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Uganda: Müttersterblichkeit wird achselzuckend hingenommen

Meldung vom 23.02.2016

Müttersterblichkeit ist in afrikanischen Ländern immer noch relativ hoch. Die UN hat die Senkung der Müttersterblichkeit zu einem ihrer Milleniums-Entwicklungsziele gemacht. Und doch werden hier nur mühsame Fortschritte verzeichnet. In Uganda erklärt eine Frauenärztin, dass noch so ehrgeizige Pläne nicht fruchten, so lange die Verwaltung und der Staat nicht kooperieren. Eve Nakabembe arbeitet als ugandische Frauenärztin, sie hätte das Land verlassen können, um in der reichen Welt ihr Geld zu verdienen. Aber sie wollte ihrer Heimat dienen, wo sie doch viel mehr gebraucht wird.

Ugandas Frauen haben es schwer bei der Geburt. Viele sterben dabei. Die Müttersterblichkeit ist global betrachtet in den vergangenen 25 Jahren zwar deutlich zurückgegangen. Und auch im Osten Afrikas lässt sich dieser Trend wahrnehmen. Dennoch sind die Gefahren für werdende Mütter hier noch immer um ein Vielfaches höher als in entwickelten Staaten. In Uganda stirbt eine von 47 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Das Risiko in Deutschland hingegen beläuft sich auf 1 zu 11.700.

Die Medizinerin Nakabembe ist sich der Frustrationen vieler Kollegen in den Kliniken ihres Landes bewusst, sie hat es einmal so in Worte gefasst: „Du weißt genau, was du tun musst. Aber du kannst es oft nicht tun, weil dir die Mittel fehlen. Das macht dich als Arzt verrückt.“

Die Gesundheitssysteme afrikanischer Länder sind oftmals überfordert mit den Aufgaben, sie sind marode aufgrund von Missmanagement, mangelhafter Ausstattung, schlecht bezahltem und häufig auch überfordertem Personal. Welcher qualifizierte Arzt nimmt in Kauf, sich für 500 Dollar im Monat Tag und Nacht für den Dienst im Krankenhaus aufzuopfern? „Das Geld reicht nicht einmal, um deine Kinder auf die Schule zu schicken“, ärgert sich die Ärztin. Also sind viele gezwungen, sich in privaten Kliniken etwas dazuzuverdienen. Im Regierungshospital fehlen sie dann auf der Station, obgleich sie eigentlich Schicht hätten. So kommt es oft vor, dass von einem Dutzend Ärzten tatsächlich nur jeweils zwei für die Patienten anwesend sind.

Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen können aber nicht auf die Rückkehr des Arztes warten. Ohne schnelle Hilfe sterben sie. Hinzu kommt häufig, dass die Frauen aus den Dörfern mangels Fortbewegungsmitteln und Infrastruktur oft schon lange unterwegs sind, bis sie in der Klinik ankommen. Die Hausgeburt in der Lehmhütte gehört immer noch zum Alltag. Und tauchen dann bei Kerzenschein Komplikationen auf, wird gebetet. Aber eine helfende Hebamme ist nirgends vorhanden, einen Arzt kann man nicht herbeirufen.

Die Gesundheitsmisere ist eine Begleiterscheinung von Staaten, die mit Problemen überladen sind und sich mit chronischen Missständen als unvermeidlich abgefunden haben. Nur wenn sie besser regiert und verwaltet werden, kann auch Hilfe von außen besser greifen.

Ansonsten kommen nur vereinzelte Wohltaten zum Zuge, man kann nur punktuelle humanitäre Einsätze durchführen, die zwar Leben retten, aber doch von einem System eingeschränkt werden, in dem die Müttersterblichkeit mehr oder minder achselzuckend hingenommen wird – als müsse man die Defizite im Gesundheitssystem als ein unabwendbares Schicksal akzeptieren, das mit politischen Mitteln ohnehin nicht zu verändern sei. Die Ärztin Eva Nakabembe wundert sich, warum die Leute das alles so hinnehmen. Und wie viel Zeit noch vergehen muss, um das Bewusstsein in den Köpfen zu ändern. Afrika hat gerade erst begonnen, seine Mütter zu retten.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Süddeutsche Zeitung“, sueddeutsche.de

Schlagwörter: Uganda, Mütter, Geburt, Schwangerschaft, Müttersterblichkeit, Gesundheitssystem, Ärzte, Krankenhäuser, Entwicklungsziele, UN, Frauenärzte, Hebammen, Schwangerschaftskomplikationen