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Südsudan: Menschen essen aus Verzweiflung Seerosen

 
Meldung vom 13.04.2017

Die Menschen im Südsudan essen alles, was ihnen zwischen die Hände kommt und was sie noch in den Sümpfen finden. Sie essen Blätter, Rinde und Seerosen, um ihr Hungergefühl zu dämpfen. Die Hungersnot hat ein verheerendes Ausmaß angenommen. Bei einer Konferenz in Berlin geht es um weitere Hilfsmaßnahmen.

Maria Nyamuoka durchstreift Tag für Tag die Sümpfe des Weißen Nils auf der Suche nach etwas Essbarem. Dort watet sie hüfttief im trüben Wasser und sammelt Seerosen, um das Überleben ihrer Familie zu sichern. „Die Kinder jammern immer, dass sie Hunger haben“, berichtet die 28-jährige Mutter von drei Kindern im Bundesstaat Unity, dem am schlimmsten betroffenen Hungergebiet im Südsudan. Nyamuoka gestikuliert wild: „Aber ich habe nichts, was ich ihnen geben kann.“

Spätestens seit den Gemälden von Claude Monet sind Seerosen in der westlichen Welt ein Wahrzeichen der Idylle. In Teilen des Bürgerkriegslandes Südsudan sind sie jedoch oft das Einzige, was den Menschen derzeit zum Überleben verhilft. Die Samen in den Knospen und die Wurzeln der Seerosen haben zwar nur wenige Nährwerte, aber sie sind essbar und ganzjährig zu finden. „Man braucht ungefähr 50 Seerosen für eine Mahlzeit für die Familie“, sagt Magai Mayak Gatbuok. „Es dauert einen ganzen Tag, so viele zu sammeln“, weiß die achtfache Mutter.

Die Seerosen, „Yiel“ in der örtlichen Sprache Nuer, werden normalerweise getrocknet und gekocht, wenn der Hunger aber so groß ist, lässt Gatbuok die Kinder die Knospen auch roh essen. Nur so fällt es ihnen leichter, bis zur nächsten Mahlzeit durchzuhalten. „Sie essen nur, damit sie das Warten aushalten.“ Die Familie kann inzwischen nur noch eine Mahlzeit pro Tag zusammenbringen, für mehr reicht es nicht. Die meisten Familien essen abends, denn die Kinder schlafen hungrig einfach nicht ein.

In der Region leiden bereits tausende Kinder unter Symptomen der Unterernährung. Der Ort Ganyliel – ausgesprochen wie „Ganjiel“ – umfasst einige mit Schilfgras bedeckte, runde Lehmhütten. Hier gibt es nichts: keinen Strom, kein Mobilfunknetzwerk, keine geteerten Straßen. Für die rund 50.000 Einwohner von Ganyliel und Umland ist nur ein Arzt zuständig. In Deutschland betreuen 190 Ärzte eine solche Einwohnerzahl. Trotz allem sind die Menschen in Ganyliel – gemessen an der schrecklichen Hungerkrise – noch im Vorteil: Helfer beugen hier einem Massensterben vor.

„Die Kinder haben nie genug zu essen, aber ohne die Hilfe hätten wir zuhause gar nichts zu essen“, erklärt Mary Nyak Badoy. Sie hat sich frühmorgens mit ihrem Sohn auf den Weg gemacht und ist drei Stunden nach Ganyliel gelaufen, wo die Welthungerhilfe Nahrungsmittel ausgibt. Die zehnfache Mutter stellt sich in der Schlange der Bedürftigen an. Geduldig steht und sitzt sie viele Stunden bei über 40 Grad Celsius in der Sonne und harrt darauf, ihre Monatsration in Empfang zu nehmen.

Die Ration ist festgelegt: Pro Familienmitglied werden 900 Milliliter mit Vitaminen gestärktes Speiseöl, 15 Kilogramm Hirse und 1,5 Kilogramm Bohnen oder Linsen ausgeteilt. Auf die Frage, wann die Familie zuletzt Fleisch verzehrt hat, schaut Badoy ratlos zu Boden. „Ich kann mich nicht daran erinnern.“ Sie bereitet jeden Tag „WalWal“ zu, den in der Region üblichen Hirsebrei. „Wenn die Hirse-Rationen aufgebraucht sind, gehe ich Seerosen sammeln.“

Die Kinder sehen Besorgnis erregend aus: Hervorstehende Rippen, aufgetriebene Bäuche – ein Zeichen schwerer Mangelernährung. Wenn kleine Kinder über längere Zeit hungern, bleiben sie in ihrer Entwicklung zurück. Eine ganze Generation droht, verloren zu gehen. Doch gemessen wurde hier offiziell nur eine Hungerkrise der Stufe vier auf einer Skala bis fünf.

Am schlimmsten steht es in den nördlich angrenzenden Gebieten von Mayendit und Leer, in denen eine Hungersnot festgestellt wurde. Dort liefern sich Regierungstruppen und Rebellen blutige Gefechte, Helfer können die Notleidenden nicht erreichen. Dort kommen ohne Zeugen Tausende in Folge des Hungers um.

Selbst stabile Gebiete wie Ganyliel können wegen der Gewalt nicht mehr über den Landweg versorgt werden, der Ort wird mit einer Luftbrücke ernährt. Kleinere Lieferungen transportiert das Welternährungsprogramm (WFP) mit Hubschraubern herbei, die größeren werden von Transportflugzeugen abgeworfen.

Am Morgen durchbricht plötzlich das Dröhnen eines Flugzeugs die Stille. Eine vierstrahlige Frachtmaschine des WFP nimmt im Tiefflug von etwa 100 bis 200 Metern Höhe Kurs auf Ganyliel. Über einer gesicherten Abwurfzone zieht der Pilot dann das Flugzeug nach oben; schon fällt die Lieferung portionsweise aus der Heckklappe. Es regnet Päckchen: Hirse und Hülsenfrüchte landen unsanft in reißfesten Säcken, das empfindlichere Speiseöl wird in gepolsterten Kisten an Fallschirmen zu Boden gelassen. Die nächsten Wochen haben die Menschen hier wieder etwas zu essen. Und dann sind wieder die Seerosen dran.


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Südsudan: Seerosen gegen den Hungertod




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Tagesspiegel“, tagesspiegel.de

Schlagwörter: Südsudan, Hungersnot, Bürgerkrieg, Hilfslieferungen, Luftbrücke, Hunger, Seerosen, Nahrung, Gewalt, Kinder, Sümpfe, Weißer Nil, Ganyliel, Mayendit, Leer, Hungertod