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Ghana: „Mr. Dumsor“ – Warum wegen Ghanas Stromausfällen Köpfe rollen

Meldung vom 30.06.2016

Ghana kämpft mit häufigen Stromausfällen. Weil diese so oft vorkommen, hat die Bevölkerung dafür einen extra Begriff erschaffen: „Dumsor“. Der jeweils amtierende Energie-Minister sitzt aufgrund der chaotischen Lage auf einem „Feuerstuhl“. Schwimmende Kraftwerke und moderne Kohlekraftwerke sollen Abhilfe schaffen.

Unkontrollierbare Unterbrechungen der Stromversorgung sind in dem westafrikanischen Staat Ghana seit Jahren dafür verantwortlich, dass das öffentliche Leben immer wieder zum Stillstand kommt. Computer in Schulen und in der Verwaltung fallen aus, die Kühlung für Lebensmittel und Getränke funktioniert nicht mehr, die Maschinen in Kleinbetrieben setzen aus und Frauen wagen sich nachts im Dunkeln nicht mehr aus dem Haus.

In Ghana weiß inzwischen jeder, was „Dumsor“ bedeutet. Das Wort wurde aus den Begriffen für „Licht anmachen (Dum)“ und „Licht ausmachen (Sor)“ aus der weitverbreiteten Akan-Sprache zusammengesetzt. Es dürfte der seltene Fall eines Begriffes aus der Akan-Sprache sein, den man sogar bei Wikipedia nachschlagen kann, – wenn auch bislang nur in der englischen Version.

Von offizieller Seite spricht man lieber von „load-shedding“ (Überlastung) oder „erratic power supply“ (Schwankungen in der Stromversorgung) und findet diverse Ursachen, warum die Stromversorgung immer wieder einbricht. Der Bevölkerung hilft es wenig zu wissen, ob der Strom im Viertel planmäßig zur gleichmäßigen Verteilung der Last abgeschaltet wird oder ob eine Trafostation kaputt gegangen ist. Das Resultat ist immer das gleiche: Es ist kein Strom da!

Am Thema Dumsor können politische Karrieren scheitern. Der amtierende Staatspräsident John Dramani Mahama hat noch Anfang 2015 vor Bundeskanzlerin Merkel gewitzelt, dass man ihn daheim „Mr. Dumsor“ betiteln würde.

Einer seiner Minister, der als „Dr. Dumsor“ beschimpft wurde, musste Ende 2015 den Rücktritt einreichen. Der „Power Minister“ Dr. Kwabena Donkor sah keinen anderen Ausweg, als am letzten Tag des Jahres sein Amt zu quittieren, obwohl er es eigentlich als das Jahr seines Triumphes feiern wollte. Noch am Tag vor Weihnachten gab er vor einem Ausschuss im Parlament bekannt, dass er die Sache jetzt unter Kontrolle hätte. Aber pünktlich zu Weihnachten lagen wie gewohnt ohne Vorwarnung einzelne Gegenden im Dunkeln.

Kwabena Donkor hatte versucht, die Stromprobleme des Landes mit einem Gewaltakt zu lösen. Um das Energievakuum der vorhandenen Kraftwerke zu füllen, wurde in der Türkei ein schwimmendes Kraftwerk bestellt.

Im Juni 2014 war ein Vertrag unter dem Motto „Power of Friendship for Ghana“ über die Lieferung von zwei schwimmenden Kraftwerken mit einer Gesamtleistung von 450 MW zustande gekommen, was knapp ein Viertel des Strombedarfs generieren würde. Die beiden Kraftwerke sollten von der Firma Karpowership der Karadeniz Holding Gruppe hergestellt werden, die ihren Sitz in Istanbul hat.

Nach diesem Modell hat die Karadeniz Holding schon seit 2009 eine Reihe von schwimmenden Kraftwerken zunächst im Mittleren Osten (Libanon, Irak, Dubai), inzwischen auch in Indonesien platziert. Ghana könnte nun als Pilotprojekt für die ganze afrikanische Westküste bis Südafrika gelten, wo es überall Erdgas- und Ölvorkommen entlang der Küste gibt.

Das ganze Jahr 2015 wurde in Ghana von der bangen Frage begleitet, ob das lange versprochene Kraftwerk eintreffen und sich dadurch die Situation bei der Stromversorgung radikal verändern würde.

