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Ghana: 60 Jahre Unabhängigkeit – doch der Schwung ist weg

 
Meldung vom 02.03.2017

Ghana wurde als erstes afrikanisches Land unabhängig. Am 6. März begeht Ghana nun seinen sechzigsten Unabhängigkeitstag. Die Wirtschaft des Landes wies lange Zeit ein bemerkenswertes Wachstum auf, doch nun ist die Konjunktur fast zum Stillstand gekommen. Dennoch ist die Jugend des Landes optimistisch gestimmt, die Machtübergabe nach der jüngsten Wahl ging problemlos vonstatten.

Der Platz der Unabhängigkeit in Accra ist einer der anziehendsten Treffpunkte der Stadt, auf der freien Fläche sorgt ein kühler Wind für angenehme Temperaturen, auf den Tribünen haben sich Liebespaare im Schatten niedergelassen. Oben auf dem Turm hat sich ein Planungskomitee, bestehend aus 30 Personen, in klimatisierten Räumen versammelt. Dort werden die Feierlichkeiten zu 60 Jahren Unabhängigkeit durchdacht und geplant, die am 6. März auf dem Platz stattfinden sollen.

Immer mal wieder erscheint einer aus dem Komitee auf der Terrasse, um eine Zigarette zu rauchen oder sein Mobiltelefon zu zücken. Ihre Gesichter strahlen nicht unbedingt Feierlaune aus, man sieht eher sorgenvolle Mienen.

Das mag zum einen daran liegen, dass der neue Präsident Nana Akufo-Addo angeordnet hat, doch bitte die Kosten im Blick zu behalten, nachdem die Feier zum Fünfzigsten finanziell ziemlich ausgeufert war. Es liegt aber auch daran, dass viele in Ghana insgesamt nur bedingt in Partystimmung sind. Ghana gilt seit Langem als Vorzeigeland in Afrika. Es hat als erstes seine Unabhängigkeit erklärt, es hat als erstes eine lang anhaltende Stabilität vorweisen können und stand 2011 an der Spitze des weltweiten Wirtschaftswachstums. Mittlerweile tritt die Wirtschaft jedoch ein wenig auf der Stelle und die Ghanaer fragen sich: Sind die guten Jahre vorüber?

Hier oben vom Turm kann man die Hauptstadt Accra weithin überschauen. Man kann erkennen, was sich positiv verändert hat in den vergangenen Jahren – aber auch das, was weiterhin eine Herausforderung ist. Man blickt auf neue Hochhäuser und das sehr elegante Nationaltheater. Man kann unzählige Bankfilialen ausmachen und lange Schlangen neuer Geländewagen, die sich im Verkehr stauen. Man kann eine neue Mittelschicht beobachten, die mit prall gefüllten Taschen aus den Einkaufszentren kommt.

Dreht man sich aber um, erblickt man das Meer und die Küste, die als wunderschöner Stadtstrand dienen und Badetouristen einladen könnte. In Wirklichkeit wurde dorthin aber leider eine Müllkippe verlagert, direkt hinter dem Monument häuft sich der Unrat. Ein paar Kilometer befindet sich der Lavender Hill (Lavendel Hügel), der seinem Namen keine Ehre macht, die teils offene Kanalisation der Stadt mündet hier direkt ins Meer. Immer mal wieder wurden Anstrengungen unternommen, eine Kläranlage aufzubauen, immer wieder verliefen die Bemühungen im Sande.

So wie in Accra ist es im ganzen Land, die sanitäre Lage ist ein großes Problem, was auch im Wahlkampf Ende 2016 für Diskussionsstoff gesorgt hat. Der neue Präsident Akufo-Addo hat ein neues Ministerium für Wasser und Sauberkeit eingerichtet, vor wenigen Tagen wurde ein neuer Versuch in Angriff genommen, Accras Abwässer zu klären.

In der Hauptstadt gibt es einen genau entgegengesetzten Trend zu den meisten anderen Metropolen am Wasser: Die Stadt kehrt dem Meer lieber den Rücken zu, wer es sich leisten kann, logiert in der Nähe des Flughafens. Dort wurden schicke neue Bars und nagelneue Hochhäuser hochgezogen, die nicht mehr nur westliches Lebensgefühl kopieren wollen, sondern einen ganz eigenen Stil gefunden haben. Die riesigen Shoppingmalls und teuren Restaurants sind in den vergangenen zehn Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, in denen Ghana ein enormes Wachstumstempo vorlegte, mit dem Rekordwert von fast 14 Prozent im Jahr 2011.

