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Sambia: Rohstoffabbau um jeden Preis – Wer schützt die Kinder von Kabwe?

Meldung vom 26.01.2016

Die Förderung von Rohstoffen wie Kupfer, Blei und andere Metalle gehört in Sambia zur wichtigsten Einnahmequelle des Staates. Dabei wird auf die Natur und Gesundheit der bei den Bergwerken wohnenden Menschen wenig Rücksicht genommen. Bis 1994 wurde in der sambischen Stadt Kabwe Blei gefördert. Zurückgeblieben sind riesige Halden – und hohe Bleiwerte im Blut der Anwohner. Das Hilfswerk Terre des Hommes zog bis vor den UN-Kinderrechtsausschuss, um Menschenrechtsverletzungen in der Region anzuklagen.

Kabwe, die Hauptstadt der gleichnamigen Zentralprovinz in Sambia, befindet sich auf einer Erzader mit einem Bleigehalt von 20 Prozent. Das ist beträchtlich – und nur ein Beispiel für die reichen Rofstoffvorkommen in dem Land, das auch gewaltige Kupferadern vorweisen kann. Noch bis 1994 – fast ein Jahrhundert lang – wurde in Kabwe Blei abgebaut. Nach dem erfolgreichen Geschäft sind riesige Halden mit Abraum zurückgeblieben – und verheerend hohe Bleiwerte im Blut der Einheimischen. Das renommierte US-amerikanische Blacksmith Institute stuft Kabwe als eine von zehn am meisten verschmutzten und vergifteten Städten weltweit ein. Besonders die Kinder werden davon in Mitleidenschaft gezogen.

Am heutigen Tag dreht sich die Tagesordnung des UN-Kinderrechtsausschusses in Genf um Umweltbelastungen. Die sambische Regierung muss dann turnusgemäß über ihre Fortschritte bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention Aufschluss geben und sich kritische Fragen gefallen lassen. Dazu hat das Kinderhilfswerk Terre des Hommes dem UN-Gremium eine Erhebung eingereicht und verweist darin angesichts vergifteter Böden, Wasser und Luft auf eine „extreme Verletzung von Menschenrechten und der Zukunftschancen von Kindern“.

Eine Studie offenbart, dass die Bleiwerte im Blut von Kindern noch immer den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Deziliter Blut um ein Vielfaches übertreffen. In Kabwe wurden bei 98 Prozent der untersuchten Kinder mehr als 20 Mikrogramm Blei pro Deziliter Blut in ihrem Körper nachgewiesen. Bei 26 Prozent der getesteten Minderjährigen wurde sogar eine Konzentration von über 65 Mikrogramm gemessen – mehr konnte das mobile Testgerät nicht erfassen.

Diese schlechten Resultate wurden gemessen, obwohl die Weltbank von 2003 bis 2011 in Kabwe und anderen Bergbaugebieten im sogenannten Kupfergürtel ein 40 Millionen Dollar schweres Projekt ins Leben gerufen hat, um die Altlasten zu bereinigen und die Gesundheit der Menschen zu gewährleisten. Doch noch immer ist die Bevölkerung der massiven Blei-Belastung ausgesetzt. Rund 94.000 Kinder sind von dem Schwermetall kontaminiert.

Bei ihnen kann Blei auch in geringen Mengen gravierende Schäden an inneren Organen, am Nervensystem und bei der Blutbildung zur Folge haben. Auch die Intelligenz geht zurück als erwiesene Nebenwirkung einer Belastung mit Blei. Medizinische Studien weisen nach, dass erhöhte Werte im Blut die emotionale und intellektuelle Entwicklung erheblich schädigen. Ärzte und Pädagogen in Kabwe schildern die praktischen Auswirkungen. So werden bei Schülern nicht nur Verhaltensauffälligkeiten wahrgenommen, sondern bei ihnen stellen sich inzwischen auch Erinnerungsverlust, Sprachstörungen, Untergewicht und motorischen Einschränkungen bis hin zu Lähmungen ein. Lehrer Wisdom Kaunda ist aufgefallen, dass Schüler aus Kabwe zu deutlich schlechteren schulischen Leistungen fähig sind als ihre Altersgenossen, die den toxischen Staub von den ungesicherten Abraumhalden nicht täglich einatmen müssen.

Der britische Konzern Berkeley Mineral Resources (BMR) hat die stillgelegte Bleimine mittlerweile gekauft und hofft auf Profit. Das Unternehmen verfüge über eine Methode, um das Schwermetall, das sich noch unter der Erde befindet, herauszulösen, kündigte BMR-Vorstandschef Alex Borrelli im vergangenen Dezember in einem Interview an. Man wolle eine Pilotanlage aufbauen und das Projekt werde allen gleichermaßen zugutekommen, dem Konzern und der Region, prahlte Borrelli. Denn das „Säubern“ der Halden werde die Umweltbelastung der Region verringern.

Unterdessen hat die Weltbank ein neues Fünf-Jahres-Projekt für Sambia entwickelt, das 2016 in Angriff genommen werden soll. Mit 50 Millionen US-Dollar will die Weltbank gegen die durch den Bergbau verursachten Umwelt- und Gesundheitsbelastungen der Menschen in Kabwe und in weiter nördlich im sambischen Kupfergürtel gelegenen Städten angehen. Sie sei davon überzeugt, dass das Gesundheitsministerium sich dann endlich mit Labormaterial ausstatten könne, um die Bleiwerte im Blut der Bevölkerung dauerhaft zu messen, sagte Edwidge Mutale, Staatssekretärin der Zentralprovinz.

Jonas Schubert, der Kinderrechtsexperte von Terre des Hommes, stellt aber weitaus höhere Forderungen. Das Weltbank-Vorhaben müsse konsequent auf Menschenrechte zugeschnitten werden und nicht „Kosten-Nutzen-Kriterien“ im Fokus haben wie beim ersten Weltbank-Projekt. „Jedem Kind, das durch Blei vergiftet wird, muss geholfen werden“, sagt Schubert. Alles andere müsse man als moralische Bankrotterklärung verurteilen.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Frankfurter Rundschau“, FR-online.de

Schlagwörter: Sambia, Bergbau, Blei, Rohstoffe, Förderung, Profitgier, Kinder, Bleivergiftung, Kinderrechte, Natur, Umweltschäden, Gesundheit, Kabwe, Kupfer, Kupfergürtel, Bleiader, Vergiftung, Weltbank, Weltgesundheitsorganisation, Bleimine, Ausbeutung, Bleiwerte, Blut, Terre des Hommes, Wasserverschmutzung, Luftverschmutzung, Umweltbelastungen, Gesundheitsschäden