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Hunger: Welternährungstag – Wenn eine Regierung den Hunger ignoriert

Meldung vom 19.10.2016

Der Welternährungstag wird jedes Jahr am 16. Oktober begangen. Er soll daran erinnern, dass weltweit über eine Milliarde Menschen an Hunger leiden. In manchen Entwicklungs- und Schwellenländern wird vor dem Problem einfach die Augen verschlossen. Ein trauriges Beispiel für ignorierten Hunger ist Indien. Indien hat in den vergangenen Jahren ein enormes Wirtschaftswachstum vorzuweisen. Doch die Menschen auf dem Land haben weniger Lebensmittel zur Verfügung als in den 1970er-Jahren. Der Staat schaut systematisch weg und kümmert sich nicht darum, dass in den Dörfern Babys an Mangelernährung sterben.

Sita schaut betreten zu Boden. Es dauert ein wenig, bis sie sich fassen kann und sich traut, zu reden. „Mein Sohn Sagar wurde eigentlich als normales Baby geboren. Aber weil er zu wenig zu essen hatte, musste er in diesem Jahr in eine Pflegestation. Dort legte er etwas an Gewicht zu. Als Sagar dann wieder nach Hause kam, wog er fünf Kilogramm. Er atmete nicht mehr richtig. Nach fünf Tagen starb er.“

Sagar ist seit zwei Wochen tot. Er erreicht nur das zarte Alter von zwei Jahren. Der kleine Junge zählt zu mindestens 250 Kindern, die im Bezirk Palghar, nur drei Autostunden von der indischen Megastadt Mumbai entfernt, in diesem Jahr verhungert sind. 250, so lautet die offizielle Zahl. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher.

Das Dorf Mokhada, in dem Sita wohnt, ist ein kleiner Weiler mit vielleicht zehn armen Hütten, teils aus Stein, teils aus Lehm. Hier überleben schlecht und recht zwei, drei Kühe und ein paar Hühner. Es gibt ein Wasserloch, und rund um Mokhada, auf seichten Grashügeln, wiegt sich das Grün. Aber das Idyll entpuppt sich als trügerisch.

„Fälle wie den des kleinen Sagar gibt es hier in jeder Familie. Die Menschen fragen sich hier jeden Tag: Werden wir morgen etwas zu Essen haben?“, berichtet Asha. Sie ist Sozialarbeiterin und die einzige Heldin in dieser dramatischen Geschichte. Asha hätte gute Jobangebote als PR-Managerin annehmen können, sie hat ein Diplom im Marketingbereich abgeschlossen. Aber die 24-Jährige hat ein Herz für Dörfer wie Mokhada. Asha hat sich über Wochen verzweifelt bemüht, den kleinen Sagar über die Runden zu bringen. Doch gescheitert ist sie an der Tatsache, dass der Staat den Hunger ignoriere.

„Mein Job ist es, die Fälle hier zu erfassen. Meine Daten unterscheiden sich von den offiziellen Zahlen. Wenn die Regierung erklärt, in einem Dorf gebe es keine Fälle von Mangelernährung, dann finde ich dort zehn akut mangelernährte Kinder“, erklärt Asha.

Dipesh Dilip Kohla ist vielleicht das nächste Opfer. Dipesh ist zehn Monate alt. Er bringt gerade einmal drei Kilo und 300 Gramm auf die Waage, und das, obwohl er schon seit sieben Tagen im Bezirks-Krankenhaus von Jawhar, eine Autostunde von Mokhada entfernt, Aufbaunahrung erhält. Hier wird eine „Rehabilitierungsstation“ für unterernährte Kinder unterhalten. Auf Dipeshs eingefallenem Gesichtchen prangen braune Punkte. „Die braunen Punkte sind Zeichen von starkem Vitaminmangel. Die Menschen hier haben keine ausgewogene Ernährung. Sie nehmen kaum Vitamine oder Mineralien auf, die sie benötigen“, erklärt Dr. Dalram, er versorgt Kinder wie Dipesh.

Er berichtet, dass 30 Prozent der Babys schon mit Mangelerscheinungen auf die Welt kommen, weil ihre Eltern ebenfalls unterernährt sind. Auch der kleine Dipesh hatte von Anfang an mit Mangelernährung zu ringen. Zwei Wochen lang wird er jetzt auf der Krankenstation behandelt und dann nach Hause geschickt, egal, wie gebrechlich er dann noch ist. „Das ist die Vorgabe der Regierung. 14 Tage, nicht länger. Das ist nicht meine Entscheidung“, sagt der Arzt.

Es sieht so aus, als ob die indische Regierung von hungrigen Kindern nichts wissen will. Dabei kann man sich die ganze Misere als Datensatz vor Augen führen. Das National Nutrition Monitoring Bureau, eine zentrale Fachbehörde zum Thema Mangelernährung, gab zuletzt 2012 eine Studie heraus. Die Behörde stellte fest, dass die 800 Millionen Inder, die auf dem Land leben, weniger Nahrungsmittel haben als in den 70er-Jahren, und das im Schatten des immensen Wirtschaftswachstums im Land. Im Welthungerindex, den auch die Welthungerhilfe herausgibt, rangiert Indien auf Platz 97 von 118 geprüften Ländern. In Asien ergeht es nur Nordkorea, Ost-Timor, Afghanistan und Pakistan schlechter. Die Regierung aber stellte den Betrieb des Nationalen Monitoring Bureaus 2015 ein – die einzige zentrale Kontrollinstanz für Hunger ist damit abgeschafft.

So befinden sich die Eltern des kleinen Dipesh und auch Sita, die Mutter des toten Jungen Sagar, in einer Abwärtsspirale. Sita weiß das: „Wir haben kein Land, um etwas anzubauen. Mein Mann ist Tagelöhner. Wenn er Arbeit findet, verdient er 100 Rupien am Tag. Wir versuchen, von dem Geld Kartoffeln, Auberginen und Linsen zu kaufen.“ 100 Rupien, das macht umgerechnet ungefähr 1,40 Euro. Weil die Lebensmittelpreise im Schnitt pro Jahr um zehn Prozent nach oben klettern, können Sita und ihr Mann davon aber immer weniger Essen kaufen. Reis- oder Zucker-Rationen vom Staat gelangen nur alle paar Wochen nach Mokhada.

Die gleiche Misere schildert auch Asha, die Sozialarbeiterin: „Was immer die Behörden tun, bis die Lebensmittel hier ankommen, ist das meiste durch Korruption schon verschwunden. Dazu kommt, dass die Menschen ungebildet sind. Sie bräuchten dringend mehr Aufklärung. Aber das macht niemand. Stattdessen werden sie im Krankenhaus einfach nur angeschnauzt.“ Asha setzt alles daran, den Menschen in Mokhada zu erklären, dass sie mehr als nur Reis und Linsen zu sich nehmen müssen, um ihre Gesundheit zu erhalten. Manchmal ermutigt sie Sita und die anderen einfach nur.

Sita hält ihr zweites Kind, Savita, in den Armen. Die Kleine ist ein Jahr alt und sieht zumindest robuster aus als die Kinder im Krankenhaus. Sita erklärt, sie wolle alles dafür tun, dass Savita nicht das gleiche Schicksal wie ihr Bruder erleidet.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Hungerhilfe weltweit, Welternährungstag, Welthungertag, Hunger, Mangelernährung, Indien, Welthungerindex, Misere, Armut, Kinder, Mumbai, Mokhada, Wirtschaftswachstum, Nahrungsmittel