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Sambia: Baden am Rande des Abgrunds

 
Meldung vom 27.06.2017

Ein atemberaubendes Natur-Schauspiel sind die Victoria-Fälle an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia. Noch dazu sind sie die größten Wasserfälle der Welt. Wer einmal dort war, wird hinterher fasziniert sein und bis auf die Knochen durchnässt.

Nein, es handelt sich nicht um eine Wolke. Und es gibt auch nirgendwo einen Brand, der Rauch entwickelt. Schon aus 20 Kilometern Entfernung erkennt man den 300 Meter hohen Sprühnebel, der sich über die Victoria-Fälle in den afrikanischen Himmel wölbt. Treffend bezeichnen die einheimischen Mitglieder des Kololo-Stammes den Wasserfall „donnernder Rauch“. Der Forscher und Missionar David Livingstone, der im November 1855 als erster Weißer an den Wasserfall trat, schwärmte, er sei das Schönste, was er je in Afrika zu gesehen hat.

Die Victoria-Fälle sind Wasserfälle mit Rekordfaktor. Auf 1,7 Kilometern stürzt hier der Sambesi Fluss 108 Meter in den Abgrund, 110 Millionen Liter Wasser donnern am Ende der Regenzeit pro Sekunde hinab in eine geradezu winzige, gerade einmal 50 Meter breite Schlucht. Doch Zahlen allein können das Naturwunder, das seit 1989 auf der Weltnaturerbe-Liste der UNESCO steht, nicht annähernd erfassen.

Ohne Regenmantel sollte man einen Spaziergang entlang der Victoriafälle nicht wagen. Wenn man zwei Stunden später die Tour beendet hat, ist man trotzdem bis auf die Haut durchnässt. Schon aus einem Kilometer Entfernung ist die Luft erfüllt mit dem Rauschen der Wasserfälle, das Sprühwasser bildet schnell ein Netz aus Perlen auf der Haut. Je näher man kommt, desto lauter und feuchter wird es. Eine Statue von David Livingstone erhebt sich am ersten Aussichtspunkt. Vermutlich wird kein Denkmal weltweit so wenig beachtet wie dieses. Allerdings muss es auch keines mit so spektakulärer Natur aufnehmen. Hier, am „Devils Cataract“, dem Teufelsfall, drängt sich das Wasser mit Urgewalt an einer Engstelle vorbei, um dann fast brüllend laut in die Schlucht hinabzustürzen.

Doch hier ist noch keinesfalls der Höhepunkt erreicht. Der Aussichtspunkt am Teufelsfall ist der erste von insgesamt 15 und – obwohl man zu diesem Zeitpunkt fest überzeugt davon ist – keinesfalls der spektakulärste. Je weiter der Weg an den Fällen entlang führt, desto mächtiger werden sie. Immer größere Mengen an Wasser. Immer mehr Getöse. Auf der sambischen Seite wird vage zwischen Nebelschwaden der „Devil's Pool“ erkennbar. Wieder wird der Teufel für eine treffende Bezeichnung bemüht. Und das nicht grundlos. In dem natürlichen Schwimmbecken am Rande der Fallkante können Abenteurer unter Aufsicht erfahrender Führer baden gehen. Ein Spaß für „Adrenalinjunkies“, denn wer nicht vorsichtig ist und über die Kante des Pools hinweggleitet, der wird fast 110 Meter in die Tiefe gezogen. Jetzt am Ende der Regenzeit ist das Baden dort aber ohnehin verboten. In den schäumenden Wassermassen würde niemand Halt finden.

Die Victoria-Fälle möchte jeder Fotograf gerne einmal vor das Objektiv bekommen. Spektakuläre Bilder gelingen aber nur den Schnellen. Zwischen scharf stellen und auslösen darf nur der Bruchteil einer Sekunde verstreichen. Ansonsten wird die Linse von Wasserspritzern verdeckt. Ein Schnappschuss ist auch nur an den ersten Aussichtspunkten möglich, später, im zweiten Teil des Spaziergangs, entwickelt sich der heftige Sprühregen zu einem Dauerregen, der einen in die Regenzeit in den Tropen versetzt. Der Regen kommt aber nicht von oben, dort ist der Himmel gleichbleibend blau. Die Victoria-Fälle benetzen ihre Gäste von vorne mit dem kühlen Nass. Die Kombination aus ständiger Nässe und Hitze ist ein Paradies für viele Pflanzen. Entlang des Wasserfalls erstreckt sich ein immergrünes Band von Blumen, Büschen und Bäumen, die sicherlich wunschlos glücklich sind.

Am Nachmittag eröffnen sich andere Perspektiven. Ein neuer, ganz anderer Wasserfall drängt sich jetzt in die Schlucht. Der Fluss wütet und tost noch immer und auch der Sprüh-Regen hat sich nicht verändert. Die tiefstehende Sonne aber malt aus den Tropfen in der Luft ein Meer aus Regenbogen. „Von deren Tiefe und Brillanz hat niemand auch nur die leiseste Ahnung, der bislang lediglich einen üblichen Regenbogen gehen hat“, sagte Frederick Courteney Selous beeindruckt, ein englischer Großwildjäger und Offizier, der im 19. Jahrhundert kreuz und quer durch Afrika reiste und ansonsten eher nüchterne Aussagen von sich gab.

Ein drittes Mal kann man die Wasserfälle dann aus der Luft wahrnehmen. Der Rundflug über die Victoria-Fälle ist kostspielig, aber wenn sich je eine solche Ausgabe gelohnt hat, dann hier. Regenbogen in der Luft. Schäumendes Wasser von oben. Und endlich – das bietet vom Boden aus kein einziger Punkt – kann man die riesigen Wasserfälle in ihrer Gesamtheit bewundern.

Livingstone konnte 1855 nur die Ansicht vom Boden aus genießen. Den Blick von oben hat er sich aber wohl vor seinem inneren Auge vergegenwärtigt. In seinem Tagebuch sagte er über die Victoria-Fälle: „Eine Landschaft so schön, dass sie von Engeln im Flug bestaunt wird.“






Quelle: „Mannheimer Morgen“, www.morgenweb.de

Schlagwörter: Sambia, Wasserfälle, Victoria-Fälle, Natur, Naturwunder, Weltnaturerbe, UNESCO, Tourismus, Abenteuer, Fallkante, David Livingstone