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Honduras: Präsidentschaftswahl – Viele Honduraner stimmen für den Wechsel

 
Meldung vom 27.11.2017

In Honduras wurde am Sonntag (26.11.2017) die Präsidentschaftswahl abgehalten. Doch dass die Wahl fair verlaufen würde, – daran glaubte kaum einer. Und doch könnte das Unglaubliche wahr werden: Viele Honduraner haben offensichtlich für einen Wechsel gestimmt. Der Oppositionskandidat Salvador Nasralla lag am Montag (27.11.2017) entgegen den Prognosen vor Amtsinhaber Juan Orlando Hernández vorn. Allerdings ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Der Kandidat des Oppositionsbündnisses Allianz gegen die Diktatur kam nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen auf 45,17 Prozent, wie das Wahlamt am frühen Montagmorgen bekannt gab. Für Hernández gaben demnach 40,21 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. Der Kandidat der ultrakonservativen Partido Liberal, Luis Zelaya, erreichte nur 13,77 Prozent.

Präsident Hernández gestand seine Niederlage zunächst nicht ein. Die vorläufigen Ergebnisse reflektierten den tatsächlichen Wählerwillen nicht, behauptete er im Morgengrauen. Er ermahnte seine Anhänger allerdings zu Geduld und Besonnenheit. Es könnte bis Donnerstag dauern, bis das amtliche Endergebnis feststeht.

Das ist eine Überraschung. Alle dachten, dass Juan Orlando Hernández erneut im Amt bestätigt würde. Trotz zweifelhafter korrupter Machenschaften mit Konzernen und Sicherheitsbehörden sowie dem Verdacht des Drogenschmuggels in seinem Umfeld ging er ins Rennen und hatte für die Wahl vorgesorgt. Eine Stimme in Honduras ist manchmal für nur zwei Pakete Reis und Bohnen zu haben.

Das jedenfalls beinhaltete das „Solidaritätspaket“, das Wendy Guillén neulich von der Regierung erhalten hat. „Ich muss mich und meine behinderte Tochter durchbringen. Da ist selbst das kleinste Bisschen viel wert“, gibt die 22-Jährige zu und hebt enthusiastisch die blaue Fahne mit dem weißen Stern der regierenden Nationalpartei unter Präsident Juan Orlando Hernández in die Höhe. Die Wahl steht unter keinem guten Zeichen, denn die Verfassung gestattet eine zweite Amtszeit für Hernández eigentlich nicht mehr. Ein Hindernis, das er mittels eines Urteils des ihm nahestehenden Obersten Gerichts beiseite räumen konnte.

Seine Kampagnenhelfer haben volle Überzeugungsarbeit geleistet in Talaubé, einem Dorf in den Bergen des mittelamerikanischen Landes. Die Stimmung ist fröhlich, Fahnen und Bändchen flattern im Wind. Der Präsident selbst lässt sich im Hubschrauber einfliegen, präsentiert sich dann aber volksnah in Jeans und Bergsteigerstiefeln, bezieht sich auf den Nationalstolz des honduranischen Volks in seiner Ansprache, zählt seine Erfolge bei der Kriminalitätsbekämpfung auf und macht die üblichen Versprechungen: mehr Sozialprogramme, eine solide Martkhalle, Kredite für Kleinbauern. JOH, wie er im Volksmund bezeichnet wird, kommt selbst aus der unteren Mittelschicht. Den Traum vom Aufstieg kann der 49-Jährige gut an den Mann bringen. „Er hält sein Wort und hört auf das Volk. Honduras ist jetzt ein stabileres und sichereres Land“, betont die 58-jährige Sekretärin Adela Osorio.

