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Nicaragua: Die süße Bohne – Fortschritt im Quadrat

Meldung vom 06.09.2017

Der deutsche Schokoladenhersteller Alfred Ritter pflanzt in Nicaragua eigenen Kakao an. Künftig soll ein Fünftel seines Bedarfs dort angebaut werden: Mit der ersten Ernte Ende des Jahres wird sich zeigen, ob sich der eigene Anbau für den Schokoladenspezialist lohnt.

Hauke Will freut sich. Achtsam birgt er eine rot-braune Frucht in seiner Hand. Sie hat Größe und Form eines amerikanischen Footballs und wurde von einem der mannshohen Bäume geerntet, zwischen denen der 42-Jährige auf einer Inspektion stehengeblieben ist. „Das ist eine der ersten Kakaofrüchte, die wir hier ernten“, betont Will, Chef der landwirtschaftlichen Produktion bei Ritter Sport Nicaragua. Vier Jahre sind ins Land gezogen. So lange benötigen Kakaobäume mindestens, bis sie zum ersten Mal die bunten Schoten mit den schmackhaft-bitteren Bohnen im Innern hervorbringen.

Künftig sollen die ovalen Früchte den begehrten Kakao für die quadratischen Tafeln des Schokoladenproduzenten Alfred Ritter GmbH & Co KG zur Verfügung stellen. Die Firma aus dem schwäbischen Waldenbuch hatte 2012 entschieden, einen Teil ihres Rohkakaobedarfs selbst zu produzieren. Für dieses Experiment wurde der tropisch-feuchte Südosten Nicaraguas ausgesucht, rund 300 Kilometer oder fünf Stunden Autofahrt von der Hauptstadt Managua entfernt.

Insekten summen, die Sonne ist sehr heiß, in der Ferne brummt ein Traktor. Ritter versteht sich als Pionier. Nicht nur als Firma, sondern auch als Branchenvertreter. Denn bisher hat das Unternehmen wie die meisten Süßwarenhersteller Kakao über Händler bezogen. Die Kakaoproduktion ist zum größten Teil in der Hand von Kleinbauern – etwa 90 Prozent, wie Will berechnet. Das ist auch der Grund, warum die Ritter-Plantage in Nicaragua direkt zu Beginn ihrer Gründung eine der größten der Welt ist. Sie soll 20 Prozent der Kakaomasse zur Verfügung stellen, die Ritter jährlich in seiner Schokoladenfabrik in Waldenbuch weiterverarbeitet. „Wir rechnen mit einer Produktion von 2.000 bis 2.500 Tonnen im Jahr“, sagt der Lebensmittelingenieur optimistisch.

Bis es so weit ist, werden aber noch einige Monate vergehen. Erst ein Teil der Fläche sei bisher kultiviert worden, sagt Will und klopft gegen den Stamm eines Baums, der schon Früchte trägt. Am Anfang der Regenzeit von Juli bis Oktober werden weitere 300.000 junge Setzlinge in das fruchtbare Erdreich versenkt. Bis 2019 soll das gesamte Areal mit insgesamt 1,5 Millionen Vertretern der Gattung Theobroma cacao bepflanzt sein.

Ritter verarbeitet eine Kakaofrucht pro Tafel Vollmilchschokolade. „Wir machen das, um einen direkten Einfluss auf die Umweltbedingungen des Kakaos nehmen zu können“, begründet Will das Vorgehen der Firma. Zudem zielt man auf eine größere Unabhängigkeit von Händlern und volatilen Weltmarktpreisen.

Weil der Biokakaoanbau zu wenig Ertrag gebracht hat, hat sich das Unternehmen für eine andere Öko-Variante entschieden, ein so genanntes Agroforstsystem. Dabei dürfen neben den landwirtschaftlichen Zielfrüchten auch andere Bäume wachsen.

Will deutet auf die grüne Silhouette in der Ferne, wo dichter Wald die Kakaoanbaufläche ablöst. „Das sind Waldflächen, die wir mit dem Kauf der Grundstücke erworben haben und dauerhaft unter Schutz stellen“, meint er. Es sind die letzten ihrer Art aus einer Zeit, in der das ganze Hinterland der Karibikküste Zentralamerikas mit dichtem Regenwald aufwarten konnte.

Die Urwälder bewirken eine höhere Luftfeuchtigkeit, sie fördern Pflanzenreichtum, bieten Lebensraum für Tiere wie den Brüllaffen und umfassen damit eine Welt, die dem Kakao, der im Regenwald beheimatet ist, ähnlich ist. Außerdem gedeihen zwischen den Kakaopflanzen einheimische Bäume, die die Firma zum Großteil selbst angepflanzt hat. Sie spenden dem jungen Kakao Schatten, bewahren die empfindlichen Gewächse vor Sonnenbrand und schaffen laut Will „ein Mikroklima, das dem Kakao optimale Wachstumsbedingungen bietet“. Außerdem wird weniger Dünger benötigt, weil sie die Bodenqualität verbessern, betont er.

Wie in dem Pflanzenzentrum eines riesigen Baumarktes stehen unzählige Grünpflanzen in Reih und Glied. Alle sind noch von schwarzen Plastikfolien geschützt. Darin erhebt sich auch der „Patron“. So bezeichnen die Kakaozüchter die Pflanze, die als Erstes angezogen wird. „Das sind robuste Sorten, die an das einheimische Klima angepasst sind“, erläutert Hauke Will.

„Unsere Plantage befindet sich gerade in einer sehr spannenden Phase“, fügt Will hinzu. Er betritt eine der Werkstätten, wo die Traktoren stehen. „Wir erwarten Ende des Jahres die erste Ernte und beginnen dann mit der Weiterverarbeitung“, sagt er.

Die Firma forscht gerade an eigenen Maschinen zur Fermentation – ein extrem wichtiger Prozess in der Verarbeitung, bei der die Kakaobohnen verschiedene chemische Prozesse durchlaufen. Eine gute Fermentation ist extrem wichtig, um nach der Ernte auch einen ausgereiften und wohlschmeckenden Kakao zu erhalten. Gleichzeitig muss weiter ausgesät und bestehende Bäume müssen kultiviert werden. „Es gibt also noch viel zu tun“, versichert der Plantagenchef und sein Blick geht ins Weite über die Flächen mit den vielen prachtvollen grünen Bäumen.




Quelle: „Mannheimer Morgen“, www.morgenweb.de

Schlagwörter: Nicaragua, Kakao, Ritter Sport, Schokolade, Herstellung, Plantage, Anbau, Landwirtschaft, Regenwald, Natur, Umwelt, Kakao-Bohne, Ökologie, Karibikküste, Pflanzen, Bäume, Ernte