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Haiti: Nach dem Erdbeben – Viele Verletzte ohne jegliche Hilfe

Meldung vom 24.08.2021

Jeden Tag wird die Todeszahl nach dem Erdbeben in Haiti nach oben korrigiert – jetzt ist sie auf über 2.200 gestiegen. Tausende Menschen sind dringend auf medizinische Versorgung angewiesen – und erhalten sie nicht. NGOs ringen darum, zumindest eine Grundversorgung auf die Beine zu stellen.

Eine große Menschentraube hat sich vor einer blauen Plastikplane gebildet. Sie wurde als Sichtschutz aufgehängt. Dahinter kauert eine Frau in einem Plastikstuhl, ein Arzt misst gerade ihren Blutdruck. Das Wenige, was man da vor sich sieht, ist eine mobile Krankenstation, die in Marceline gestoppt hat, ein kleiner Ort, der besonders stark von dem Erdbeben heimgesucht wurde. Die Stimmung ist angespannt, wenn nicht sogar verweifelt.

Ein Mann hält sich seinen Kopf, als wolle er sich so vor dem Chaos um ihn herum abschirmen. “Ich habe von der mobilen Klinik gehört und bin hierhergekommen. Ich brauche Medikamente. Aber hier sind so viele Menschen. Ich habe alles verloren, mein Haus ist eingestürzt. Ich habe noch nicht mal eine Plastikplane, um mich vor dem Regen zu schützen. Wir haben kein Wasser. Gestern sind hier zwar Transporter vorbeigekommen, sie haben Wasserflaschen verteilt. Aber da muss man schnell sein.“ Er hält inne, humpelt schnell weiter, ein Bein scheint verletzt zu sein. Er versucht, an der Menge vorbei zu kommen.

Viele unbehandelte Patienten bedrängen den Koordinator der mobilen Krankenstation. Sie wollen sich anmelden, schreien, um an die Reihe zu kommen. Phogeas notiert geduldig ihre Namen. Er berichtet: „Wir behandeln hier die Menschen, weil viele der Krankenhäuser in der Region zerstört oder beschädigt wurden. Schon vor dem Erdbeben war die medizinische Versorgung unzureichend und jetzt in dieser Situation noch viel weniger. Aber wir haben nicht die Kapazitäten, um alle Menschen zu versorgen.“

Die Medikamente gingen aus, vor allen Dingen die Schmerzmittel, so Phogeas. Das Team könne sich an diesem Tag nur um maximal 50 Menschen kümmern. Vor dem Zelt haben sich allerdings um die 200 versammelt, die bereits seit Stunden ausharren, um sich eine medizinische Behandlung zu sichern.

Die wartenden Menschen sind der erbarmungslos brennenden Sonne seit Stunden ausgesetzt. Sie haben sich mit gebrochenen Beinen, Schürfwunden im Gesicht und schweren Kopfverletzungen herbeigeschafft, weil ihr Haus über ihnen eingestürzt ist und sie gerade so ihr nacktes Leben retten konnten. Auch psychische Probleme und Traumatisierungen sind ein schweres Thema. Es kommen Eltern, die nicht verstehen, warum ihr Sohn nach dem Erdbeben kein Wort mehr spricht, berichtet der NGO-Mitarbeiter.

Die mobile Krankenstation fährt mit einem rund 15-köpfigen Team in der ganzen Region herum. Mit dem Wagen klappern sie Ort für Ort ab. Ihr Weg führt über Straßen, die kaum noch befahrbar sind. Das Beben hat tiefe Risse hinterlassen, viele Brücken sind eingestürzt, die Infrastruktur ist stark beschädigt.

Viele Häuser in Marceline sind vollständig eingesackt, nur noch Trümmer sind zu sehen. Nirgendwo ist Wasser aufzutreiben, es gibt kein Essen, der Strom ist ausgefallen. Die Regierung tue nichts, ist immer wieder zu hören. Auch die internationale Hilfe rollte nur sehr verhalten an. Es sind Freunde, Nachbarn und Initiativen wie die mobile Krankenstation, die in diesen Tagen den Erdbebenopfern zur Seite stehen. Vor ein paar Tagen sollen verzweifelte Betroffene einen der wenigen Hilfskonvois überfallen und geplündert haben, berichten Medien.

Auch die Stimmung vor der mobilen Krankenstation könnte kippen und in Gewalt münden, glaubt ein Mann, der auf Medikamente hofft: „Ich habe Angst, dass es hier noch zu einer Schlägerei kommt. Ich will nicht noch mehr verletzt werden. Ich gehe lieber wieder nach Hause.“

Doch sein Zuhause ist nur noch ein Trümmerberg.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Haiti, Erdbeben, Les Cayes, Opfer, medizinische Behandlung, Verletzte, medizinische Versorgung, Medikamente, Schmerzmittel