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Nicaragua: Die Rettung des Tapirs

 
Meldung vom 03.11.2017

Nicaragua hat sich entschlossen, den Tapir zu retten. Mittelamerikanische Tapire begünstigen ein wichtiges Öko-System: Sie tragen dazu bei, den Regenwald am Leben zu erhalten. Doch ihre Zahl hat sich alarmierend vermindert, inzwischen sind sie vom Aussterben bedroht. Zudem ist ihre Nachzucht kompliziert. Als Fruchtfresser verteilen Tapire mit ihren Exkrementen die Samen der Tropengewächse. Doch die Unpaarhufer sind selbst sehr gefährdet: Wilderer haben es auf sie abgesehen, die Abholzung und der Klimawandel schränken ihren Lebensraum ein. Der Zoo von Ticuantepe im Osten Nicaraguas hat es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, die mittelamerikanischen Tapire zu züchten, um die Art zu retten. Die Sorte nennt sich Bairds-Tapire.

Dreizehn der wie eine Mischung aus Ameisenbär und Wildschwein aussehenden Huftiere lungern in den Büschen ihres unweit des Masaya-Vulkans gelegenen Geheges herum, nachdem sie massenhaft Obst gefressen haben. Jeden Tag laben sie sich an neun Kilogramm Blättern, Früchten und Pferdefutter, kommen regelmäßig auf die Waage und werden sorgfältig per Kamera beobachtet. Hier wurden sie auch geboren, das Leben in freier Wildbahn kennen sie nicht.

Das Projekt steht unter dem Schutz des Wildtierexperten Eduardo Sacasa. Er stuft mittelamerikanische Tapire als die „meistbedrohten“ Tiere Nicaraguas ein – gefährdet durch „Abholzung, der Ausdehnung von Feldern und Weideland sowie durch den verbotenen Verkauf ihres Fleischs“.

Auch der Klimawandel schadet den Wäldern und damit dem Lebensraum der größten Säugetiere Zentralamerikas. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet den mittelamerikanischen Tapir als stark gefährdete Art. Neben ihm gibt es noch vier weitere Tapir-Arten. 16 fossile Arten sind bereits vor langer Zeit ausgestorben.

Die Zucht von mittelamerikanischen Tapiren im Zoo ist nicht leicht: Nach 14 Monaten Tragzeit schenken die Weibchen nur einem einzigen Jungtier das Leben. Im Moment sind drei Tapire in Ticuantepe trächtig, darunter die zwölfjährige Rosita und die neunjährige Pueblana.

Bald sollen einige der Tiere ausgewildert werden – doch vor drei Jahren wurde ein ähnlicher Plan schon einmal kurzfristig abgebrochen, weil niemand für die Sicherheit der Tiere in ihrem künftigen Lebensraum sorgen konnte. Zu den Tapiren, die nun per Armeehubschrauber in ein schwer zugängliches Reservat an Nicaraguas Karibikküste gebracht werden sollen, zählt der zweijährige Tilba. Weil er noch recht jung ist, hat er nach Einschätzung der Experten gute Chancen, sich an die Freiheit und Eigenständigkeit zu gewöhnen.

In seiner neuen Heimat wurde bereits ein Weibchen ausgemacht, das zu ihm passen könnte. Auch nach ihrer Auswilderung will Projektleiter Sacasa die Tiere mithilfe von GPS-Halsbändern und etwa 150 im Busch installierten Kameras sorgfältig überwachen.

In Nicaragua gibt es noch rund 800 Baird-Tapire. In ganz Mittelamerika kommt man nach Schätzung von Artenschützern noch etwa auf 3.000 Stück. Werden nicht schnell Vorbeugungsmaßnahmen zu ihrem Arterhalt getroffen, so könnte ihre Zahl laut IUCN in den kommenden Jahren um 80 Prozent sinken. Bereits in den vergangenen drei Generationen ging die Population demnach mehr als um die Hälfte zurück. Die weitgehend nachtaktiven Tiere sind zwischen 200 und 300 Kilogramm schwer und werden zwischen 15 und 40 Jahre alt. Sie laufen normalerweise in einem Radius von neun Kilometern umher. Ändert sich ihre Umgebung, steht ihr Überleben auf dem Spiel.

Nach IUCN-Angaben sind in den vergangenen 40 Jahren 70 Prozent der mittelamerikanischen Wälder zerstört worden. Laut dem Umweltberater der nicaraguanischen Regierung, Jaime Incer, gibt es an der westlichen Pazifikküste Nicaraguas keinen Tapir mehr. Da das Land jährlich zwischen 50.000 und 60.000 Hektar Wald einbüßt, ist dieser Trend kaum noch aufzuhalten.

Sacasa zufolge ist der mittelamerikanische Tapir neben Ameisenbären, Jaguaren, Pumas, Brüllaffen und Kapuzineraffen nur eine von 28 Säugetierarten, deren Überleben davon abhängt, dass die Ökosysteme in Nicaragua geschützt werden. Doch die Umweltschützer sind alarmiert über den Plan der Regierung, einen 278 Kilometer langen Kanal zu bauen, der dem Panama-Kanal Konkurrenz machen soll. Das Mega-Bauprojekt des chinesischen Konzerns HKND geht zusätzlich auf Kosten der 17 gefährdeten Arten, wie der Konzern selbst zugibt. Zu ihnen zählt – erneut – der mittelamerikanische Tapir.


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Der Kampf um bedrohte Tapire (In Englisch)




Quelle: „Tierwelt“, www.tierwelt.ch

Schlagwörter: Nicaragua, Tapir, Tiere, Aussterben, Regenwald, Klimawandel, Aufzucht, Rettung, Arten, Artenvielfalt, Tierschutz, Wilderer, Nicaragua Kanal, Panama Kanal, Abholzung, Nachzucht, Auswilderung, Ticuantepe