Anfang Mai 2015 konnte die Regierung endlich ganz offiziell die Übergabe in der türkischen Werft bekannt geben. Das für Ghana bestimmte Schiff wurde dort mit dem Namen Aysegül Sultan getauft, denn bei der Karadeniz Holding ist es üblich, dass die Schiffe nach Verwandten der Vorstandsvorsitzenden benannt werden. Am 27.Oktober 2015 stach das Schiff in See. Drei Wochen sollte die Reise im Bosporus in Anspruch nehmen. Der Kurs der Black Marlin wurde von den Medien in Ghana anhand der elektronisch übermittelten Positionsangaben mit großer emotionaler Anteilnahme verfolgt. Der Weg verlief durch das Mittelmeer in Richtung Westen und nach Passieren der Straße von Gibraltar an der afrikanischen Westküste entlang nach Süden.

Unruhe kam auf, als der Transport nicht, wie erwartet, direkt den vorgesehenen Liegeplatz in Tema ansteuerte, sondern am 23. November 2015 einen Hafen des Nachbarlandes Elfenbeinküste anvisierte. Doch die Panik verebbte schnell wieder. Die Häfen in Ghana sind nicht tief genug, um die Aysegül Sultan wieder von der Ladefläche der Black Marlin zu schaffen. Mit Hilfe eines Hochseeschleppers und unter militärischem Begleitschutz wurden die letzten Seemeilen über die offene See zurückgelegt und am 28. November konnte das schwimmende Kraftwerk im Hafen von Tema andocken. Unverzüglich wurde mit den Arbeiten zur Inbetriebnahme und zum Anschluss an das nationale Stromnetz angefangen.

Sofort meldeten sich hochrangige Vertreter der Regierung und der nationalen Energieversorger zu Wort und versprachen hoch und heilig, dass „Dumsor“ jetzt endgültig der Vergangenheit angehöre. Nach Testläufen ab dem 18. Dezember wurde mit der regulären Einspeisung noch am Abend des 19. Dezember, einem Samstag, losgelegt. Damit, so der Hintergedanke, sollte es über Weihnachten für alle Strom geben.

Zufrieden teilte das Load Shedding Committee am 13. Januar 2016 mit, dass im letzten Monat keine Stromunterbrechung registriert wurde und war voller Hoffnung, dass das angesichts des neu ans Netz gegangen Kraftwerks auch so anhalten würde. Aber schon am 21. Januar 2016 kam aus unerklärlichen Gründen das gesamte Netz zum Erliegen, was von der Bevölkerung als „Dumsor“ verbucht wurde, unabhängig von diversen Rechtfertigungsversuchen, bei denen unermüdlich technische Gründe aufgezählt wurden.

Bei der Stromversorgung gehört es in Ghana zur Tradition, dass die Verantwortlichen immer ganz große Luftschlösser bauen wollen. Die Basis für diese Haltung wurde bereits bei der Unabhängigkeit des Landes, der früheren Kronkolonie Goldküste, gelegt. Ein gewaltiger Staudamm bei Akosombo, der den Fluss Volta in einen Stausee mit einer Fläche von 8,502 Quadratkilometer (3,6 % des Staatsgebiets) verwandelte, sollte das Problem komplett aus der Welt schaffen.

Doch von 2003 an wurden dramatische Einbrüche bei der Wasserkraft verbucht, weil der dafür notwendige Regen nicht fiel. Die nach wie vor alarmierende Lage bei der Stromversorgung rief auch die Volta River Authority auf den Plan. Im Mai 2016 bot es sich an, wieder den seit mehreren Jahren verfolgten Plan eines Kohlekraftwerks mit sagenhaften 2.000 MW aus der Tasche zu ziehen.

Es soll direkt an der Küste bei Ekumfi Aboano errichtet werden und mit Kohle gespeist werden, die aus Südafrika oder Kolumbien eingeführt werden muss. Partner ist die Shenzhen Energy Group Co., Ltd. of China (SEC), die zunächst zwei Kraftwerksblöcke mit jeweils 350 MW dafür produzieren soll. Allein die Baukosten werden 1,5 Milliarden US-Dollar verschlingen und man rechnet damit, dass modernste Technik zum Einsatz kommt.

Es gäbe allerdings auch noch Alternativen: Man sollte auch die in der Land- und Forstwirtschaft in Ghana derzeit entstehenden Nebenprodukte berücksichtigen. Die Schalen, Fruchthülsen, Stroh, Blätter usw. sind weder Lebensmittel noch Tierfutter und verrotten, ohne in Energie umgewandelt zu werden.




Quelle: „Telepolis“, www.heise.de

Schlagwörter: Ghana, Dumsor, Strom, Stromausfälle, Energie, Energieversorgung, Stromversorgung, Kraftwerke, schwimmende Kraftwerke, Türkei, Kohlekraftwerke, Erneuerbare Energien, Rücktritt, Energie-Minister, Wirtschaft, Wasserkraftwerk, Regen