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Sambia: Jagd auf Flusspferde bald erlaubt

Meldung vom 23.07.2018

Flusspferde abschießen – in Sambia soll das bald legal sein. Mit dieser Maßnahme will die Regierung die Population der tonnenschweren Tiere begrenzen. Kritiker dagegen glauben, dass Geldgier der wahre Grund sei.

Es ist ein unvergessliches Erlebnis: Eine Herde von fast hundert Flusspferden sonnt sich grunzend am Ufer des Stroms, die Sonne brennt auf ihre rosa Bäuche. Plötzlich setzt sich ein kleiner Vogel einem der Dickwanste aufs Genick: Der erschrickt und platscht ins Wasser. Sämtliche Artgenossen hasten ihm hinterher: Die braune Masse aus Leibern verursacht im Fluss eine Art Mini-Tsunami.

Eine solche Szene gibt es eigentlich nur noch am Luangwa-Fluss im Nordosten Sambias zu sehen. Nirgendwo sonst auf der Welt tummelt sich noch eine ähnlich große Zahl an Vertretern der Gattung Hippopotamus. Schätzungen der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN) zufolge sollen sich im Luangwa 25.000 Exemplare aufhalten, das sind ein Fünftel aller Nilpferde, die es auf der Erde noch gibt. Wie Elefanten, die immerhin noch in fünffacher Anzahl vertreten sind, werden die Flusspferde ihrer Zähne wegen gejagt; in manchen Regionen wird auch das Fleisch verzehrt.

Das Schauspiel am Fluss könnte schon bald Geschichte sein. Die sambische Regierung will die Flusspferde jetzt zur Jagd freigeben: Bis zu 250 Tiere sollen am Luangwa pro Jahr geschossen werden dürfen. Zur Begründung gibt die Regierung an, die Population der Dickwanste sei außer Kontrolle geraten und müsse dringend verringert werden.

Denn übermäßig viele Flusspferde könnten zur Gefahr für ihre Umwelt werden, allen voran die Menschen, heißt es: Bräche etwa eine Anthraxseuche (Milzbrand) unter ihnen aus, könnte die bakterielle Infektion bei Übertragung auf Menschen tödliche Folgen haben. Darüber hinaus verschmutze der Dung der gefräßigen Tiere allmählich den Fluss.

Gegen die Ankündigung der Regierung schlagen jetzt erwartungsgemäß Tierschützer Alarm. Die Jagdfreigabe der Flusspferde sei lediglich der Geldgier zuzuschreiben, so der Chef der sambischen Grünen-Partei, Peter Sinkamba, gegenüber der Zeitung The Guardian: Am Luangwa habe die Zahl der Flusspferde in jüngster Zeit sogar abgenommen.

Einer sambischen Zeitung zufolge sei die Jagdfreigabe vor allem dem Umstand zuzuschreiben, dass die Regierung einem Konzessionär noch einen Gefallen schuldete: Sie wolle verhindern, dass von der Jagdfirma Mabwe Adventures Limited in einer anderen Sache gegen sie ein Gerichtsverfahren angestrengt werde.

Jeremy Hance, Ökologe und Autor des Guardian, nennt ein anderes Argument: Kaum jemand könne überhaupt entscheiden, ab welcher Größenordnung einer bestimmten Tierart es sich um eine „Überpopulation“ handele. In Zukunft würden vielleicht schon zwanzig Hippos als Plage wahrgenommen, so Hance, weil die Menschheit sich an immer kleinere Zahlen tierischer Mitbewohner gewöhnt habe.

Die Fachwelt gibt unterdessen zu verstehen, dass über die Schwergewichte viel zu wenig Forschungsdaten vorlägen, um gesicherte Angaben über die angeblich richtige Populationsdichte machen zu können. Die Flussbewohner seien einem natürlichen Kreislauf unterworfen, der sie in regenreichen Zeiten bestens gedeihen, in Dürrezeiten jedoch jämmerlich verenden ließe: Ein Eingriff von Regierungsseite in den Lauf der Natur könne daher nur Schaden anrichten.

Die Experten geben auch zu bedenken, dass die Jagd auf die Flusspferde völlig andere Folgen als erwartet haben könnte. Studien hätten ergeben, dass Hippo-Herden mit einem höheren Anteil an weiblichen Tieren viel mehr Nachwuchs haben als die mit mehr Männchen. Genau auf diese Männchen mit ihren riesigen Zähnen aber haben es die Trophäenjäger abgesehen. Die Flusspferd-Jagd könne also paradoxerweise zu einer Vergrößerung der Population führen, so der Zoologe Chansa Chomba in einer Untersuchung für die Zambia Wildlife Authority. Damit wäre nicht nur das ursprüngliche Ziel verfehlt worden, sondern der Schuss obendrein nach hinten losgegangen.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Frankfurter Rundschau“, FR-online.de

Schlagwörter: Sambia, Flusspferde, Jagd, Regierung, Population, Luangwa-Fluss, Hippopotamus, Elefanten, Anthrax, Milzbrand, Bakterien, Infektion, Tierschutz, Grünen-Partei, Ökologe, Trophäenjäger, Zoologie, Arten, Artenvielfalt, Artenschutz