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Nicaragua: Junge Professoren rütteln auf – das ist die Realität

Meldung vom 31.07.2018

Seit Mitte April gehen in Nicaragua Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung zu protestieren. Damit begeben sie sich in Lebensgefahr. Berichten zufolge gab es bei diesen Demonstrationen schon über 300 Todesopfer. Zum Teil werden die Demonstranten gefoltert, bedroht oder ins Gefängnis gesteckt. Die Proteste richteten sich anfangs gegen geplante Sozialkürzungen, inzwischen fordern die Menschen den Rücktritt von Präsident Daniel Ortega.

Zwei junge Professoren der Universität von Nicaragua, Fidel Ernesto Narváez Espinales und Yerling Aguilera Espinoza sind derzeit in Europa unterwegs, um wachzurütteln und darüber aufzuklären, was in ihrer Heimat wirklich geschieht. Der 29jährige Espinales, Professor für Verfassungsrecht und Philosophie, und die 26jährige Espinoza, Forscherin und Soziologin in Sachen Menschenrechte, sind selbst geflohen, nachdem ihr Leben bedroht wurde.

Sie reisen durch Europa, um die Medienschranke der Regierung Ortegas zu durchbrechen. Medien und Informationspolitik in Nicaragua werden zu 80 Prozent direkt oder über regierungsnahe Kräfte von der Regierung dominiert. Die Professoren wollen über die Realität in ihrer Heimat informieren. Deshalb haben sie ihre „Info-Karawane der internationalen Solidarität mit Nicaragua“ begonnen. Außer in Deutschland haben sie bereits in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Großbritannien über die massiven Menschenrechtsverletzungen berichtet. „In Europa werden wir unterstützt“, so Espinales, „weil die Regierungen wissen, dass es sich um einen Genozid handelt. Wir beide waren von Anfang an dabei und haben als Augenzeugen alles miterlebt.“ Nach Nicaragua können sie nicht zurück, dort erwartet sie der sichere Tod.

Laut Espinoza ist Nicaragua ein Terrorstaat. Alle, die gegen Ortega protestieren, würden kriminalisiert, Gegner des Regimes einfach niedergeschossen. Mittlerweile trauten sich die Menschen nicht mehr aus ihren Häusern, manche flüchteten ins Nachbarland Costa Rica, wo sich schon viele Nicaraguaner aufhalten. Den Informationen Espinozas zufolge wurden bislang etwa 750 Menschen gefoltert, und zwar von der Polizei und von parastaatlichen Kräften gleichermaßen. Dafür müssen die alten Gefängnisse des Somoza-Regimes wieder herhalten. Wer protestiert, gilt als Terrorist und wird angeklagt. Jeden Tag gibt es Ermordungen, Folter und Entführungen, ein Ende ist nicht in Sicht.

Espinoza und ihr Kollege wollen erreichen, dass in Nicaragua ein Demokratisierungsprozess in Gang kommt, der eine neue Verfassung ermöglicht, um schließlich eine neue Regierung wählen zu können. Sie wollen mehr politische Teilhabe für die Menschen und eine progressive Regierung. Sie fordern den Rücktritt Präsident Ortegas und die Bildung einer Übergangsregierung, bis eine neue Verfassung ausgearbeitet ist. Erst danach sollte es ihrer Meinung nach Neuwahlen geben, weil sie befürchten, dass der Genozid sonst weitergeht.

Auf ihrer Reise werben die beiden Professoren um Unterstützung für ihr Vorhaben. Zurück in ihre Heimat können sie nicht, beide haben bereits Todesdrohungen erhalten. Espinales berichtet, dass er geflohen sei, weil es schon Mordanschläge auf ihn gegeben habe. Nun versucht er mit seiner Kollegin, in Europa Solidarität zu wecken und eine Unterstützungs-Plattform zu schaffen. Ein mutiges Vorhaben, denn offiziell haben sie keinen Flüchtlingsstatus und wissen noch nicht, wo und wovon sie nach Abschluss ihrer Reise leben werden. Auch Hilfe für die Flüchtlinge in Costa Rica wollen sie organisieren.

Trotz anhaltender Massendemonstrationen der Regierungsgegner lehnt Nicaraguas Präsident seinen Rücktritt sowie vorgezogene Wahlen in dem krisengebeutelten Land weiterhin ab. Auch leugnet er die finanzielle Unterstützung paramilitärischer Schlägertrupps. Aufgrund der fortdauernden Gewalt in Nicaragua hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) vorgezogene Neuwahlen angeregt. Dem UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid al-Hussein, zufolge ist die Regierung in Nicaragua hauptverantwortlich für die Eskalation der Gewalt. Präsident Ortega ist – mit 16 Jahren Unterbrechung – seit 1979 an der Macht.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Lëtzeburger Journal“, http://www.journal.lu/home/

Schlagwörter: Nicaragua, Demonstrationen, Todesopfer, Demonstranten, Folter, Gefängnis, Präsident, Daniel Ortega, Universität, Verfassungsrecht, Menschenrechte, Regierung, Deutschland, Schweden, Genozid, Terror, Kriminalisierung, Regime, Costa Rica, Polizei, parastaatlich, Somoza-Regime, Demokratisierung, Verfassung, Teilhabe, Übergangsregierung, Neuwahlen, Flüchtling, paramilitärisch, OAS, UN.