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Uganda: Wie der Reggae-Künstler Bobi Wine an Musevenis Stuhlbein sägt

 
Meldung vom 19.10.2018

Nicht nur durch seine kritischen Texte ist der Reggae-Künstler Bobi Wine zum Erzfeind von Ugandas Präsidenten Yoweri Museveni geworden. Auch als Abgeordneter findet er immer mehr Anhänger. Und muss einen hohen Preis dafür zahlen.

Bobi Wine sieht seine Sache nüchtern. „Es wird schwer werden“, meint der 36-jährige, auf einen Stock gestützte Musiker: „Sie werden uns auspeitschen. Sie werden uns einsperren. Und ja – einige von uns werden sie auch töten.“ Den ugandischen Reggae-Star hätte es beinahe schon selbst getroffen: Soldaten des ostafrikanischen Staats schlugen eines Tages im August den zum Politiker avancierten Musiker dermaßen zusammen, dass dieser beinahe daran gestorben wäre.

Anschließend musste der singende Parlamentsabgeordnete drei Wochen lang in einem Krankenhaus in den USA medizinisch versorgt werden. Und als er schließlich nach Hause zurückkehrte, sperrten ihn die Sicherheitskräfte gleich wieder aufs Neue ein. Ugandas 74-jähriger Präsident Yoweri Museveni sieht in Bobi Wine seinen derzeit gefährlichsten Rivalen: Museveni bemüht sich, Wines Ruf als Marihuana rauchenden „Hooligan“ zu schädigen, gibt sich damit aber nicht zufrieden.

Seine Anhänger würdigen Bobi Wine, der mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi Ssentamu heißt, als ihren „Ghetto-Präsidenten“: Für sie steht fest, dass der charismatische Sänger den mehr als doppelt so alten, schon seit 32 Jahren regierenden Museveni spätestens in drei Jahren bei der nächsten Wahl ablösen wird.

Als der ehemalige Befreiungsführer 1986 die Führung übernahm, hatte er versprochen, „nicht der Meister, sondern der Sklave“ seines Volks zu sein: Doch je länger sich Musevenis Amt ausweitete, desto vehementer verteidigte er seine Position. „Freiheitskämpfer sind zu Diktatoren geworden“, lautet es in Wines Kultlied „Freedom“: „Was einst Demokratie war, ist heute zur Farce geworden.“

Der als „ungefähr 25-stes“ von 36 Kindern seines Vaters, eines Tierarztes, in einer Armensiedlung der ugandischen Hauptstadt Kampala groß gewordene Pop- und Politstar ist kein Phänomen, das man nur in Uganda finden könnte: In immer mehr afrikanischen Staaten drängen sich junge, oft in der Kulturszene populär gewordene Polit-Aktivisten nach vorne, die den starren Autokraten die Stirn bieten. Mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren kann Afrika mit der jüngsten Bevölkerung der Welt punkten – doch gleichzeitig gibt es dort die ältesten Präsidenten der Welt, die sich wie Krokodile in ihre mageren Staaten verbissen haben.

Museveni ließ kürzlich die ugandische Verfassung ändern, um seine Herrschaft auf Lebenszeit auszuweiten. „Let the Ugandans go“, singt Wine in Anlehnung an den vom Exodus der Israeliten inspirierten Soul-Song – und spricht damit der Mehrheit der Bevölkerung aus dem Herzen, die sich selbst mit einer Not biblischen Ausmaßes konfrontiert sieht. In Uganda liege alles brach oder bewege sich sogar rückwärts, während der Rest der Welt nach vorne strebe, klagt Bobi Wine weiter: „Wir müssen unsere Freiheit bekommen. Oder wir sterben bei dem Versuch, sie zu erlangen“, sagt er.

Vor einem Jahr war der Oppositionskandidat überraschend deutlich ins Abgeordnetenhaus gewählt worden: Seitdem schaffte es der charismatische Reggae-Star, sowohl seinen Bekanntheitsgrad zu erweitern, als auch sein politisches Profil zu schärfen. Sehr zum Unmut Musevenis, der schließlich seine geballte Macht spielen ließ.

Wine wurde beschuldigt, Steine auf die Wagenkolonne des Präsidenten geworfen zu haben: Daraufhin schlugen ihn Paramilitärs mit Eisenstangen erneut krankenhausreif. „Wie fühlt es sich an, wenn man wie Sie mit Menschen umgeht?“, fragt der Sänger nun seinen Präsidenten: „Wenn man seinen Stiefel ununterbrochen auf den Nacken seines Volkes presst?“

In anderen afrikanischen Staaten, in denen junge Bewegungen die einzementierte politische Landschaft aufbrechen, waren junge Helden wie Wine auch schon erfolgreich: Wie in Burkina-Faso, wo sie zumindest dazu verhalfen, dass der Autokrat Blaise Compaoré sein Amt aufgeben musste. Museveni weiß also, was ihn erwarten könnte: Ein für dieses Wochenende in einem Fußballstadion geplantes Bobi-Wine-Konzert wurde sicherheitshalber untersagt.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Frankfurter Rundschau“, FR-online.de

Schlagwörter: Uganda, Bobi Wine, Yoweri Museveni, Wahl, Abgeordneter, Rivale, Schikane, Reggae-Künstler, Verfassung, Opposition, Generation, Jugend, Alter, Macht, Oppositionskandidat, Diktatoren