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Südsudan: Vergessen und verloren in den Sümpfen des Todes

Meldung vom 12.04.2019

Der Weiße Nil speist im Südsudan eines der größten Sumpfgebiete der Erde mit Wasser. Das Areal dient Zehntausenden Flüchtlingen als Unterschlupf vor der Gewalt verschiedenster Kriegsparteien – und ist zugleich eine tödliche Falle.

Der Sudd ist ein enorm großes Sumpfgebiet, in der Regenzeit hat es ein Ausmaß so groß wie Belgien. Die Wassermassen des Weißen Nils fließen aus Uganda in das Land und ergießen sich dann in die weite Ebene im Bundesstaat Unity.

Im Bürgerkrieg sind die Sümpfe willkommenes Rückzugsgebiet für arme Flüchtlinge, weil mordende Milizen und Regierungstruppen die eigentlich unbewohnten Inseln in der nassen Landschaft umgehen. Aber der Sumpf ist auch eine Todesfalle, weil es dort keine Nahrung, kein reines Wasser und keinerlei Versorgung gibt. An seinen Rändern treiben Rebellen und die Horden der Regierungsarmee ihr Unwesen, nichts ist vor ihnen sicher.

Provisorische Krankenstationen wurden in den vergangenen Jahren mehrfach aufgestellt und wenig später wieder geplündert und zerstört. Die Helfer von Ärzte ohne Grenzen haben sich nun auf die Taktik verlegt, lokale Helfer auszubilden, die dann mit den Flüchtlingen in den Sümpfen leben. So laufen die Mitarbeiter und Patienten nicht Gefahr, auf dem Weg zur Behandlung erschossen zu werden – in Gesundheitszentren, die über kurz oder lang ohnehin wieder von Milizen überfallen und vernichtet werden.

Die britische Hilfsorganisation Oxfam, die in den Sümpfen im Einsatz ist, muss verschweigen, was genau die Menschen durch die Kämpfer erleiden müssen und wer genau am Rand der Sümpfe warum auf wen schießt. Zu groß ist das Risiko, selbst ins Visier zu geraten und dann nicht mehr helfen zu können.

„Die Flüchtlinge, die hier auf den eigentlich unbewohnbaren Inseln leben, erzählen uns, sie seien vor Gewehrkugeln geflohen“, sagte Oxfam-Mitarbeiterin Dorothy Sang unverbindlich. Wer die Kugeln auf wen und warum abgefeuert hat, will die Nothilfe-Managerin nicht preisgeben. Die Frontlinie ziehe sich durch die Regionen, in denen großer Hunger herrsche.

Sang berichtet von dem, was sie selbst dort bei einem Einsatz in den Sümpfen gesehen hat: „Die Menschen dort essen Seerosen. Einige fischen, aber die meisten haben nichts und sind in akuter Not.“ Außer mit Kanus könne man sich in der Gegend nicht vorwärtsbewegen, die Menschen auf der Flucht wateten bis zur Hüfte oder bis zum Hals durch das Wasser, um sich auf eine der Inseln zu retten. Cholera, Malaria und andere Krankheiten durch verschmutztes Wasser oder Mücken sind allgegenwärtig und die geschwächten Menschen haben keine Abwehrkräfte mehr.

Dass die sich bekämpfenden Gruppierungen nur schwer zu bändigen sind, liegt an der Gier der Kriegsparteien. Der Sentry Report macht darauf aufmerksam, dass die Kämpfe auch darum nur so langsam abflauen, weil einträgliche Geschäfte für die Warlords aller Seiten auf dem Spiel stehen – einschließlich für den Präsidenten. Der Report wird vom Hollywoodschauspieler George Clooney und dem Menschenrechtsaktivisten John Prendergast gesponsert.

Unter der Erde des Bundesstaats Unity schlummert viel Öl. Wer die Region an der Grenze zum Sudan kontrolliert, ist Herr über die Quellen und streicht die Einnahmen ein, denn auch wenn sonst alles in dem Land stillsteht: Das Öl fließt und wird verkauft. Laut der chinesischen Agentur Xinhua veräußert der Südsudan 130.000 Barrel am Tag, 98 Prozent der Einnahmen des Landes sind dem Ölgeschäft zu verdanken.

Nicht nur Helfer, auch Mitarbeiter der Ölfirmen arbeiten unter Lebensrisiko in diesem Land. Denn auch wer gerade nicht die Förderstellen sein eigen nennt, will sich bereichern: Immer wieder entführen Rebellen Mitarbeiter der ausländischen, vornehmlich chinesischen Ölunternehmen und fordern Lösegeld. Zwar ordnete Salva Kiir militärischen Schutz für Ölarbeiter und Raffinerien an, aber die chaotische Situation in dem Land destabilisiert jegliche Sicherheitsvorkehrungen.

Aus den wiederholten Versprechen von Präsident Kiir, gegen den Hunger zu helfen und Hilfsorganisationen den Zugang zu erleichtern, ist hingegen wenig geworden. Und auch international ist noch immer viel zu wenig zur Kenntnis genommen worden, wie sehr die Menschen in dem Land leiden.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Südsudan, Sudd, Sümpfe, Sumpf, Flüchtlinge, Bürgerkrieg, Hunger, Kriegsherren, Öl, Unity, Cholera, Malaria, Milizen, Salva Kiir, Riek Machar, Kämpfe, Förderstellen, Weißer Nil, Regenzeit, Menschenrechte, Menschenrechtsverbrechen, Profit, Ölquellen