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Mexiko: Die Kehrseite der Avocado

Meldung vom 28.09.2016

Der weltweite Heißhunger auf die Avocado hat in Mexiko verheerende Folgen. Wälder werden gerodet und die Kartelle mischen inzwischen bei dem Geschäft mit den grünen Früchten kräftig mit.

Im Salat, auf Toast oder pur mit Zitrone und etwas Chili wird die Avocado weltweit verspeist. Die grüne bis dunkellilafarbene Frucht ist populär wie nie zuvor. In die USA, genauso wie nach Europa und auch nach Asien gehen immer mehr Ladungen mit der begehrten Ware aus Mexikos Bundesstaat Michoacán. Michoacán ist zum Zentrum des Avocado-Anbaus geworden und in Städten wie Tancítaro werden die Früchte derzeit aus Massenproduktion geerntet.

Das verhilft dem Bundesstaat zu gutem Einkommen, wo laut der Vereinigung der Avocado-Produzenten (Apeam) rund 57 Prozent des Budgets aus dem Verkauf der an ungesättigten Fettsäuren so reichen Frucht stammen. Die Gegend ist für den Anbau ideal, denn das milde Klima und die vulkanischen Böden lassen eine viermalige Ernte im Jahr zu. Ein großer Vorsprung vor der Konkurrenz aus Kolumbien, Peru, Indonesien oder Ruanda, wo nur einmal pro Jahr in die Bäume geklettert werden muss.

Das ist auch der Grund, weshalb Mexiko der wichtigste Hersteller der so populären Frucht geworden ist. Auf etwa 1,6 Millionen Tonnen schätzen die Apeam-Experten die Produktion in diesem Jahr. Schon derzeit kann Michoacán, wo 80 bis 90 Prozent der mexikanischen Avocados geerntet werden, der Nachfrage kaum nachkommen.

Das hat dazu geführt, dass die Preise nicht nur in den USA und Europa deutlich in die Höhe geklettert sind, sondern auch in Mexiko, wo Guacamole, ein Avocado-Dip, zu etlichen Gerichten auf den Tisch kommt. Doch die seit Jahren steigende Nachfrage hat bewirkt, dass die Anbauflächen in Mexiko zwischen 2000 und 2010 von 95.000 Hektar auf rund 134.000 Hektar ausgebaut wurden.

Die Hauptanbaufläche mit mehr als 110.000 Hektar befindet sich in Michoacán. Dort wird der Anbau in der Meseta Purépecha betrieben, einer weitläufigen Hochebene. Umweltschützer sehen viele negative Folgen des Avocado-Booms. „Jedes Jahr werden bis zu 4.000 Hektar Nadelwald gerodet, um neue Plantagen anzulegen“, kritisiert Jaime Navia Antezana von der Agrar- und Umweltorganisation Gira.

Der Kritik schließen sich auch die Experten von Greenpeace Mexiko an. Sie warnen zudem, dass die Plantagen etwa doppelt so viel Wasser konsumieren wie die genügsamen Pinienwälder in der Gegend. Eine weitere Umwelt-Gefahr stellt der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden dar, um die Erträge der großen Bäume mit den dicken, lorbeerartigen Blättern weiter auf höchstem Niveau zu halten.

Doch das grüne Gold von Michoacán ist noch aus einem weiteren Grund teuer erkauft. Denn überall, wo es etwas zu holen gibt, mischen sich die Drogenkartelle ein. Die Avocado-Produzenten sind schon seit Jahren unter die Kontrolle von Drogenbanden geraten. Die treiben ihr Unwesen in Michoacán, weil gleich mehrere Schmuggelrouten durch den Bundesstaat in Richtung Norden verlaufen, und auch der Hafen von Lázaro Cárdenas dient als Umschlagplatz für synthetische Drogen, Kokain und Heroin. Doch längst betreiben die Kartelle nicht mehr nur ihr Kerngeschäft. Sie erpressen mittlerweile auch Schutzgelder oder besteuern die prall mit den grünen Früchten gefüllten Kisten, die für den Export bestimmt sind.

So geschah es auch in Tancítaro, einer Kleinstadt in der Meseta Purépecha, wo die Avocado Königin ist. „2009 kamen die Kartelle, ich habe einen Sohn durch sie verloren. Ende November 2013 haben wir dann zu den Waffen gegriffen“, berichtet Reynaldo Bucio.

Der knorrige Mann ist Mitstreiter der Bürgerwehr in der Kleinstadt. In dem Ort wurden zahlreiche Bunker erbaut und alle Fahrzeuge werden an verschiedenen Straßensperren kontrolliert. Seitdem ist einigermaßen Frieden in die Avocado-Stadt eingekehrt. Allerdings zeugen zwei ausgebrannte Sattelschlepper unterhalb der Kirche des Ortes davon, dass die Gefahr niemals ganz gebannt ist in dieser Region. Dessen ist sich auch Bucio bewusst, aber er sieht keine Alternative.

„Hier habe ich schon zu viel verloren, darüber tröstet mich der Avocado-Boom nicht mehr hinweg“, ergänzt er leise. Eine weitgehend unbekannte Kehrseite des leckeren grünen Gemüses aus Michoacán.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Mexiko, Avocado, Avocado-Anbau, Drogenkartelle, Anbau, Landwirtschaft, Michoacán, Frucht, Avocado-Boom, Bürgerwehr, Wasser, Ressource, Umwelt, Nadelhölzer, Abholzung, Ernte, Klima, Nadelwald, Export, Einkommen, Absatzmarkt, Nachfrage