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Äthiopien: Friedensnobelpreis 2019 geht an Ministerpräsident Abiy Ahmed Ali

 
Meldung vom 18.10.2019

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmed Ali. Er erhält diesen weltweit bekannten Preis für die Friedenspolitik gegenüber dem Nachbarland Eritrea und seinen innenpolitischen Kurs der Versöhnung.

Die Nominierung gab das Nobelkomitee in Oslo bekannt. Damit soll vor allem der Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea geehrt werden. Im Juli 2018 hatten Äthiopien und Eritrea sich auf einen Friedensvertrag verständigt, der einen Schlussstrich unter den 20 Jahre dauernden Streit zwischen den Ländern setzte.

Eritrea war bis zu seiner Unabhängigkeit 1993 Teil Äthiopiens. Fünf Jahre später entbrannte ein Krieg zwischen den beiden Staaten, in dem Zehntausende Menschen starben. Mit dem sogenannten Abkommen von Algier wurde im Jahr 2000 der Krieg zwar stillgelegt, die beiden Länder verhielten sich aber zunächst weiter wie Erzfeinde zueinander. Seit dem neuen Friedensabkommen haben die Staaten zwar praktisch wenig Neues umgesetzt: Nur wenige Verhandlungen wurden geführt, große Konflikte blieben nach wie vor unangetastet. Doch die Symbolkraft des Friedensschlusses in den Ländern und der Region war bahnbrechend.

Als Abiy im April 2018 in Äthiopien sein Amt antrat, rechneten nur wenige mit einer Wende. Der Vielvölkerstaat wurde jahrelang autoritär regiert, die wichtigen Positionen an den Schalthebeln der Macht wurden von einer einzigen ethnischen Minderheit besetzt. Oppositionsarbeit und Pressefreiheit waren unterdrückt. Gruppen, die sich marginalisiert fühlten und demonstrierten, wurden verfolgt. Abiy ließ jedoch politische Gefangene frei, löste einen Ausnahmezustand auf, entfernte Oppositionsgruppen von der Terrorliste und liberalisierte die Wirtschaft.

Sympathie errang der Äthiopier im Sommer zudem damit, dass er in seinem Land 354 Millionen Bäume pflanzen ließ. Die Aufforstung sollte eine Maßnahme gegen Verwüstung und Klimawandel sein.

Der 1976 in Beshasha in Zentral-Äthiopien geborene Politiker diente im Militär und war unter anderem Teil der UN-Friedensmission in Ruanda. Später rief er mit anderen einen Online-Nachrichtendienst ins Leben. Daraufhin stieg er in der Demokratischen Organisation des Oromovolkes (OPDO) auf, die der regierenden Koalitionspartei angehört.

Dennoch hat der 43-Jährige auch Gegenwind zu ertragen: Im Sommer dieses Jahres wurde ein Putschversuch gegen seine Regierung niedergeschlagen; Soldaten attackierten eine Regionalversammlung und bei einem Attentat wurde der Heereschef erschossen. Im Juni 2018 entging Abiy knapp einem Anschlag mit einer Handgranate, auch bei dem Vorfall wurden Tote und Verletzte beklagt.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat den Friedensnobelpreisträger als „herausragende Führungspersönlichkeit Afrikas“ gelobt. Sein Mut und seine Weitsicht seien „Beispiel und Vorbild weit über Afrika hinaus“, sagte Maas auf Twitter.

Insgesamt kamen nach Angaben des Komitees in diesem Jahr 223 Persönlichkeiten und 78 Organisationen in die engere Auswahl. Der Preis, der in diesem Jahr zum 100. Mal verliehen wird, ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) ausgezeichnet. Er wird als einziger der fünf Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen. Dort findet die Übergabe am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel (1833–1896), statt.


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Friedensnobelpreis für Abiy Ahmed




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Zeit Online“, zeit.de

Schlagwörter: Äthiopien, Friedensnobelpreis, Abiy Ahmed Ali, Oslo, Friedenspolitik, Eritrea, Friedensabkommen
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