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Äthiopien: Junge Frauen werden in arabischen Familien versklavt

Meldung vom 09.08.2016

Hunderttausende junge Frauen aus Äthiopien bemühen sich, in arabischen Staaten als Hausangestellte unterzukommen. Aster war 19 Jahre alt, als sie den großen Absprung wagte. Sie war ausnehmend schön, bitterarm und wild entschlossen, als Hausmädchen bei einer arabischen Familie im Libanon so viel Geld zu verdienen, dass sie ihre sechsköpfige Familie in Addis Abeba durchbringen konnte. „Ich hatte erwartet, dass sich mein Leben verbessern würde“, erklärt die 30-jährige äthiopische Frau heute.

Eine Hoffnung, die sofort nach ihrer Ankunft in Beirut zerbrach. „Ich musste 22 Stunden am Tag arbeiten, durfte nur zwei Stunden schlafen.“ Kochen, putzen, waschen, die Alten der Familie pflegen, die Kinder hüten und den ganzen Tag über keine einzige Pause. Ihr wurde kein einziger freier Tag in der Woche zugestanden – und die ersten Monate bekam die junge Frau keinen Lohn zu sehen. Denn diesen strich die äthiopische „Agentur“ für sich ein, die den Vertrag zwischen den Hausmädchen und ihren Arbeitgebern zustande gebracht hat. Frauen, die im Ausland arbeiten wollen, nehmen aufgrund ihrer Armut meist zuerst einen Kredit bei Menschenhändlern auf. Den müssen sie dann in monatelanger, manchmal jahrelanger Sklavenarbeit abzahlen.

Allein aus Äthiopien begeben sich jährlich mehrere Hunderttausende junge Frauen zum Arbeiten in die reichen Golfstaaten. Aster würde inzwischen alle warnen: „Geht nicht! Es gibt dort kein Leben.“ Jeder im Haus, erklärt Aster zurückblickend, „hat mir alles befehlen dürfen, selbst die Allerkleinsten. Sie haben mich beschimpft und misshandelt. Aber anderen Frauen in Beirut ist es noch viel schlechter ergangen.“

Schläge, sadistische Gewalt, Vergewaltigungen durch den Hausherren – all diese furchtbaren Schicksalsschläge hat die Menschenrechtsorganisation Nolawi in Addis Abeba unendlich oft gehört. „Diese Frauen kommen oft vollkommen mittellos zurück, sind traumatisiert. Und oft gibt es auch hier nichts mehr für sie. Wir helfen ihnen schrittweise, wieder auf die Beine zu kommen“, berichtet Nolawi-Leiter Ferrew Lemma.

Er erzählt von einer Frau, die in Saudi-Arabien von ihrem Arbeitgeber vergewaltigt wurde. Dessen Ehefrau geriet in Eifersucht und übte Vergeltung, indem sie der jungen Äthiopierin kochend heißes Wasser über das Gesicht goss. Äthiopiens Außenministerium erlöste die Frau von ihrem Leid und brachte die schwer Verletzte nach Hause zurück, ihre Dienstgeber aber kamen straflos davon. Der Fall kam noch nicht einmal zur Anklage.

Zarkala wiederum wurde von ihrer „Gastfamilie“ dazu gezwungen, den Islam anzunehmen. Die äthiopisch-orthodoxe dreifache Mutter war nach Saudi-Arabien gekommen, um ihre drei Kinder daheim versorgen zu können. Sie musste dort elf Jahre verbringen – nicht freiwillig, ihr Pass war ihr abgenommen worden. „Sie haben mich ständig geschlagen“, berichtet die 40-Jährige. Sie musste 18 Stunden am Tag schuften. Eine Flucht war völlig ausgeschlossen.

Andere Hausmädchen in Saudi-Arabien, die aus ihrem Arbeitsgefängnis entkommen konnten, warf man ins Gefängnis. Eine Inderin, die vergangenen Herbst aus dem Haus ihrer Peiniger weglaufen wollte, traf es am schlimmsten. Die Hausherrin bekam die rechte Hand der jungen Frau zu fassen – und hackte sie ihr ab.

Einige Staaten wie etwa Nepal oder Uganda haben Anordnungen erlassen, die ihren Staatsbürgerinnen verbieten, in die Golfstaaten arbeiten zu gehen. Ausnahmen werden nur für ältere Frauen gemacht. Man geht davon aus, dass diese vor sexuellen Übergriffen im Haus ihrer Arbeitgeber nichts mehr zu befürchten haben.

Und Saudi-Arabien und Kuwait verabschiedeten kürzlich neue Gesetze für ausländische Hausangestellte: Darin wurden Mindestlöhne von jeweils 180 Euro, höchstens zwölf Stunden Arbeit pro Tag und ein freier Tag in der Woche festgelegt. Daran hält sich aber bis heute niemand, berichten Menschenrechtsorganisationen.

Bis zu 50 Frauen suchten nach wie vor täglich in Riad in einer Unterkunft Schutz, die für misshandelte Hausangestellte aufgebaut wurde. Die Äthiopierin Aster entschloss sich nach drei Jahren zur Flucht. „Ich bin davon gelaufen, als alle geschlafen haben“, bekundet sie, „und habe dann eine andere Familie in Beirut gefunden. Dort ging es mir gut. Ich musste nur noch 14 Stunden am Tag arbeiten. Wenn ich wollte, durfte ich ab neun Uhr abends schlafen.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: kurier.at

Schlagwörter: Äthiopien, Hausangestellte, Sklavin, Ausbeutung, arabische Familie, Vergewaltigung, Gastarbeiterin, Gastfamilie, Saudi-Arabien, Golfstaaten, Ausreise, Kuweit, Menschenhändler, Schlepperbanden, Arbeitgeber, Mindestlohn, Gesetze, Frauen, Gender, Frauenrechte
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