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Afghanistan: Eltern verkaufen ihre Kinder

Meldung vom 15.02.2022

Afghanistan befindet sich seit der Machtübernahme der Taliban im freien Fall. Armut, Chaos und Verzweiflung greifen um sich. Doch nicht nur die Wirtschaft ist abgestürzt. Manche Afghanen leiden solche Not, dass sie keinen anderen Ausweg sehen, als eines ihrer Kinder zu verkaufen, um den Rest der Familie durchzubringen.

In einem Lager für von Dürre und Krieg vertriebene Menschen im Westen Afghanistans ringt eine Mutter um ihre Tochter. Der Mann von Asis Gul hat das zehnjährige Mädchen als Braut verschachert, ohne seine Frau in seine Entscheidung miteinzubeziehen. Ohne das Geld hätte die ganze Familie kaum mehr etwas zu essen gehabt, sagte er ihr zur Begründung. Er habe eines der Kinder „opfern“ müssen, um die vier anderen versorgen zu können.

Die Verzweiflungstat des Mannes zeigt an, wie alarmierend die Lage für große Teile der afghanischen Bevölkerung geworden ist, seit die Taliban wieder die Gewalt über das Land gewonnen haben. Und sie ist kein Einzelfall. Für die letzten im Lande verbliebenen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sei es „herzzerreißend zu sehen, dass Familien bereit sind, Kinder zu verkaufen, um andere Familienmitglieder zu ernähren“.

Vor der dramatischen Wende im August 2021 war die afghanische Wirtschaft vergleichsweise stabil. Nach dem überstürzten Truppenabzug der USA und anderer NATO-Staaten offenbarte sich, wie sehr das Land immer noch auf deren Unterstützung angewiesen war. Als die für ihre Brutalität berüchtigten Taliban 20 Jahre nach ihrer Entmachtung erneut die Hauptstadt besetzten, stoppte die internationale Gemeinschaft die Zahlungen und legte afghanisches Vermögen im Ausland auf Eis.

Die Konsequenzen waren für das bereits von Krieg, Dürre und der Coronavirus-Pandemie heimgesuchte Land katastrophal. Staatsangestellte warten seit Monaten vergeblich auf ihr Gehalt. Diejenigen, die ohnehin schon arm waren, haben jetzt nichts mehr zu essen. Nach Angaben von Hilfsorganisationen vor Ort ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung von akutem Nahrungsmangel betroffen.

Die Mutter Gul, die einst im Alter von 15 Jahren selbst verheiratet wurde, will den Verkauf ihrer Tochter aber nicht akzeptieren. Als ihr Mann ihr mitgeteilt habe, dass er die Tochter Kandi veräußert habe, habe ihr „Herz zu schlagen aufgehört“, erzählt sie, während die Zehnjährige neben ihr schüchtern unter einem blauen Kopftuch heraufblickt. „In dem Moment habe ich gewünscht, ich könnte sterben. Aber vielleicht wollte Gott nicht, dass ich sterbe.“

Gul bat ihren Bruder und die Dorfälteren um Hilfe. Unter ihrem Einfluss erreichte sie, dass sich die Familie des vorgesehenen Bräutigams zu einer „Scheidung“ bereiterklärte – unter der Bedingung, dass sie die Summe von umgerechnet etwa 1.000 Dollar (880 Euro) erstatten solle, die ihr Mann bereits erhalten hatte. Bislang hat sie allerding keine Idee, woher sie dieses Geld auftreiben soll.

Ihr Mann hat inzwischen die Flucht ergriffen – vermutlich aus Angst vor den Behörden, da die neue Taliban-Regierung Zwangsehen gerade untersagt hat. Gul meint, sie sei sich nicht sicher, wie lange sie die Familie des etwa 21-jährigen Bräutigams warten lassen könne. „Ich bin so verzweifelt. Ich hatte mir gesagt, dass ich mich umbringen würde, wenn ich das Geld für diese Leute nicht aufbringen und meine Tochter nicht an meiner Seite halten kann“, sagt sie. „Aber dann denke ich an die anderen Kinder. Was wird aus ihnen? Wer wird sie ernähren?“

In der benachbarten Provinz Badghis zieht eine andere geflüchtete Familie in Betracht, ihren achtjährigen Sohn zu verkaufen. „Ich möchte meinen Sohn nicht verkaufen, aber ich muss es“, erklärt die Mutter Guldasta. Nachdem die Familie mehrere Tage lang hungern musste, habe sie ihrem Mann gesagt, er solle den kleinen Salahuddin zum Basar bringen, um für die anderen Kinder Lebensmittel kaufen zu können.

Der Vater Schakir erklärt, er habe bisher gezögert. „Aber jetzt denke ich, dass ich keine andere Wahl habe.“ Während Mädchen in Afghanistan recht häufig zum Verkauf stehen, kommt das bei Jungen seltener vor. Wenn es dazu kommt, handelt es sich bei den Interessenten offenbar meist um Familien ohne eigene Söhne, die einen Säugling kaufen. Guldasta hofft in ihrer Verzweiflung, dass eine solche Familie auch einen Achtjährigen in Betracht ziehen könnte.

Angesichts des wachsenden Hungers werden wohl immer mehr Afghanen zu solchen Verzweiflungstaten fähig sein. Nach Angaben der UN sind etwa 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt.




Quelle: „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, www.rnd.de

Schlagwörter: Afghanistan, Hunger, Taliban, Herrschaft, Kinder, Verkauf, Sklaven, Kindersklaven, Zwangsehe, Mädchen, Wirtschaft, Chaos, Abzug, NATO, Kinder verkaufen