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Ghana: Die Schul-Caterer streiken

Meldung vom 27.06.2022

Seit Wochen weigern sich Caterer in Ghana, Essen in die Schulen zu liefern – Ursache für diesen Lieferstopp sind die gestiegenen Lebensmittelpreise. Millionen Schüler sitzen deshalb mit knurrendem Magen in der Schulbank – oder bleiben gleich zu Hause.

Die Mittagspause an der Grundschule von Aboabo in Kumasi in Ghana hat begonnen. Normalerweise würden sich die Kinder jetzt in die Schlange für das Schulessen einreihen. Jedes erhält eine warme Mahlzeit vom Staat – gratis. Doch seit einigen Wochen warten die Kinder vergeblich auf ihr Essen. Die Caterer sind in den Streik getreten, sie wollen mehr Geld vom Staat.

Die Konsequenzen sind für viele Kinder erheblich, etwa für den achtjährigen Jospeh Annan. Seit dem Frühstück habe er keine Nahrung mehr zu sich genommen, sagt der Junge, er sei hungrig. Mit leerem Bauch kann man sich nicht konzentrieren, sagt der Grundschullehrer Eric Appiah. „Der Streik hat unsere Arbeit erschwert. Denn die meisten Kinder können sich nicht gut konzentrieren, weil sie Hunger haben. Manche kommen nicht einmal mehr zur Schule.“

Mit dem Schulessen sei ein wichtiger Grund weggefallen, überhaupt zur Schule zu gehen, sagt die Mutter der neunjährigen Kande Hassan. Ihre Tochter steht neuerdings auf dem Markt und veräußert Obst statt Lesen und Schreiben zu lernen. „Das Gratis-Mitttagessen war so wichtig für uns, wir können uns das nicht leisten.“ Seit der Streik begann, hätte ihre Tochter immer Hunger in der Schule. „Deshalb haben wir entschieden, dass sie zuhause bleiben soll.“

Doch wird sie Zuhause satt? Der ghanaische Kinderrechtsaktivist Ishak Mohammed Newton geht davon aus, dass jetzt mehr Kinder zur Arbeit gezwungen werden. Mädchen stünden in der Gefahr, sehr jung zu einer Ehe gezwungen zu werden, wenn ihre Familien sie finanziell nicht mehr durchbringen können, weil sie nicht mehr in der Schule essen könnten.

„Das verursacht eine hohe Abwesenheitsquote. Das führt dazu, dass die Mädchen die Schule abbrechen“, sagt Newton. „Auf dem Land bedeutet das, dass sie früh verheiratet werden. Der Staat muss etwas tun.“

Rund vier Millionen Kinder in 10.000 Schulen hatten zuletzt die Chance erhalten, in der Schule ein Mittagessen zu bekommen. Doch bei einer Rekord-Inflation von 24 Prozent für Lebensmittel ist der Boden unter den Speiselieferanten weggebrochen. Sie beklagten sich zudem, dass die Regierung ihnen noch umgerechnet fast 30 Millionen Euro aus der Zeit vor dem Krieg in der Ukraine schulde.

Die Folgen des Krieges hätten die Caterer vollends in die Verzweiflung gestürzt, sagt die Generalsekretärin des Verbandes der Schul-Caterer, Helena Appiah. Sie verlangt eine sofortige Anpassung der Mittel. Für jede einzelne Schulmahlzeit solle die Regierung umgerechnet rund 40 Euro Cent fließen lassen.

Jeder Transport kostet jetzt mehr, das Gas ist teuer, alles ist teuer. Wir können nicht für 11 Cent eine Mahlzeit kochen“, meint sie. Die Regierung müsse das berücksichtigen. Doch die habe behauptet, sie könne nichts tun. „Dann haben wir entschieden: keine bessere Bezahlung, kein Kochen.“

Doch noch hat Ghanas Regierung keinen Ausweg gefunden, weder für die offensichtliche finanzielle Schieflage des Landes noch für ein Ende des Streiks. Der Sprecher des behördlichen Sekretariats für Schulspeisung, Silba Alfa, ermahnt die Bevölkerung zur Geduld. „Wir unternehmen alles Denkbare, um die Mittel aus der Hauptbuchhaltung zu bekommen, damit wir sie weiterleiten können“, erklärt er.

Das Sekretariat bemühe sich fieberhaft um eine Lösung. Die Schul-Caterer sollten sich bis dahin bitte schon mal wieder an ihren Arbeitsplatz begeben und auf die zuständige Behörde vertrauen, bat Alfa. Doch dieser Appell verhallt bislang im Wind. Bis jetzt sieht es erstmal so aus, dass Ghanas Schulkinder auch weiterhin mit leerem Magen den Schultag aushalten müssen..




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Ghana, Kinder, Schule, Schulspeisung, Krieg, Ukraine, Lebensmittelpreise, Streik, Caterer, Schulcaterer, Lieferservice, Essen, Nahrung, Hunger, Schulkinder, Zwangsarbeit, Kinderrecht, Bildung, Zwangsehe, Mädchen, Gender