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Afghanistan: Leere Betten und beklemmende Stille – Ein Krankenhaus mitten im Krieg

Meldung vom 31.08.2016

In der Provinz Helmand in Afghanistan toben heftige Gefechte. Trotz der steigenden Anzahl von Verwundeten schaffen es die Menschen nicht mehr, zum Krankenhaus zu gelangen, weil das Gebäude von den Kämpfen eingekesselt ist.

Dr. Erlend Grøninngen ist Stationsarzt im Boost-Krankenhaus in Laschkar Gah, Helmand. Im Krankenhaus stehen 300 Betten zur Verfügung. Es wird von Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit dem afghanischen Gesundheitsministerium unterhalten. Der Konflikt rund um die Provinzhauptstadt versperrt den Menschen den Zugang zum Krankenhaus. Gerade in den vergangenen Wochen, in denen die Kämpfe in der Provinz Helmand sich ausweiteten und sich Laschkar Gah immer mehr näherten, gingen die Patientenzahlen rasant zurück.

Der Konflikt hat sich um die Stadt herum gelagert, und auch wenn die Kampfhandlungen in den vergangen Tagen etwas zurückgegangen sind, registriert das Krankenhaus-Personal einen erheblichen Rückgang an Patientenaufnahmen. Normalerweise sind in dem Krankenhaus alle Betten belegt, doch in letzter Zeit schaffen es immer weniger Menschen in die Notaufnahme.

Für das Krankenhaus-Personal ist es tragisch zu sehen, dass der Krieg die Menschen daran hindert, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen. Die Zimmer auf der Kinderstation und in den Ernährungszentren sind sonst immer überfüllt mit lärmenden Kindern und jungen Patienten – oft liegen auch zwei in einem Bett. Sie wurden dort wegen Mangelernährung oder anderer, lebensbedrohlicher Umstände untergebracht. Nun hat sich eine unheimliche Stille im Krankenhaus ausgebreitet und die Betten sind alle leer. Das ausgestorbene Krankenhaus spiegelt die Brutalität des Krieges wider.

Als die Kämpfe in der vergangen Woche etwas abflauten, kamen sofort wieder mehr Patienten, und die Kinderstation und die Ernährungszentren waren wieder wie früher belegt. Die Anzahl der Menschen, die in die Notaufnahme kamen, wies aber große Schwankungen auf.

Vor ungefähr einer Woche wurde ein 15-jähriges Mädchen aus dem Stadtteil Nawa in einem sehr schlechten Zustand zur Notaufnahme gebracht. Sie war an einer Hirnhautentzündung erkrankt und auf sofortige Behandlung angewiesen. Ihre Eltern schilderten den Ärzten, dass sie bereits seit mindestens einer Woche krank sei. Nawa befindet sich zwar in unmittelbarer Nähe und ihnen war bewusst, dass es sich um eine schwere Erkrankung handelte, aber aufgrund der Gefechte konnten sie das Haus nicht verlassen. Die Ärzte begannen die Behandlung bei dem Mädchen, nicht ohne vorher verdeutlicht zu haben, dass es möglicherweise schon zu spät für sie sein könnte. 24 Stunden nachdem die Behandlung in Angriff genommen wurde, fiel das Mädchen in ein Koma und starb.

Ein weiteres Beispiel war ein Junge, den seine Eltern mit starker Atemnot ins Krankenhaus brachten. Seine Familie erläuterte, dass er bereits seit 12 Tagen unter diesen Symptomen litt. Nach einer Untersuchung wurde festgestellt, dass seine Lungen in einem lebensbedrohlichen Zustand waren. Bei dem sogenannten Spannungspneumothorax geht es im Wesentlichen um eine Ansammlung von Luft in der Brusthöhle, die durch eine Verletzung der Lunge bewirkt wird. Er bekam eine Brustkorbdrainage und sein Zustand verbesserte sich zusehends. Trotzdem wird er noch eine ganze Weile einen Schlauch in der Brust haben müssen, damit sich die Lunge wieder vollkommen regeneriert.

Das Röntgenbild ergab außerdem, dass er an Tuberkulose erkrankt war, eine häufige Krankheit in Helmand. Er sprach auf die Medikamente gut an und kurz darauf erholte er sich ausreichend, um wie jeder andere 7-jährige Junge neugierig das Krankenhaus zu erkunden. Doch das Laufen schmerzte ihn. Eine weitere Untersuchung ergab, dass er eine ausgekugelte Hüfte hatte. Aufgrund seines schlechten Zustandes bei der Ankunft in der Notaufnahme, hatten die Eltern des Jungen es verpasst, den Ärzten von einem Autounfall zu berichten, der sich 12 Tage zuvor ereignet hatte und der Grund für seine Lungen- und Hüftverletzung war. Die Hüfte wurde wieder eingerenkt und er erhielt einen Streckverband. Jetzt kann seine Genesung auf der Kinder-Intensivstation langsam fortschreiten.

Der Fall dieses Jungen beweist, dass die Hoffnung nie verloren ist, auch wenn ein Patient in einem kritischen Zustand und viel zu spät ins Krankenhaus kommt. Doch grundsätzlich bringt diese zeitliche Verschleppung das Leben von Verwundeten und Erkrankten unnötig in Gefahr. Ärzte ohne Grenzen fordert von den Kriegsparteien, dass den Menschen der Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglicht wird.




Quelle: „Ärzte ohne Grenzen, Medecins sans Frontieres“, www.aerzte-ohne-grenzen.de

Schlagwörter: Afghanistan, Helmand, Krieg, Taliban, Laschkar Gah, Krankenhaus, Konflikt, medizinische Versorgung, Patienten, Verwundete, Kinder, Krankheit, Ärzte