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Indien: Die Braut und der Goldpreis

Meldung vom 09.10.2018

Eine Braut in Indien wird am Tage ihrer Hochzeit mit Gold behangen. Zahlreiche massive Goldreifen und schwere Halskolliers schmücken zumeist Arme und Hals der angehenden Ehefrau. Dabei hat der Schmuck aber mehr als dekorativen Zweck, er gehört zu einer anständigen Mitgift für die Braut. Gold hat in Indien traditionell einen besonders hohen Wert. Es ist kein Zufall, dass das riesige Land einer der weltweit größten Käufer des Edelmetalls ist. Einer Studie zufolge klettert mit dem Goldpreis in Indien aber auch die Todesrate bei neugeborenen Mädchen.

In der indischen Gesellschaft wird männlichen Nachkommen gemeinhin mehr Wert beigemessen als Töchtern. Das liegt begründet in einer alten Tradition, die früher auch in Europa verbreitet war: der Mitgift für Frauen. Diese wurde in Indien seit 1961 zwar gesetzlich abgeschafft – wird aber unter der Hand weiter angewandt. Eine Mitgift in Indien ist ungeheuer hoch, dafür müssen Familien oft das Haushaltseinkommen mehrerer Jahre zurücklegen. Die Kosten für eine Tochter stehen daher in keinem Verhältnis zu denen für einen Sohn. Umgekehrt ist die Mitgift für Familien, die einer Ehe ihres Sohnes zustimmen, oft eine wichtige Einnahmequelle.

Eine der Autorinnen der Studien, Sonia Bhalotra, geht davon aus, dass der internationale Goldpreis – Goldschmuck gehört fast immer zur Mitgift – diese Kosten bei Mädchen nach oben treibt und dazu führt, dass Eltern Mädchen bewusst vernachlässigen, ihnen zu wenig zu essen geben oder gar abtreiben.

Die Mitgift hatte ursprünglich den Sinn, den Töchtern, die in den Haushalt ihrer Ehemänner umzogen, auch nach der Eheschließung einen Schutz einzuräumen, da früher nur die Frauen selbst Verfügungsgewalt über die Mitgift hatten. Längst haben aber in der Regel der Ehemann oder die Schwiegereltern sich die Mitgift angeeignet. Nicht selten müssen verheiratete Frauen viel Misshandlung erleiden, da sie keinerlei Rechte oder Druckmittel mehr besitzen. Manchmal wird mit dieser Misshandlung auch nach der Eheschließung noch von den Eltern der Braut eine Aufbesserung der Mitgift erpresst. Viele Familien müssen bereits bei der Geburt einer Tochter mit dem Sparen für die Mitgift anfangen.

Die Studie beobachtet den monatlichen Durchschnittspreis für Gold im Verhältnis zu der Geburtenstatistik für den jeweiligen Monat. Dabei offenbart sich eine klare statistische Korrelation. Beispielsweise kam es bei dem durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan Ende 1979 ausgelösten rasanten Goldpreisanstieg zu vielen Todesfällen bei indischen Mädchen. In den ersten Monaten des Jahres 1980 ging die Zahl von Sterbefällen bei neugeborenen Mädchen um rund neun Prozent nach oben. Bei den Jungen war sie gleichbleibend.

Aber auch kleinere Preisschocks bei Gold hatten Folgen für die Überlebenschancen neugeborener Mädchen: Von 1972 bis 1985 zeigt sich eine – vergleicht man eine Standardabweichung beim Goldpreis mit der Sterblichkeitsrate im selben Monat – klare Entsprechung: Stieg der Goldpreis um 6,3 Prozent, so stieg die Sterblichkeit neugeborener Mädchen um 6,4 Prozent im selben Monat. Grundlage für die Studie sind im Auftrag der Regierung durchgeführte regelmäßige Umfragen in Haushalten, bei denen demografische und gesundheitliche Daten festgesetzt werden (India Demographic and Health Surveys, DHS). Die Daten wurden auf der Grundlage von 100.000 Geburten erhoben.





Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ORF“, orf.at

Schlagwörter: Indien, Goldpreis, Gold, Braut, Mitgift, Geburtenrate, Femizid, Gender, Tötung, Abtreibung, Tötungsrate, Mädchen, Geschlechter, Geschlechterungleichgewicht, Töchter, Ehe, Eheschließung