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Kenia: Verhütung im Schatten Allahs

Meldung vom 28.11.2016

In Kenia gibt es viele Muslime – Geburtenregelung war bislang ein verhasstes Fremdwort in dieser Bevölkerungsschicht. Nun wird zum ersten Mal das Thema Verhütung an Vertreter des Islam herangetragen. Kenias Nordosten durchbricht ein Tabu.

Im bitterarmen, muslimisch geprägten Nordosten Kenias wurden Verhütungsmittel bislang als Verstoß gegen den Islam gesehen. Die Konsequenz: Viele Schwangerschaften, besonders bei jungen Mädchen, schaden der Gesundheit oder führen zum Tod. Eine Hilfsorganisation will das Problem angehen.

Die Zuhörer in bunten Hidschabs wechseln verstohlene Blicke, hier und da durchbricht verlegenes Kichern den Vortrag. Im winzigen Mütterzentrum von Wajir hören etwa 40 Frauen aufmerksam der Islam-Lehrerin Deka Ibrahim zu. „Sind Sie sicher, dass das halal ist?“, also vom Islam genehmigt, fragt eine Frau mit Blick auf die Pillen, Kondome und Spiralen. Bisher sind solche Verhütungsmittel in der wüstenartigen, vernachlässigten Region im Nordosten Kenias völlig unbekannt.

Nach einer Studie der Hilfsorganisation Save the Children greifen nur zwei Prozent der Bevölkerung des Bezirks Wajir auf Verhütungsmittel zurück, in ganz Kenia sind es 58 Prozent. In der bitterarmen, muslimisch geprägten Region mit vorwiegend somalischen Nomaden galt der Einsatz moderner Verhütungsmittel bisher als Zuwiderhandlung gegen die Richtlinien des Islam.

„Die muslimische Religion erlaubt die Nutzung dieser Methoden unter gewissen Umständen, vor allem wenn Gesundheit von Kind und Mutter im Fokus stehen“, versichert Islamlehrerin Deka Ibrahim geduldig. Dennoch ist das an Bedingungen geknüpft: Die Geburtenkontrolle dürfte nur für einen gewissen Zeitraum und mit Zustimmung des Ehepartners vorgenommen werden. Zudem sei Abtreibung unrechtmäßig.

Die 16-jährige Halima, Mutter eines neun Monate alten Mädchens, hört konzentriert zu, wie eine Krankenschwester die verschiedenen Methoden erläutert. „Ich möchte mehr Kinder haben, aber nicht sofort“, meint sie. „Erst sollte mein Kind ein bisschen älter sein ...“

Noch immer bringen hier patriarchalische Traditionen das Leben von Müttern und Kindern in Gefahr: Mehr als vier von zehn Frauen im Nordosten Kenias werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, was oft zu Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt führt. Die meisten Frauen gebären ihr Kind zudem zu Hause unter schlechten hygienischen Bedingungen und ohne Hebammen. Zudem haben sie im Durchschnitt acht Kinder. Große Familien werden als Wahrzeichen für Wohlstand gesehen.

„Wenn ein Mädchen schwanger wird oder zwei Schwangerschaften zu kurz aufeinander folgen, ist das Risiko von Komplikationen hoch“, erklärt Sulekha Mohamed von Save the Children. Zudem wurden 98 Prozent der Frauen im Nordosten Kenias durch das Beschneidungsritual verstümmelt – ein weiterer Faktor, der Geburten erschwert.

Nach einer Bevölkerungsstudie aus dem Jahr 2014 werden im Nordosten Kenias 50 Prozent mehr Todesfälle bei Geburten als im landesweiten Durchschnitt registriert. Seitdem organisieren Hilfsorganisationen in Zusammenarbeit mit der Regierung und einflussreichen Religionsführern eine Aufklärungskampagne in dem Bezirk, der auch von politischen Unruhen geprägt ist.

„Traditionell nehmen Männer in unserer Kultur viele Ehefrauen, und die Frauen haben viele Kinder; Familienplanung gilt als westliches Konzept zur kolonialistischen Bevölkerungsbeschränkung“, erklärt der Familienrichter des Bezirks, Mursal Abdiwahab, der der Verhütung nun von islamischer Seite her grünes Licht erteilte. „In unserer Rolle als Religionsführer und Gelehrte müssen wir erklären, was der Islam erlaubt und was nicht.“

Die Botschaft scheint Anklang zu finden: In den ersten drei Monaten des Jahres nahmen 3.177 Frauen an der Kampagne teil – eine deutliche Steigerung zu den 1.382 Teilnehmerinnen des Vorjahreszeitraums.

Fatuma entscheidet sich nach einigen Wochen Bedenkzeit und mit der Zustimmung ihres Mannes nun für die Einsetzung eines Hormonimplantats: „Da meine Religion Familienplanung erlaubt, werde ich es zum Wohle meiner Gesundheit einsetzen“, meint die 25-Jährige. Mithilfe von Verhütung will auch die vierfache Mutter Safiya nun größere Abstände zwischen ihren Schwangerschaften einbauen. „Früher ging es mir in den ersten Schwangerschaftsmonaten sehr schlecht“, berichtet die 28-Jährige. „Das ist nun nicht mehr so.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Stern“, stern.de

Schlagwörter: Kenia, Verhütung, Geburtenkontrolle, Familienplanung, Islam, Geburtenregelung, Verhütungsmittel, Gesundheit, Mutter, Kind, Beschneidung, Abtreibung, Schwangerschaft, Polygamie, Religion, Imam, Muslime