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Uganda: Ohne rechtlichen Schutz – Anwältinnen kämpfen für verstoßene Frauen

Meldung vom 30.11.2017

In Uganda haben Frauen kaum Möglichkeiten, ihre Rechte geltend zu machen. Das Justizsystem des ostafrikanischen Staates ist völlig überlastet. Gerade geschiedene oder verstoßene Frauen geraten ins Abseits, da sich kein Gericht ihrer annimmt.

Das Leben, wie es war, hat ihr lange Zeit gut mitgespielt, meint Rosit Nasiwa Katuma. Jammern entspricht nicht ihrem Wesen. Ihr Schicksal zu beklagen, dafür verschwendet die 54-Jährige nicht ihre Zeit. Sie war lange glücklich, betont sie. Und dann tropft doch eine Träne aus ihren Augen. Sechs Kinder hat sie geboren. Ganz so, wie es dem Durchschnitt bei ugandischen Frauen entspricht. Die Familie kam gut zurecht. Bis zu jenem Tag, an dem ihr Mann sie vor die Tür setzt.

Bis zu dem Moment, wo sie zudem von heute auf morgen ohne Arbeit ist und sie ihr Auskommen selbst bestreiten muss. Bis er das gemeinsame Haus am Rande Kampalas veräußert. Und er besteht darauf, sie nicht mehr zu kennen. In westlichen Ländern wäre dies ein Fall für den Recht- und Sozialstaat. In Uganda kommt dies einem Todesurteil gleich. Die Polizei? Sie wird nichts unternehmen und sie höchstens verspotten. Das Gericht? Das hält erst einmal die Hand auf für Geld, das Katuma nicht hat. Woher auch, stehen Frauen wie sie in dem ostafrikanischen Land ökonomisch doch völlig unter der Herrschaft des Mannes. Als ihr Mann entscheidet, eine andere Frau zu heiraten und von dem Geld, das ihm der Verkauf des Hauses einbrachte, ein Auto zu kaufen, steht Katuma ohne Hab und Gut auf der Straße.

Und mit ihr sechs Kinder, die jüngste 19, die anderen Anfang bis Mitte zwanzig. Als zwei davon der großen Not wegen keinen anderen Ausweg sehen, als sich zu prostituieren, bricht der Boden unter den Füßen der kleinen Frau, die älter aussieht, als sie ist, vollends weg. Ihr Mann, mit dem sie dreißig Jahre lang unter einem Dach gelebt hat, will sie mit einem Almosen abspeisen. Schließlich, so will er es ihr wieder und wieder einreden, seien sie in Wahrheit gar nie verheiratet gewesen.

Es sind Geschichten wie diese, die Gloria Nakaayi (31) bewegten, den Beruf der Anwältin zu ergreifen. Allen Widerständen, die sich für Frauen in der patriarchalen Gesellschaft Ugandas ergeben, zum Trotz. Sie arbeitet für eine Nichtregierungsorganisation, die mittellose Frauen rechtlich vertritt. „Jeden Tag kommen Frauen zu uns, die von ihrem Mann auf die Straße gesetzt wurden und die sich nicht mehr zu helfen wissen“, berichtet sie. Bis zu vier Jahre ziehen sich die Prozesse um Unterhalt und Scheidung vor einem ugandischen Gericht hin. In ein funktionierendes Rechtswesen kann oder will der marode Staat kein Geld stecken. Wirtschaftswachstum und Infrastruktur, aktuell konkret der Rohstoffsektor, stehen für die Regierung von Langzeitpräsident Yoweri Moseveni an oberster Stelle.

Stattdessen müssen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in diesen Riss treten. 5.577 Frauen haben 2017 bei Gloria Nakaayi und ihren Kolleginnen Beistand gesucht. Ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die meisten davon – so wie Rosit Nasiwa Katuma – wegen Unterhaltskonflikten, Erb- und Landstreitigkeiten sowie wegen häuslicher Gewalt. Viele ihrer Klientinnen, berichtet sie, haben die Hoffnung, von dem Rechtsstaat Hilfe zu erhalten, längst aufgegeben. Es gibt aber noch andere Wege: Außergerichtliche Vermittlung ersetzt manchmal das chronisch überlastete und korruptionsanfällige Justizsystem.

Im Fall von Rosit Nasiwa Katuma ging die Mediation gut aus. Anwältin Nakaayi bat deren Ex-Mann zu einer Aussprache in die Kanzlei im Zentrum Kampalas. In ihrem Elternhaus fand Katuma Fotografien, die die – traditionelle, nicht jedoch staatlich beglaubigte – Hochzeit bewiesen und die Behauptungen ihres skrupellosen Ex-Mannes durchkreuzten.

Anstatt der verlangten zwanzig Millionen Ugandischer Schilling (umgerechnet etwa 4.700 Euro) bekam sie schließlich fünfzehn Millionen ausgezahlt, ein Kompromiss, genug jedoch, um ein kleines Stück Land zu erwerben und dort Gemüse anzupflanzen. Ihr Mann, ein Beamter, hatte ihr vor dem Eingreifen der juristischen Dienste der NGO lediglich fünf Millionen, also knapp 1.200 Euro, in Aussicht gestellt. Ihre Töchter konnte sie vor weiterer Prostitution beschützen. Inzwischen hat Rosit Nasiwa Katuma einen Job gefunden und verdient ihr Geld als Hausmeisterin in einer Schule. Ohne die Hilfe der NGO hätte sie längst aufgegeben, gibt sie zu.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Standard“, derStandard.at

Schlagwörter: Uganda, Justiz, Frauen, Gender, Rechte, Frauenrechte, Scheidung, Verstoßung, Ehe, Korruption, Familie, Kinder, Anwältin, Prostitution