Unser Service für Sie


 [ » Newsletter ]

[ » zum Kontakt-Formular ]

[ » Material bestellen ]

[ » Geschenke bestellen ]



Videos aus unseren Projekten finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.
[ » Gebende Hände – Youtube-Kanal ]


Wenn Sie Kunde von Amazon sind, können Sie Gebende Hände bei jedem Einkauf unterstützen – jedes Mal mit 0,5% des Kaufpreises. [ » Ja, das will ich.]


Uganda: Goldmeerkatzen – die flauschigen Lieblinge des Regenwaldes

 
Meldung vom 19.01.2022

Sie sind exotisch und spielerisch, ihr Markenzeichen ist ihr extrem aufgebauschtes Fell: Im Urwald Ugandas hangeln sich Goldmeerkatzen mit Getöse durch den Bambuswald. Die quirligen Flauschbälle stehen auf der Liste bedrohter Tierarten. Doch das letzte Jahr hat gezeigt: Es gibt wieder mehr Nachwuchs.

Meterhoch reckt sich der feuchte Bambus in die Höhe. Sein Blätterdach lässt nur wenig Sonnenschein durch. Am Himmel stauen sich noch Wolken, Rückbleibsel des nächtlichen Regens. Zwischen den Stäben ist der Pfad stellenweise dermaßen matschig, dass leicht ein Schuh darin verschluckt werden könnte. Erst recht, wenn man den Blick nicht auf den Pfad richtet, sondern ständig das Blätterdach observiert, weil es dort verheißungsvoll raschelt. Der Wind? Ein Vogel? Oder doch endlich jenes bedrohte Wesen, für das die Gruppe durch den Schlamm des Mgahinga-Nationalparks watet?

Im tiefen Südwesten Ugandas sind einige der letzten verbliebenen Goldmeerkatzen (Cercopithecus kandti) der Welt beheimatet. Die Primaten kommen bloß noch in zwei kleinen, voneinander getrennten Populationen vor: im Gebiet des Virunga-Massivs und im Gishwati-Wald. Das Virunga-Massiv zieht sich durch Ruanda, die Demokratische Republik Kongo und den Mgahinga Gorilla National Park in Uganda.

Was sich nach einem großen Gebiet anhört, schrumpft seit Jahrzehnten immer mehr. Seit den 1950er Jahren wurde der Wald immer kleiner, und mit ihm schwinden die Tiere. In Ruanda zählt man seitdem je nach Region 50 bis 98 Prozent weniger Exemplare von Cercopithecus kandti, in Uganda brach der Bestand allein zwischen 1998 und 2003 um etwa 40 Prozent ein. Nicht ganz 1.000 Affen sind dort noch. Und auch wenn die Gesamtzahl derzeit stabil scheint, hat man aus der Erfahrung gelernt: Es gilt zu handeln, damit die buschigen Primaten nicht aussterben.

Es rauscht, summt, quietscht, tropft, surrt, fiept im Regenwald der Goldmeerkatzen. Die Gruppe wird immer wieder zur Aufmerksamkeit ermahnt: „Achtung, Glätte.“ „Achtung, Riesenregenwurm.“ „Achtung, Loch.“ Ihre Sturmgewehre zum Schutz vor mitunter aggressiven Elefanten und Büffeln geschultert, gehen die in Tarnfarben gekleideten Ranger geradezu leichtfüßig durch den Wald voran. Der Rest der Gruppe klammert sich dankbar an den Bambusrohren fest, um, unter einer Dusche von Tropfen, schlitternd einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es ist feucht, aber nicht schwül in diesem Teil des Waldes. Dunkel, aber farbenfroh. Leise, aber nicht geräuschlos.

Einst war dieser Wald Teil eines riesigen Terrains. Die Affenpopulationen konnten sich damals in einem zusammenhängenden Gebiet austoben, wurden aber schließlich durch den Bau einer Straße zwischen den beiden größten Städten im Nordwesten Ruandas sowie von sich immer weiter ausbreitender Landwirtschaft voneinander separiert. Den Virunga-Park wiederum hatte die kongolesische Regierung zwischenzeitlich verringert, große Flächen mussten einem regelrechten Bauboom weichen und damit die einzige Zone mit Bäumen, deren Früchte die Primaten fressen.

Plötzlich sind sie überall. Goldmeerkatzen oben, unten, rechts, links, in den Wipfeln. Nur wenige ruhen sich aus, die meisten spielen, reinigen ihr Fell oder das ihrer Artgenossen, futtern, springen, schnattern laut. Mütter schleppen Jungtiere auf den Rücken, um sie kurz behutsam auf dem nebenliegenden Ast abzusetzen, sich selbst nach einem begehrten Blatt auszustrecken und es sich in die Backen zu stecken.

Der Wald ist voller Dynamik. Goldmeerkatzen laufen wie kleine Akrobaten durch die Äste, huschen von einem Baumbusstab zum nächsten. Der lange Schwanz ist dazu da, Balance zu halten. Die gesamte Affengruppe zieht über den Köpfen der Besucher weiter. Die gesamte Menschengruppe stolpert, die Köpfe im Nacken, auf dem Boden hinterher.

Heute ist das Gebiet mit Bambus (Yushania alpina) auf 2.000 bis 2.900 Meter, mancherorts sogar 3.300 Meter Höhe, das wichtigste Rückzugsgebiet für Ugandas Goldmeerkatzen. Zwischen den hohen Ästen und im Blätterdach geht es ihnen gut. Wenn die Sonne brennt und es ihnen dort oben zu warm wird, steigen sie einfach tiefer in Richtung Boden. Und der Bambus ist nicht nur ihr Zuhause, sie ernähren sich auch von ihm, da er reich an Proteinen ist.

Touristen zu den Goldmeerkatzen zu führen, gehört jetzt zu einem festen Programm in Uganda. Doch die flauschigen Äffchen an Besucher zu gewöhnen, nimmt mehr als zehn Jahre in Anspruch, sagt der Ranger. Derzeit teilt die Regierung einen Teil der Tourismuseinnahmen mit lokalen Gemeinschaften, zehn Prozent sind für Ruanda bestimmt und je fünf Prozent an Uganda und die Demokratische Republik Kongo. Das Geld wird in den Bau von Schulen, Kliniken und Straßen investiert, aber auch Privathaushalte werden davon gefördert, damit weniger Menschen illegale Wilderei in den Nationalparks betreiben.


Video-Beiträge zu diesem Thema

 Goldmeerkatzen in Gefahr




Quelle: „Spektrum“, www.spektrum.de

Schlagwörter: Uganda, Goldmeerkatzen, Affen, Primaten, Tiere, Arten, Artenvielfalt, Aussterben, bedrohte Tierarten, Regenwald, Bambus, Virunga-Park, Ranger, Touristen, Naturschutz, Artenschutz, Affenpopulationen