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Mexiko: Benzindiebstahl mit tödlichem Ausgang – Die Mafia zapft die Pipelines an

 
Meldung vom 23.01.2019

Immer wieder kommt es in Mexiko zu Unglücken, weil die Menschen illegal Benzinleitungen anzapfen. Nun sind bei der Explosion einer Pipeline mindestens 85 Menschen ums Leben gekommen, rund 60 erlitten schwere Verletzungen. Das Unglück deckt ein Problem auf, mit dem Mexiko seit Jahren kämpft.

Ein ohrenbetäubender Knall, dann züngelten die Flammen an der Benzinpipeline mehrere Meter hoch in den Himmel und erfassten auch die umstehenden Menschen. Mindestens 79 Tote und 66 Verletzte registrierten die Rettungskräfte bis zum Sonntag (20.01.2019) in Tlahuelilpan im Bundesstaat Hidalgo, nahe von Mexiko-Stadt. Am Montagmorgen wuchs die Zahl der Todesopfer weiter: Laut Gesundheitsminister Jorge Alcocer sind weitere sechs Menschen gestorben. Die meisten Menschen waren in den Flammen an der Pipeline verbrannt, einige Menschen erlagen nach wenigen Tagen ihren schweren Verletzungen.

Wie genau das Feuer ausgelöst wurde, ist noch unklar. Fest steht, dass sich zum Zeitpunkt des Unglücks am Freitagabend hunderte Menschen an der Pipeline Tuxpan-Tula zu schaffen machten und illegal Sprit abzapften. Sie alle wurden mit voller Wucht von der Explosion getroffen.

Es ist ein Vorfall, der den Blick auf ein Problem lenkt, das Mexiko schon seit Jahren mit sich herumträgt: Benzinraub, Diebstahl auf Bohrplattformen, Demontage von Heliports. Mexikos Mafia scheffelt Milliarden auf dem Öl- und Benzinmarkt. Allein drei Millionen Dollar täglich werden dem Staatskonzern Petróleos mexicanos (PEMEX) und damit der Staatskasse durch illegales „Melken“ der Benzin-Überlandleitungen gestohlen.

Der neue Linkspräsident Andrés Manuel López Obrador will der Organisierten Spritkriminalität jetzt ein Ende bereiten. Seit Jahren entwenden gut organisierte Banden im großen Stil Treibstoff aus dem 17.000 Kilometer langen Netz der Benzinleitungen des Landes. Jedem Mexikaner ist das Problem bekannt, kaum aber einer ahnte die Ausmaße. Der geschädigte Energiekonzern Pemex brachte die Taten immer wieder zur Anklage. Aber das blieb folgenlos.

Alleine während des letzten Regierungsjahres des gerade aus dem Amt geschiedenen Staatschefs Enrique Peña Nieto soll noch einmal 20 Prozent mehr Sprit geklaut worden sein. Bis Oktober verzeichnete Pemex 12.581 Benzindiebstähle. Laut dem Konzern wurde im vergangenen Jahr alle 30 Minuten ein Rohr attackiert. Mitunter wird der Sprit in unterirdische Tanks umgefüllt und von dort an die Tankstellen verkauft.

Anfang des Jahres ließ die Regierung viele vom Benzinklau betroffene Pipelines stilllegen und stationierte zehntausende Soldaten an den Knotenpunkten. Tausende Tankwagen mussten den Transport der kostbaren Ware übernehmen. Aber die Kesselwagen können den Bedarf an den Tankstellen nicht annähernd bedienen. Zudem hat die Organisierte Kriminalität offenbar eine solche Reichweite, dass sie auch den Transport sabotiert.

Daraus ergeben sich eine Benzinknappheit in der Metropole Mexiko City und Städten in rund einem Drittel der 32 Bundesstaaten, lange Schlangen an den Tankstellen, eine wütende Bevölkerung und ungehaltene Oppositionspolitiker. Selbst López Obrador, Kampfname AMLO, gibt zu, dass die Regierung die logistischen Herausforderungen nicht ausreichend berücksichtigt habe. Aber der Präsident bleibt bei seinem harten Kurs: „Es geht darum, den Mafias und Korrupten die Stirn zu bieten“, meint der 65-Jährige und verspricht, das Problem innerhalb kurzer Zeit zu beheben.

Das Unglück vom Wochenende legt nahe, warum sich der Linkspräsident die Benzinmafia für die erste Machtprobe auserkoren hat. Nun will er zeigen, dass das Recht der Gesetze das Recht des Stärkeren ausradiert. Nach Angaben der Investigativjournalistin Ana Lilia Pérez hat man es mit einem tief verwurzelten und gut organisierten Netz an Kriminellen zu tun, in das die Drogenkartelle, aber auch Mitarbeiter von Pemex eingebunden sind. Vom Tankwart über den Lastwagen-Fahrer bis hin zum Manager seien Vertreter des Staatskonzerns in das Verbrechen verwickelt, sagt Pérez. „Es gibt den Energiekonzern Pemex und es gibt den Konzern des Organisierten Verbrechens Pemex“, kritisiert die Journalistin, die mehrere Bücher über die dunklen Machenschaften des Unternehmens veröffentlicht hat.

Wie groß und anscheinend profitabel der Benzinklau für die Mafia ist, legen Zahlen dar, die das Finanzministerium Ende der Woche veröffentlicht hat. Demnach wurden in den vergangenen sechs Wochen 400 Verdächtige inhaftiert, 1.831 Ermittlungsverfahren eröffnet und die Konten von 42 Unternehmen gesperrt, die mit Pemex geschäftlich zu tun haben. Die Einbuße durch die Verbrechen der Energie-Mafia beziffert López Obrador auf mindestens drei Milliarden Dollar pro Jahr.

Zu dem Benzinraub kommt der weit verbreitete großflächige Raub von technischen Anlagen auf den Förderplattformen. Nach einer Recherche der Reporterin Pérez wird auf den Plattformen im Golf von Mexiko fast täglich wertvolle Infrastruktur entwendet. Die Diebe bauen in Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und Pemex-Mitarbeitern Kräne ab und verleihen diese dann gegen hohes Entgelt an private Firmen, die selbst in der Ölbranche arbeiten. Erst im November wurden auf dem Förderkomplex Tsimin gleich drei Hubschrauberlandeplätze auseinandergeschraubt und abtransportiert, sagt die Journalistin, die wegen ihrer Recherchen um ihr Leben bangen muss.

Der aktuelle Skandal sei eine „gute Gelegenheit“ für AMLO, sein Wahlkampfversprechen zu halten, sagt die Analystin María Novoa. „Wie wird der Präsident mit diesem Problem gravierender, struktureller Korruption umgehen?“ Es sei jetzt die Zeit, Härte zu zeigen und eine „klare und effektive Botschaft“ zu senden, dass ein solches Amalgam aus Staat und Organisiertem Verbrechen nicht toleriert werde. López Obrador scheint gewillt zu sein, der Mafia die Stirn zu bieten.


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 Trauer um Opfer nach Pipelinebrand in Mexiko




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Frankfurter Rundschau“, FR-online.de

Schlagwörter: Mexiko, Benzin, Benzinklau, Benzin-Diebstahl, Mafia, Drogenkartelle, Benzin-Mafia, Pipelines, Explosion, Tote, Brand, Pemex, Andrés Manuel López Obrador, Präsident, Kampf, Sprit, Benzinmangel, Tankstellen, Demontage, Anlagen, Verbrechen, Kriminalität, Korruption, organisierte Spritkriminalität, Benzinleitungen, Tlahuelilpan, Hidalgo