Barack Obama machte bei seiner ersten Afrikareise in Ghana Station und sagte: „Das 21. Jahrhundert wird nicht nur dadurch bestimmt, was in Rom, Moskau oder Washington passiert, sondern auch durch das, was in Accra passiert.“ Es war ein Satz, der das Selbstbewusstsein vieler Ghanaer stärkte. Man war jetzt angekommen.

Mittlerweile ist die Stimmung gedämpfter, das Wachstum sank zuletzt auf etwa vier Prozent. Was nicht ganz schlecht ist, aber eben auch nicht reicht, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Zahl der Geburten übertrifft bei weitem die Zahl der neuen Arbeitsplätze. Der Fortschritt wird vom Bevölkerungswachstum aufgefressen.

„Wir haben zu wenig verarbeitendes Gewerbe und Industrie. Selbst die Säcke für den Export unseres Kakaos müssen wir importieren“, kritisiert Kwaki Baprui Asante. Er arbeitet als „public lecturer“, was im Englischen zwei Bedeutungen hat, die beide zutreffen: Er ist jemand, der in der Öffentlichkeit lehrt, der die Öffentlichkeit aber auch belehrt mit seinen beliebten Kolumnen.

Asante, 92, hat sich das Lachen eines kleinen Jungen bewahrt. Er hat es sich unter dem Mangobaum seines kleinen Hauses bequem gemacht, in dem er nun fast genauso lange lebt, wie Ghana auf eigenen Füßen steht. Er stand damals als enger Berater dem legendären Präsidenten Kwame Nkrumah zur Seite, der Ghana 1957 in die Unabhängigkeit führte. Ein goldenes Zeitalter. Nkrumah ließ damals eine Fabrik errichten für die Kakaosäcke, sie produzierte nicht lange, heute werden die Säcke wieder aus China eingeführt. Kakao wird als reiner Rohstoff auf den Weltmarkt geworfen, die Wertschöpfung vollzieht sich anderswo. Nur etwa zwei Prozent des Preises einer Schokoladentafel kommen Ghana zugute. Ein kleiner Trost ist dabei die Tatsache, dass noch viel exportiert wird.

Die Hähnchenzucht, eine der großen Einnahmequellen der Landwirtschaft, ist mittlerweile fast völlig kollabiert. Weil die EU subventioniertes Fleisch nach Afrika einführt, das bis zu einem Jahr im Container lagert – und weil die Abwehr solch aggressiven Handels in Ländern wie Ghana eher gering ist. Asante hat vor vier Jahren in einer seiner Kolumnen zu einer Steuer auf importierte Hähnchen geraten. Die hätte die Regierung auch beschlossen, sagt er, aber sie werde selten umgesetzt. „Einige Mitglieder in der Regierung sind selbst Importeure von Hähnchen, verdienen gut damit“, weiß Asante zu berichten.

„Eat what you grow, grow what you eat“ („Iss, was du herstellst, stelle her, was du isst“), das sei in den Sechzigerjahren das Motto der Agrarpolitik von Nkrumah und ihm gewesen, und das sei auch heute die richtige Strategie. Auch der neue Präsident Nana Akufo-Addo hat sich auf diesen Weg im Wahlkampf festgelegt. Trotz seiner 72 Jahre gilt er als Führungsfigur, mit der die Jugend in einem jungen Land Hoffnung verbindet.

Akufo-Addo arbeitete lange als Menschenrechtsanwalt und hat es nun im dritten Anlauf an die Spitze des Landes geschafft. Er wirkt nicht mehr allzu frisch, aber darauf kommt es in Ghana in diesen Tagen nicht an. Die Begeisterung ist groß, dass die Machtübergabe nach den Wahlen gut über die Bühne lief. Und auch wenn die Wirtschaft etwas lahmt, geht Ghana in Sachen Optimismus weiter ungebrochen voran. Ein großes Feuerwerk, so ist zu hören, deckt der finanzielle Rahmen des Festkomitees dann doch ab.


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 Ghana: Das bittere Geschäft mit dem Kakao




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Süddeutsche Zeitung“, sueddeutsche.de

Schlagwörter: Ghana, Unabhängigkeit, 60 Jahre, Unabhängigkeitsfeier, Unabhängigkeitstag, 6. März, Wirtschaft, Wirtschaftswachstum, Bevölkerung, Bevölkerungswachstum, Wahlen, Präsident, Jugend, Arbeitsplätze, Nana Akufo-Addo, Entwicklung, Abwässer, sanitäre Lage, sanitäre Anlagen, Barack Obama, Infrastruktur, Optimismus, Musterland, Accra, Kakao, Hähnchenzucht, Wertschöpfung, Landwirtschaft, Agrarwirtschaft