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Indien: Weltfrauentag – Vom Säureopfer zum Topmodell

 
Meldung vom 10.03.2016

Lange Zeit verbarg sich Laxmi Saa nur noch zu Hause. Doch dann wandte sie sich wieder dem Leben zu. Jetzt tritt sie offensiv ins Licht der Öffentlichkeit – der Laufsteg und die Kameras gehören nun zu ihrer Welt. Und sie scheut sich nicht mehr, ihr Gesicht zu zeigen.

Die Haut an den Füßen von Laxmi Saa ist heil geblieben, die Nägel sind lackiert und die Füße sind in goldenen Sandalen, mit denen sie elegant auf den Platten im Bahnhof im indischen Lucknow schreitet. Doch auch die vernarbte Haut an Händen, Dekolleté, Hals und Gesicht kaschiert die 26-Jährige nicht mehr. Selbstbewusst hält sie jedem Blick stand, fährt sich mit den Händen durch die langen schwarzen Haare.

Damit ist der Mann, der Laxmi Säure ins Gesicht schüttete, mit seinem Vorhaben gescheitert: Laxmis Leben wurde nicht zerstört. Sie hat nicht den Rückzug angetreten. Im Gegenteil: Laxmi bietet ihr Gesicht oft den Kameras dar. Sie macht gerne Selfies. Sie steht für professionelle Fotoshootings zur Verfügung – denn Laxmi wurde zum Vorzeige-Model einer indischen Modemarke ausgewählt. Zuvor war sie Moderatorin der wöchentlichen TV-Show Udaan. Und sie hatte Erfolg mit einem Verfahren vor Indiens höchstem Gericht gegen den unkontrollierten Verkauf von Säure.

Nach Lucknow, der Landeshauptstadt von Indiens größtem Bundesstaat Uttar Pradesh, ist Laxmi für ihr nächstes Projekt angereist: ein Café. Die Eröffnung soll am Dienstag stattfinden. Das ist der 8. März – der Weltfrauentag. Fünf Säureopfer sollen hier eine Arbeit ausüben dürfen, die sie in der indischen Gesellschaft kaum finden würden. Die Frauen müssten sich zunächst wieder in einen Arbeitsalltag einüben und in der Gesellschaft neu Fuß fassen, sagt Parth Sarthi, Projektdirektor von Laxmis Organisation Support Centre for Acid Attack Survivors (Chhanv) in Lucknow.

Laxmi stärkt andere Frauen. Sie hat Erfahrung mit den Leiden eines Säureopfers. Sie hat erfahren, was es heißt, sich aus Furcht vor den Blicken der Nachbarn jahrelang zu Hause zu verstecken. Auch sie ging vier Jahre nur mit einem Schleier aus dem Haus. Laxmi war erst 15 Jahre alt, als ein abgewiesener Liebhaber sie mit Säure übergoss. Auf offener Straße in Neu-Delhi schüttete er ihr die ätzende Flüssigkeit ins Gesicht. „Es war, als würde mein ganzer Körper brennen. Ich fühlte, wie ich schmolz und auf den Boden tropfte“, berichtet Laxmi.

Ihr Vater entfernte danach alle Spiegel aus dem Haus. Die unzähligen Operationen zehrten an den Ersparnissen der Familie. Ihre Nase wurde neu modelliert; Haut von den Oberschenkeln wurde ihr ins Gesicht transplantiert. Diese bedeckt nun asymmetrisch und in verschiedenen Farbtönen ihr Gesicht. Irgendwann wollte Laxmi keine Eingriffe mehr. „Ich liebe mein Gesicht, wie es ist“, betont sie. Es sollten keine weiteren Operationen mehr vorgenommen werden. Laxmi nimmt sich selbst an – auch ohne Wimpern und Augenbrauen.

Wenn sie nun auf die Straße geht, trägt die 26-Jährige selbst geschneiderte Kleider, oft in lebendigen Farben. Große Ohrringe und Lippenstift vervollständigen das Outfit. „Klar, ich liebe Make-up! Wie jede junge Frau“, meint sie. „Laxmis Selbstbewusstsein ist umwerfend, das sieht man bei den meisten anderen Säureopfern nicht“, erzählt Vasini Sharma, die in der Personalabteilung von Chhanv arbeitet. Deswegen sei sie ein Vorbild für viele der mehr als 300 Frauen, die jedes Jahr in Indien einen Säureanschlag überleben.

Sie wird als „Fahnenträgerin der Bewegung für ein Ende der Säureattacken in Indien“ geehrt, so lautet es in der Laudatio zum Preis International Women of Courage Award, den Laxmi 2014 zugesprochen bekam. Im Vorjahr wurde Laxmi Mutter. Ihre Tochter Pihu nimmt die Frau überallhin mit, auch zum Fotoshooting für das Label Viva N Diva, das Laxmi nun zum Topmodell gemacht hat. In einem Video wird gezeigt, wie sie geschminkt wird, wie das Scheinwerferlicht angeht und sie selbstbewusst im Mittelpunkt der Kameras steht. „Die Modeleute haben mich wie jedes andere Model behandelt. Nicht wie ein Opfer“, betont Laxmi. Die Entstellung bestimmt nicht mehr ihr Leben. „Meine Arbeit ist es, die mich definiert, nicht mein Gesicht.“






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Salzburger Nachrichten“, salzburg.com

Schlagwörter: Indien, Säureopfer, Laxmi Saa, Modell, Topmodell, Foto-Shooting, Lucknow, Frauen, Frauenrechte, Gesicht, Mode, Weltfrauentag, Säure, Laufsteg