Völlig andere Stimmen werden in El Pedregal laut, einem Armenviertel der Hauptstadt Tegucigalpa, der mit rund 870.000 Einwohnern größten Stadt des knapp Neun-Millionen-Landes. Die Region ist fest im Griff krimineller Banden. Zwar pa­trouillieren jetzt öfter Polizei und Armee hier, zwar konnten einige der Bandenchefs festgenommen und in die neuen Hochsicherheitsgefängnisse überführt werden, und die Jugend kann wieder den Sportplatz gebrauchen, ohne ständige Angst vor Gewalt. Doch der Überlebenskampf ist trotzdem immer da. „Es gibt keine Arbeit, und die Banden haben die Schutzgeldforderungen erhöht“, kritisiert Erika Fernández, die einen Obststand am Eingang des Viertels betreibt. Wie die meisten hier kann sie nur dank Überweisungen von Angehörigen überleben, die in den USA arbeiten. Für sie steht fest, dass sie Salvador Nasralla wählt.

Der schrille ehemalige Sportjournalist an der Spitze seiner Anti-Korruptions-Partei (PAC) ist auf ein Bündnis mit dem liberalen Ex-Präsidenten Manuel Zelaya und dessen linker Partei Libre eingegangen. Zelaya war 2009 von einer Allianz aus Militär und Unternehmern aus dem Amt geputscht worden, nachdem er die Wiederwahl legalisieren wollte. Dass heute möglich ist, was damals zum Umsturz führte, offenbare die Scheinheiligkeit der führenden Schicht des Landes, meint Jesuitenpriester und Radio-Direktor Ismael Moreno. Regeln und Institutionen haben für die herrschenden zwei Dutzend Familien keinen Wert, solange ihre Interessen gewahrt blieben, so Moreno.

Diese Interessen umfassen den Handel, das Finanzwesen, die Export-Landwirtschaft und erneuerbare Energien. Und sie sind häufig der Auslöser für die Land- und Umweltkonflikte, die voriges Jahr zur Ermordung der Umweltaktivistin Berta Cáceres führten. Die Mörder waren Angestellte der Firma, die einen umstrittenen Staudamm auf indigenem Stammesland errichten wollte, doch die Drahtzieher vermutet man bis in die höchsten politischen Kreise. An einem Strang zogen sie mit Polizisten und Verbündeten in der Justiz, welche die Ermittlungen behinderten. Das ist die dunkle Kehrseite der staatlich-privaten Partnerschaften, mit denen Hernández die Infrastruktur ausgebaut hat.

Die USA, die in den Angelegenheiten von Honduras kräftig mitmischen, sehen in JOH den richtigen Kandidaten. JOH habe sämtliche Institutionen unter Kontrolle, auch das Wahlgericht und die Justiz. Die USA sind vor allem an Stabilität und Kontrolle des Landes interessiert, denn die ist in den letzten 20 Jahren zeitweise aus dem Ruder geraten.

In den vergangenen acht Jahren hat Washington sich in Honduras erneut mit einem wichtigen Militärstützpunkt eingenistet, um gegen Drogenhandel und Migration vorzugehen. Systematisch haben US-Agenten die Netzwerke zwischen Mafia und Politik bekämpft. An den Kragen ging es nicht nur Kriminellen, sondern auch Hintermännern, darunter dem Sohn von Ex-Präsident Porfirio Lobo und der Bankiersfamilie Rosenthal, alles Freunde und Kollegen von JOH. Auch der Präsident selbst ist ins Zwielicht geraten, nachdem ein in die USA ausgelieferter Drogenboss zugab, er habe Geschäfte mit Hernández’ Bruder Tony gemacht.

„Keiner steht über dem Gesetz“, sagte JOH zu dem Vorfall und distanzierte sich öffentlich von seinem Bruder. Doch damit machte er sich für die USA auch erpressbar. Ein Präsident, der intern autoritär regiert, aber erpressbar ist – eine bessere Konstellation könnte es für die USA kaum geben. Doch sollte Nasralla gewinnen, werden die Karten neu gemischt.






Quelle: „Luzerner Zeitung“, www.luzernerzeitung.ch

Schlagwörter: Honduras, Wahl, Präsidentschaftswahl, Salvador Nasralla, Juan Orlando Hernández, Korruption, Elite, Stimmen, Mehrheit, USA, Drogen, Jugendbanden, Arbeitslosigkeit, Erpressung, Drogenhandel, Migration