesen, aber keines gebaut wurde, oder zwölf Lehrergehälter bezahlt werden, obwohl hier nur sieben arbeiten, dann können sie hier auf dieses Whistleblower-Symbol klicken und uns den Vorfall melden.“

Alle Zuhörer wollen das direkt ausprobieren. Viele verfügen selbst über ein Smartphone, andere schauen ihrem Nachbarn über die Schulter. Margaret Namagemba, eine beleibte Frau in dottergelbem Kostüm, ist positiv überrascht: „Es ist wirklich einfach, die Informationen abzurufen und im Zweifelsfall zum Whistleblower zu werden. Entweder mit einem anonymen Tipp durch die App oder indem man die Hotline anruft. Diese Leute verfolgen den Fall dann für uns weiter.“

Alle Hinweise kommen bei Transparency International in Uganda an, im Büro von Moses Karatunga. Vetternwirtschaft sei in dem ostafrikanischen Land an der Tagesordnung, erklärt er. Zwar seien scharfe Gesetze gegen Korruption vorhanden, aber die Umsetzung greift nicht. Es fehlt die politische Entschlossenheit, die Gesetze durchzusetzen. Ugandas Präsident Museveni ist schon seit fast drei Jahrzehnten an der Macht, die politische Monokultur begünstigt verfilzte Bürokratie.

Im weltweiten Korruptionsindex nimmt Uganda Platz 142 ein und ist damit im letzten Viertel der Liste: „Es gibt viele Korruptionsfälle, in die auch hochrangige Regierungsmitglieder verwickelt sind. Meistens kommen sie leider ungestraft davon. Dagegen wirken die kleineren Korruptionsfälle an Schulen und Kliniken natürlich wie Peanuts. Aber wir dürfen sie deshalb nicht ignorieren. Wir müssen den Bürgern zeigen, dass Transparenz im Umgang mit öffentlichen Geldern generell wichtig ist. Nur so können wir Korruption im Keim ersticken. Wir überprüfen also jeden Hinweis. Wenn er sich als stichhaltig herausstellt, dann nehmen wir Kontakt zu den entsprechenden Behörden, der Polizei oder den Ministerien auf“, sagt Businge.

Dicke Fische haben die Anti-Korruptionskämpfer durch die App noch nicht gefangen. Aber die beiden sind trotzdem begeistert über die ersten Ergebnisse ihres Pilotprojekts: So wurden beispielsweise die Machenschaften eines Beamten aufgedeckt, der jahrelang Gelder für eine Schule beansprucht hatte, die nur auf dem Papier existierte, erzählt Gerald Businge. Fälle wie dieser hätten abschreckende Wirkung: „Viele Studien belegen den Zusammenhang zwischen Korruption und mangelnder Information. Wer sich unbeobachtet fühlt, stiehlt weiter. Sobald die Bürger aber wissen, um welche Summen es geht und wofür das Geld gedacht ist, wird es schwieriger, es abzuzweigen. Wir geben den Bürgern mit der App ein Kontrollinstrument, das sie sicher nutzen können, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen.“

Aufgeklärte, mündige Bürger sind das beste Mittel bei der Eindämmung von Korruption: Von dieser Idee hat Gerald Businge an diesem Nachmittag auch die Zuhörer in der Grundschule völlig eingenommen. Aufgebaut und gestärkt in ihrem Selbstbewusstsein gehen die Dorfbewohner nach Hause, als künftige inoffizielle Whistleblower.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandradio“, dradio.de

Schlagwörter: Uganda, Korruption, Whistleblower, Smartphone, Handy, App, Bürokratie, Behörden, Gelder, Vetternwirtschaft, Anzeige, Bürger, Transparenz, Transparency International, Programm, Informationen