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Südsudan: Eine Pfarrei mitten im Bürgerkrieg

Meldung vom 03.02.2017

Eine Ordensschwester im Südsudan schult die dort ansässigen Bauern in besseren landwirtschaftlichen Methoden. Doch nun macht der Bürgerkrieg auch vor ihrer Pfarrei nicht halt.

Bislang hat die Pfarrei Rimenze allen Konflikten standgehalten. Sie ist unbeschadet hervorgegangen aus dem Unabhängigkeitskrieg, dem Bürgerkrieg, den Machenschaften der Lord's Resistance Army Joseph Konys, die im Grenzgebiet zwischen dem Kongo und dem Südsudan immer wieder zuschlägt. Nun hat es sie aber doch getroffen. Die Mission geriet mitten zwischen den Konflikt zwischen Regierung und Rebellen. Ordensschwester Rosa Le Thi Bong ist in Rimenze jedoch eine Respektsperson.

Die 47-jährige Vietnamesin begann dort 2008 ihre Tätigkeit. Sie, durch deren Brille aufgeweckte Augen hervorschauen, hat sich in ihrer Heimat viel Wissen über Landwirtschaft angeeignet – das sie im Südwesten des Südsudan anwendet, um den einheimischen Kleinbauern zu besseren Ernteerträgen zu verhelfen und so etwas gegen den bitteren Nahrungsmittel-Engpass in dem Dauerkrisenland zu tun.

Die Farm, die im Rahmen eines von Caritas Österreich und der Austrian Development Agency (ADA) unterstützten Projekts ins Leben gerufen wurde, produziert Süßkartoffeln, Sojabohnen, Erdnüsse und Hirse für die Studenten einer Lehrerschule im nahe gelegenen Yambio. Derzeit wird das alles für die Menschen gebraucht, die auf dem Gelände der Pfarrei Schutz gesucht haben.

Der im Dezember 2013 entfesselte Bürgerkrieg wird angetrieben durch einen Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Vize Riek Machar. Nachdem die Übergangsregierung zusammenbrach, kam es im Juli 2016 zur erneuten Eskalation. Zwar wurden die Kämpfe in der Hauptstadt Juba gestoppt, doch im Rest des Landes kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen. So auch rund um Neujahr, nahe Rimenze. „Das Militär ist gekommen und hat alle Häuser entlang der Hauptstraße angezündet“, berichtete Rosa Le Thi Bong.

Junge Männer wurden gefoltert und umgebracht, Marktplätze geplündert, sodass Frauen, Kinder und ältere Männer sich zur Kirche in Rimenze flüchteten – nur dort fühlen sie sich halbwegs sicher. „Mehr als 4.000 Menschen sind es mittlerweile“, so Le Thi Bong.

Dass die Regierung so wütet, hat mit den Rebellen zu tun, also mit den Männern Riek Machars. Sie scharen im Süden des Landes eine aufbegehrende Jugend um sich. „Der Süden verfügt über viele Ressourcen, und Präsident Salva Kiir will ihrer habhaft werden. Aber die südlichen Bundesstaaten haben schon immer unabhängiger agiert“, meint Matthias Fettback, der im Südsudan als Berater der Caritas Österreich tätig ist. Deshalb, so der seit 1984 in Afrika tätige Deutsche, lasse sich die Jugend mithilfe der Rebellen in einen „Guerillakrieg“ ein. „Sie schlagen schnell zu und sind genauso schnell wieder weg. Deshalb erwischen die Regierungstruppen sie nicht“, erklärt Fettback.

Aus diesem Grund rächt sich das Militär dann an der Zivilbevölkerung. Nach Neujahr sind die Regierungstruppen weitere Male eingefallen. Die Attacken werden damit gerechtfertigt, dass Teile der Bevölkerung mit den Rebellen an einem Strang ziehen würden. Momentan sei wieder Ruhe eingekehrt, „doch es gibt vor Ort Gerüchte, dass sie bald wieder zurückkommen“, berichtet Fettback.

Gleichzeitig sind aber auch die Rebellen aggressiv. „Seit Oktober werden Arbeiter unserer Farm immer wieder von ihnen zwangsrekrutiert“, erläutert Le Thi Bong. Außerdem würden sie Lebensmittel rauben, denn die Farm befinde sich auf einer von den Rebellen stark frequentierten Route durch den Dschungel. Zumindest aber sind Missionsstation und Farm bislang verschont geblieben.

„Regierung und Rebellen haben vereinbart, Hilfsprogramme wie diese nicht zu schädigen“, erklärt Fettback. Die mehr als 4.000 Vertriebenen können dank der Farm noch mit Essen versorgt werden, sagt Rosa Le Thi Bong. Die noch verbliebenen Farmarbeiter bemühen sich, Notunterkünfte einzurichten, doch es sind einfach zu viele Flüchtlinge. „Wir haben welche für 200 Familien gebaut, doch es sind bislang 800 zu uns gekommen“, berichtet die Vietnamesin.

Außerdem müssen die Ordensschwestern auch die rund 1.000 Kinder medizinisch betreuen, die von zahlreichen Krankheiten geplagt sind. Dass die Menschen bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können, glaubt Rosa Le Thi Bong nicht: „Die Furcht vor beiden Seiten ist zu groß. Selbst wenn die Regierung sagte, sie dürfen heim, würden sie ihr nicht glauben.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Standard“, derStandard.at

Schlagwörter: Südsudan, Pfarrei, Bürgerkrieg, Rebellen, Militär, Farm, Landwirtschaft, Kirche, Rimenze, Riek Machar, Salva Kiir, Flüchtlinge, Nahrung, Guerillakrieg