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Mexiko: Artenschutz-Konferenz in Cancún

Meldung vom 29.12.2016

In der mexikanischen Stadt Cancún hat die UN-Artenschutzkonferenz getagt. Elefanten, Pandas und Tiger gehören zu den aussterbenden Tierarten. Weniger auffällig, aber vielleicht noch wichtiger: Auch die für Ökosysteme notwendigen Bienen verringern sich. Als Ursache dafür wird ein Großkonflikt zwischen Artenschutz und industrieller Landwirtschaft angeführt. Die Giraffe ist ein Wahrzeichen der afrikanischen Wildnis. Zehntausende der grazilen und majestätischen Tiere bevölkerten einst die afrikanische Steppe. Nun steht die Giraffe ebenfalls auf der Liste der bedrohten Tierarten.

In den vergangenen 30 Jahren verringerte sich der weltweite Bestand der Giraffe wegen Wilderei und Verlust von Lebensraum um 40 Prozent. Die an Höhe größten Landsäugetiere der Welt gehören bald der Geschichte an, wenn sie nicht besser geschützt werden.

Zwei Wochen lang tauschten sich Regierungsvertreter, Umweltschützer und Wissenschaftler im mexikanischen Badeort Cancún darüber aus, wie dem weltweiten Artensterben Einhalt geboten werden kann. Unterschiedliche Interessen kollidierten dort, bis zur letzten Minute wurde über Formulierungen, konkrete Verpflichtungen und finanzielle Zusagen heftig debattiert. Am Samstagabend (17.12.2016) wurde die UN-Artenschutzkonferenz beendet.

Jedes Jahr verschwinden mehrere Tausend Tier- und Pflanzenarten von unserem Globus. Neben dem natürlichen Verlust von Spezies spielen dabei vor allem der Klimawandel, Umweltzerstörungen sowie industrielle Landwirtschaft und Fischerei eine wichtige Rolle. Die Naturschutzorganisation IUCN hat derzeit auf ihrer Roten Liste 24.307 vom Aussterben bedrohte Arten erfasst. „Viele Arten sterben aus, bevor sie jemals beschrieben wurden“, warnt IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen.

Artenschutz ist kein Selbstzweck. Bestäubende Insekten wie Bienen sind beispielsweise notwendig für die Aufrechterhaltung von Ökosystemen und die Landwirtschaft. „Bestäubung ist unverzichtbar für das Funktionieren von Ökosystemen und zur Produktion von Lebensmitteln in allen Erdteilen“, erklärt auch Günter Mitlacher von der Umweltstiftung WWF. In Mexiko wurde eine „Koalition der Willigen für Bestäuber“ ins Leben gerufen. Die Gruppe, an der auch Deutschland teilnimmt, will sich für Bienen und andere Insekten stärker einsetzen.

Die wichtigsten Kontrahenten sind Naturschutz und Landwirtschaft. „Die großen Agrarkonzerne machen massiven Druck, weil sie keine Einschränkungen beispielsweise beim Einsatz von Pestiziden oder der Gentechnik hinnehmen wollen“, betont Konstantin Kreiser vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Da geht es um viel Geld.“ Vor allem große Agrarnationen wie Brasilien und Argentinien blockieren nach Einschätzungen von Experten die Maßnahmen, die man jetzt zum Artenschutz unternehmen müsste.

Wie weit ist die Weltgemeinschaft derzeit in Sachen Artenschutz gekommen? Bis 2020 wollen die Mitgliedsstaaten 17 Prozent der Land- und 10 Prozent der Meeresflächen unter Naturschutz stellen. Doch bislang ist dieses Ziel noch in weiter Ferne. „Wir werden die Ziele wahrscheinlich verfehlen“, klagt Nabu-Experte Kreiser. Vor allem wegen des Schutzes der Meeresgebiete regt sich zäher Widerstand, weil dort Territorialinteressen der Staaten beschnitten werden könnten. In einzelnen Bereichen kann man zwar Fortschritte verzeichnen, aber es geht nur langsam voran. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen“, kritisiert die deutsche Delegationsleiterin bei den Verhandlungen, Elsa Nickel.

Was für Etappenziele hat diese Artenschutzkonferenz erreicht? Die Umweltminister haben die Cancún-Erklärung ratifiziert. Demnach soll der Naturschutz künftig stärker in der Politik der Regierenden berücksichtigt werden. „Artenschutz muss Chefsache werden“, meint Nabu-Experte Kreiser. Während die Umweltministerien der meisten Länder mit dem Thema aktiv umgehen, überwiege in den mindestens ebenso wichtigen Ressorts Landwirtschaft, Tourismus, Verkehr, Bauen und Wohnen die Gleichgültigkeit. Die Deklaration von Cancún ist nach der Meinung von Experten ein wichtiger Schritt, aber sie beschränkt sich eben auch nur auf eine Absichtserklärung.

Ganz neu: In die Agenda wurde jetzt auch die synthetische Biologie aufgenommen. Dabei geht es um die nächste Generation der Biotechnologie, bei der das Erbgut von Organismen so verändert wird, dass sich Merkmale auf die Nachkommen vererben. „Das ist einerseits interessant, beispielsweise für die Landwirtschaft oder bei der Bekämpfung von Krankheiten, anderseits aber auch riskant, weil die Folgen nicht abzuschätzen sind“, räumt die deutsche Delegationsleiterin Nickel ein. Eine Arbeitsgruppe soll in den kommenden zwei Jahren Chancen und Risiken erwägen sowie Empfehlungen ausformulieren.

Was kommt jetzt nach der Artenschutzkonferenz? Zum Abschluss der Konferenz am Samstagabend wurde ein Beschluss getroffen, der die Cancún-Erklärung konkretisieren soll. Bereits jetzt wird ein neuer strategischer Plan für die Zeit nach 2020 aufgestellt. Der Fokus liegt hier auf der Unterstützung von Entwicklungsländern beim Artenschutz. Die Mitglieder der „Koalition der Willigen für Bestäuber“ haben sich zudem verbindlich darauf geeinigt, nationale Strategien zum Schutz von Bienen und Insekten auszuarbeiten und beispielsweise nach Alternativen zu Pestiziden zu suchen.




Quelle: „WAZ - Der Westen“, www.derwesten.de

Schlagwörter: Mexiko, Artenschutz, Artenschutzkonferenz, Cancún, Tierarten, Natur, Naturschutz, Pflanzensorten, Vielfalt, UN-Artenschutzkonferenz, Landwirtschaft, Klimawandel, Cancún-Erklärung, synthetische Biologie, Ökosysteme, Bienen, Bestäubung, Giraffen, Elefanten, Pandas, Tiger, Lebensraum, Umweltzerstörung