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Mexiko: Kampf der Kartelle – „Frauen sind die Beute in diesem Krieg“

Meldung vom 22.11.2019

In Mexiko-Stadt hat die Gewalt gegen Frauen ein empörendes Höchstmaß erreicht. Hunderte Fälle von Missbrauch, Vergewaltigung und Mord werden verzeichnet. Wegen der ausufernden Gewalt gegen Mädchen und Frauen hat Mexiko-Stadt nun den Notstand ausgerufen. Die Hauptstadt ist nicht die erste Gemeinde in Mexiko, die diese Maßnahme ergreifen muss.

Durch den offiziellen Status des Notstands werde das Problem sichtbarer, erklärte die Bürgermeisterin der mexikanischen Hauptstadt, Claudia Sheinbaum, am Donnerstag (21.11.2019) in einer Mitteilung. „Jeder und jede in dieser Stadt muss STOP, SCHLUSS sagen.“

Im Zuge des Notstands werde sie unter anderem einen Gesetzesentwurf für die Schaffung eines öffentlichen Verzeichnisses von Sexualstraftätern unterbreiten, hieß es von Sheinbaum. Sie werde alles in ihrer Macht stehende tun, damit sich Frauen und Mädchen wieder frei und sicher fühlen können. Nach offiziellen Zahlen wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres in Mexiko-Stadt mehr als 150 Frauen ermordet. Bei 40 dieser Fälle muss man von Femizid sprechen – die Opfer wurden also wegen ihres Geschlechts getötet.

Es gingen zudem bis Ende September 527 Notrufe wegen Vergewaltigungen ein. Die Zahl der Vergewaltigungsverfahren sei zwischen Oktober 2018 und Oktober 2019 um zehn Prozent nach oben gegangen – auch weil die Stadt zahlreiche Anwältinnen eingesetzt habe, um Frauen zu beraten und bei Anzeigen zu stärken, betonte Sheinbaum. Die 57 Jahre alte Umweltforscherin bekleidet seit knapp einem Jahr als erste Frau das Amt der Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt.

Mit rund neun Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und mehr als 20 Millionen im Großraum ist die Hauptstadt des lateinamerikanischen Landes eine der größten Metropolen der Welt. In Mexiko, das seit Jahren eine sehr hohe Kriminalitätsrate hat, schlugen seit 2015 bereits 18 andere Stadtverwaltungen Alarm in Bezug auf Gewalttaten gegen das weibliche Geschlecht. Übergriffe auf Frauen gehören überall in Mexiko zum Alltag, und die meisten werden nicht juristisch geahndet.

„In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Morde an Frauen mehr als verdoppelt, heute zählt man jeden Monat 270 Femizide“, warnte vor kurzem die Frauenrechtlerin Julia Escalante De Haro. „Die Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs an Mädchen unter fünf Jahren haben sich mehr als verdreifacht – und das sind nur die Anzeigen. Jedes Jahr werden mehr als 11.000 Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren schwanger, nachdem sie sexualisierte Gewalt erfahren haben.“

Als Ursache für die Gewalt wird auch hier der allgegenwärtige Krieg der Drogenkartelle gegen die Regierung gesehen. Eine Auswertung der Gewaltstatistiken zeigt: „Wo sich die Kartelle besonders brutal bekämpfen, werden auch besonders viele Frauen ermordet. Frauen sind die Beute in diesem Krieg.“

Am vergangenen Mittwoch haben die Behörden auch die Kriminalstatistik für die ersten zehn Monate des Jahres bekannt gegeben: Bisher wurden in Mexiko 29.414 Morde verübt – die registriert worden sind. Das sind noch einmal zwei Prozent mehr als im Vorjahr, als die Behörden 28.869 Morde auflisteten.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Mexiko, Femizid, Frauen, Gender, Gewalt, Morde, Mexiko-Stadt, Vergewaltigung, Missbrauch, Drogenkrieg, Kartelle, Drogenkartelle, Notstand, Anzeige, Claudia Sheinbaum, Bürgermeisterin