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Somalia: Ein ganzes Land ist offline – Tiefseekabel defekt

Meldung vom 19.07.2017

Somalia, das derzeit eh mit zahlreichen Krisen wie Dürre, Hunger, Terrorismus und Flüchtlingen kämpft, ist zudem nun schon seit einem Monat nahezu komplett vom Internet abgeschnitten. Das einzige dorthin gelegte Tiefseekabel wurde beschädigt. Wie bei einem ähnlichen Fall in Kenia 2009 hatte ein Schiff das Kabel versehentlich durchschnitten.

Der Komplettausfall wurde erst jetzt durch den somalischen Minister für Post und Kommu­ni­ka­tion, Abdi Anshuur, in einem Radiointerview und in einer Pressekonfe­renz am Samstag (15.07.2017) öffent­lich mitgeteilt. Der Vorfall mit dem zerstörten Tiefseekabel war bereits im Juni durch die Medien gegangen, nicht aber die Tatsache, dass dieser nahezu einen Komplettausfall für das afrikanische Land bewirkte. Irreführende Berichte darüber wollten die Bevölkerung mit dem Gerücht beruhigen, dass die Tiefseeverbindung nach zwei Wochen wieder repariert sein soll. Dies scheint allerdings bis jetzt nicht zuzutreffen.

Wie lange es dauern kann, bis Somalia wieder ans weltweite Netz angeschlossen ist, ist bislang nicht bekannt. Da das Land nur über eine Seekabelverbindung verfügte, die auch das öffentliche Internet übertragen kann, liegen auch keine Ausweichmöglichkeiten vor.

Nur über teure und sehr seltene Satellitenverbindungen können einzelne Personen, Firmen und Institutionen in Somalia aktuell auf das Internet zugreifen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für das Land sind prekär. Selbständige mussten zwischenzeitlich ihren Betrieb schließen oder, wenn irgendwie möglich, improvisieren, um die Firma weiter aufrechtzuerhalten. An den Universitäten ist der Lehrbetrieb stark gestört und kann nur auf zurückgefahrenem Niveau stattfinden.

Mohamed Ahmed Hared von Somali Optical Networks (SOON), einem der größten Internetprovider des Landes, klagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass sein Land jeden Tag einen Verlust von mehreren Millionen Dollar mache. Minister Abdi Anshuur berechnet den täglichen Verlust auf 10 Millionen Dollar. Dies mag auf den ersten Blick nicht so viel sein. Die Zahl relativiert sich allerdings, wenn man sich vor Augen führt, dass das Bruttosozialprodukt des Landes pro Kopf in Somalia aktuell bei unter 600 Euro pro Jahr liegt.

Als eines der ärmsten Länder der Welt hat ein Großteil der somalischen Bevölkerung ohnehin keinen eigenen Computer. Der Gebrauch von Smartphones und die darüber verfügbare Internetverbindung ist für viele Einheimische daher existenziell notwendig, selbst wenn der Zugang nur sehr stockend ist und es oft zu Aussetzern kommt.

Ein Großteil der Internetkommunikation in Somalia beschränkt sich ohnehin auf Institutionen und Gewerbetreibende. Dass diese jetzt ihre Arbeit teilweise nicht ausüben können, hat katastrophale Auswirkungen für das afrikanische Land. Dieses ringt ohnehin damit, wieder auf die Beine zu kommen.




Quelle: „Winfuture“, www.winfuture.de

Schlagwörter: Somalia, Internet, offline, online, Tiefseekabel, zertrennt, Satellitenverbindungen, Wirtschaft, Firmen, Gewerbe, Universitäten, Lehrbetrieb, Störung