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Uganda: Der Krieg des Joseph Kony und seine Opfer (Projektbericht)

Bericht vom 28.10.2010


Der kleine Okello hat es nun besser als sein Vater.

Angula Patrick, der Vater des sechsjährigen Okello, wurde im Alter von fünfzehn Jahren von den Milizen des Rebellenführers Joseph Kony entführt und als Kindersoldat gezwungen, sich an deren schrecklichen Gräueltaten im ugandischen Busch zu beteiligen.

Okellos Großvater nahmen sie auch gleich mit – die beiden hatten gerade den Garten umgegraben, als die Milizen kamen. Kurz darauf töteten sie den Großvater jedoch, denn er war schon betagt und konnte sie bei ihren Massakern nicht unterstützen. Sein Sohn Angula war jung und kräftig genug und wurde deshalb am Leben gelassen, allerdings folterte man ihn bis zur Bewusstlosigkeit und drohte ihm für Fluchtversuche den Tod an. Er musste alle „Pflichten“ eines Kony-Soldaten erfüllen: Menschen umbringen, Eigentum verwüsten und schlimmere Gräueltaten. Auf Befehlsverweigerung stand ebenfalls der Tod.

Bei einem der schrecklichen Überfälle kam Angula Patrick wieder zur Besinnung, als er sah, wie seine Stammesgenossen abgeschlachtet und schwangere Frauen aufs Grausamste verstümmelt und getötet wurden. Sie wurden gerade von Regierungssoldaten verfolgt, und im darauf folgenden Feuergefecht legte Angula seine Waffe auf den Boden und ergab sich. Seine Mitkämpfer stürzten sich auf ihn und wollten ihn töten, aber er konnte sich vor ihnen retten. Man brachte ihn auf einem Militärstützpunkt der Regierung unter, bis er schließlich rehabilitiert und in sein Heimatdorf entlassen wurde.

Angula heiratete und wurde Vater von zwei Kindern. Noch einmal überfielen die Rebellen sein Dorf, diesmal konnte er jedoch mit knapper Not entkommen. Nun aber machte das Gerücht die Runde, er habe sich mit Konys Milizen zusammengetan und sei nur wieder zurückgekehrt, um weitere Überfälle zu organisieren. Sämtliche Dorfbewohner wandten sich gegen ihn und wollten ihn lynchen. Seine Frau und seine Tochter Gloria flüchteten, und ließen ihn mit dem kleinen Sohn Okello zurück. Schließlich flohen die beiden auch und irrten tagelang durch den Busch, bis sie eine Straße erreichten und von einem Lastwagenfahrer nach Kampala mitgenommen wurden.

Hier übermannten Angula heftige Schuldgefühle, Teil der Rebellen-Überfälle gewesen zu sein, bei denen unschuldige Kinder, Frauen und Männer umgebracht worden waren – er konnte sich nicht vorstellen, dass ihn seine Mitmenschen jemals wieder als verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft achten würden. Er schlug sich von Tag zu Tag durch und versuchte, Gelegenheitsarbeiten zu bekommen, aber alle misstrauten ihm.

Er und sein Sohn hatten nicht genug zu essen, und bald schon war Okello ernsthaft unterernährt und krank. Da sie sich angewöhnt hatten, die Gegend zu durchwandern, kamen sie eines Tages auch nach Zana und trafen auf Pastor Emma Kiwanuka, den Leiter unseres Kinderzentrums. Ihn bat Angula ebenfalls um Arbeit oder Lebensmittel. Kiwanuka fragte ihn, wer er sei und woher er komme. Der kleine Okello erzählte ihm die ganze lange Geschichte, und Kiwanuka nahm ihn im Kinderzentrum auf. Hier besucht er nun den Kindergarten. Er liebt Süßkartoffeln, malt gern und spielt viel mit seinen neuen Freunden.

Angula Patrick schloß sich der Gemeinde von Pastor Kiwanuka in Zana an und besucht dort regelmäßig die Gottesdienste. Bei Nachforschungen nach dem Verbleib seiner Frau und seiner Tochter bekam er von Verwandten die traurige Nachricht, dass seine Tochter verhungert sei, nachdem ihre Mutter sie einfach bei einer älteren Dame zurückgelassen hatte, die sie gar nicht versorgen konnte. Seine Frau hat wieder geheiratet.

Nach den vielen schrecklichen Erlebnissen ist Angula froh, wenigstens seinen Sohn gut versorgt und glücklich zu wissen.