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Der Mexikaner Carlos Slim ist reicher als Bill Gates

Meldung vom 07.07.2007

Carlos Slim? Seit wenigen Tagen steht er auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz eins. Doch außerhalb seiner Heimat Mexiko ist er so gut wie unbekannt.

Der 67jährige übergewichtige Carlos Slim Helú trägt wahlweise Schnauzer oder Vollbart, hat eine Vorliebe für preisgünstige Anzüge und verwies Microsoft-Gründer Bill Gates hinter sich auf Rang zwei. Sein Vermögen bezifferte das mexikanische Finanzmagazin „Sentido Común“ auf die unglaubliche Summe von 68 Milliarden Dollar, jenes von Gates auf 59,2 Milliarden. Noch im April hatte Gates der Wirtschaftszeitschrift „Forbes“ zufolge knapp vor dem Mexikaner gelegen. Doch seitdem haben die Aktien von Slims Unternehmen gewaltig zugelegt.

Dass ihm irgend jemand diese Position in nächster Zeit streitig machen wird, ist eher unwahrscheinlich. Slim hat nach eigener Aussage bereits mit 17 Jahren seine erste Peso-Million an der Börse verdient. Dafür, so sagt er, gebühre seinem Vater Julián Haddad der Dank. Der vor dem Ersten Weltkrieg aus dem Libanon eingewanderte katholische Händler habe ihn und seine fünf Geschwister zum langfristigen Investieren erzogen. Slim hielt sich daran und baute ein beispielloses Firmenimperium auf.

Seine Unternehmen tragen heute sieben Prozent zur Wirtschaftsleistung Mexikos bei, immerhin die zwölftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Und wohl kaum einer der 105 Millionen Mexikaner käme, selbst wenn er es wollte, darum herum, ihn jeden Tag um ein paar Pesos reicher zu machen. Denn seine Investmentgruppe Carso besitzt Bäckereien, Buchläden, Cafés, CD-Shops, Fahrradfabriken, Anteile an Fernsehsendern und Billigfliegern, Halbleiterwerke, unzählige Immobilien, Internet-Provider, Minengesellschaften, Papiermühlen, Restaurants, Versicherungen und Zigarettenfabriken. Außerdem gehören ihm die mexikanische Telekom „Telmex“ sowie „América Móvil“, der größte Mobilfunkkonzern Lateinamerikas. Beide Gesellschaften wirken wie Gelddruckmaschinen. Während „América Móvil“ von 125 Millionen Lateinamerikanern genutzt wird, kontrolliert  der Monopolist „Telmex“ neun von zehn der mexikanischen Telefonleitungen.

Mit der Übernahme von „Telmex“, das 1990 privatisiert wurde, gelang Slim der wichtigste aber auch undurchsichtigste Coup. Er zahlte damals 1,8 Milliarden Dollar an den Staat, heute ist das Unternehmen das Zwanzigfache wert. Es gilt als sicher, dass Slim den Zuschlag bekam, weil er über exzellente Kontakte zum korrupten Präsidenten Carlos Salinas verfügte. Bis heute hat sich die mexikanische Regierung jedoch gescheut, das Telmex-Monopol aufzubrechen, obwohl die Mexikaner die höchsten Telefontarife der Welt zahlen. In einem Land, in dem der Mindestlohn 50 Cent beträgt und die Hälfte der Bevölkerung als arm gilt, halten dies viele von Slims Kritikern für unethisch.

Darauf hat Slim, der in seinen Firmen 250.000 Menschen beschäftigt, eine Antwort: Die Telmex-Stiftung. Sie ist die größte Wohltätigkeitsorganisation Mexikos, in die Slim einen Teil seines Vermögens einfließen läßt: Er hat fast 100.000 Fahrräder, 70.000 Brillen und 5,8 Millionen Kilo Lebensmittel verschenkt. Er hat 155.000 Universitäts-Stipendien vergeben, 200.000 Operationen bezahlt und 32.000 Computer an Schulen verteilen lassen, deren Internet-Zugang selbstverständlich über seinen Provider läuft. Sein ungewöhnlichstes Projekt aber ist die Übernahme von Kautionszahlungen für Menschen, die wegen geringfügiger Delikte ins Gefängnis sollen.

Was seinen persönlichen Lebensstil betrifft, gilt Slim – bis auf eine Vorliebe für teure Zigarren – als bescheiden. Sein Arbeitszimmer ist ein Keller ohne Fenster, er hat nur ein Auto und sagt, dass er keine Computer bedienen könne. Ihm genüge sein Kopf. 1999 starb Slims Frau Soumaya, im gleichen Jahr musste er sich einer schweren Herzoperation unterziehen. Unter anderem deshalb hat Slim die Leitung verschiedener Unternehmen seinen drei erwachsenen Söhnen übertragen. Doch seine Devise gilt auch für sie: „Reichtum ist kein Privileg, sondern eine Verantwortung: die, noch mehr Reichtum zu schaffen.“ Bisher ist es ihm gelungen.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Tagesspiegel“, tagesspiegel.de