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Sudan: Das Flüchtlingselend nimmt kein Ende (Einsatzbericht)

Bericht vom 17.10.2006


Dankbar nimmt diese Frau ihren Mais und Kochutensilien entgegen


Dieses Gebilde aus Stöcken und Zweigen hat kaum die Bezeichnung 'Hütte' verdient.

Unser Teamleiter Dr. Monte Wilson berichtet von unserem letzten Einsatz im Oktober:

Wir sind auf dem Weg nach Darfur im Sudan, wo die „weiß-arabische“ moslemische Regierung systematisch die „Schwarz-Araber“ ausrottet. Wenn sie nicht Truppen senden, die bombardieren, schießen, vergewaltigen und morden, unterstützen sie die lokale Miliz, „Janjaweed“ genannt (übersetzt „berittene Teufel“), um diese schmutzige Arbeit zu tun.

Mehr als 400.000 Menschen sind hier ermordet worden. Zwei Millionen Menschen sind aus ihren Dörfern geflohen und hausen in kleinen Camps, wie wir sie hier im Süden Darfurs vorfinden. Andere sind über die Grenze in den Tschad entkommen.

Um es klipp und klar zu sagen: Dies ist nichts anderes als eine ethnische Säuberung.

In der Stille der Nacht schickt die Regierung ihre Truppen aus, um ein Dorf anzugreifen. Die Menschen hören das Getöse von Waffen, explodierende Bomben, das Dröhnen der Lastwagen voller Soldaten und die Angstschreie ihrer Nachbarn. Sie fliehen mit nichts als den Kleidern, die sie auf dem Leib tragen.

Man kann sich die Szene vorstellen: Eltern, die verzweifelt ihre Kinder suchen, Kinder, die alleine in der Nacht herumirren, Familien, die in verschiedene Richtungen zerstreut werden und sich später fragen, ob ihre Lieben überlebten. Männer und Frauen werden mit brennenden Zweigen gefoltert, Kinder erschossen und ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht.

Wir wollen die Überlebenden aufspüren, die vertriebenen Einheimischen. In Nairobi, Kenia, angekommen, stellen wir fest, daß Tausende von Flüchtlingen sich in einer bestimmten Gegend im Süden Darfurs niedergelassen haben. Dort wollen wir hin.

Die Menschen hören das Geräusch unseres Flugzeugs lange bevor es in Sicht kommt. In der Hoffnung, daß jemand ihnen Hilfe bringt, rennen sie zur schmutzigen kleinen Landebahn. Seit Monaten haben sie keinerlei Hilfe erhalten.

All die Horror-Geschichten in Zeitungen, Zeitschriften und dem Internet zu lesen oder all die Verwüstungen in den Nachrichten zu sehen, hat mich nicht auf das vorbereitet, was uns unvermittelt begegnete, als wir im südlichen Darfur landeten. Wie könnte es auch? Man beginnt erst zu verstehen, welch tiefe Verletzungen den Menschen von der eigenen Regierung zugefügt wurden, wenn man ihnen gegenübersteht und mit allen Sinnen wahrnimmt, was mit ihnen geschehen ist.

Sobald die Hilfsgüter ausgeladen sind, setzen wir uns mit den verschiedenen Dorfhäuptlingen nieder, um ihre Berichte zu hören:

„Meine Frau wurde von den Regierungstruppen vergewaltigt und ermordet.“ „Meine Frau und ich wurden von unseren Kindern getrennt. Wir wissen seit Jahren nicht, ob sie noch am Leben sind.“

Während wir uns unterhalten, versucht ein Junge, unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sein Name ist James, er ist zwölf Jahre alt. Die Männer berichten uns, daß er sich verstecken konnte und dabei miterlebte, wie sieben Soldaten eine Frau vergewaltigten bis sie starb. Man kann die Wunden von James zwar nicht sehen, aber sie sind da.

Zur Zeit halten sich hier rund 2.500 Menschen auf. Früher war ihre Zahl ein Mehrfaches davon, aber viele sind weitergezogen auf der Suche nach Nahrung und nie zurückgekehrt. Auf die Frage, warum sie sich nicht näher am Nil niederlassen, wo man Getreide anpflanzen und Fische fangen kann, erklären die Männer, daß die Malaria-Gefahr dort zu groß sei. Manche marschieren zwei Tage lang zum Fluß, um genügend Fische für ihre Familie zu fangen, und machen sich dann auf den beschwerlichen Rückweg.

Als wir nach den Hilfsbedürftigsten unter ihnen fragen, bringt man uns zu drei Frauen, deren Männer und Kinder vermißt werden. Sie haben niemanden, der für sie sorgt.

Da ist Miriam mit ihrer siebenjährigen Tochter Fadnah. Miriams Mann und vier andere Kinder werden vermißt. Sie wurden auf der Flucht vor den Regierungstruppen getrennt. Hajif verlor ebenfalls ihren Mann und ihre Kinder auf der Flucht vor plündernden Soldaten. Der Ehemann von Amien und ihre fünf Kinder konnten mit ihr fliehen, kehrten jedoch auf der Suche nach Nahrung in ihr Dorf zurück. Das war vor fünf Jahren. Seither hat sie nichts mehr von ihnen gehört.

Wir geben den Frauen Salz, Kanister zum Transportieren von Wasser, Plastikplanen, die sie zum Schutz vor Regenfällen über ihre „Hütten“ ziehen, und Mais. Später übernehmen die Dorfältesten die Verteilung der übrigen Hilfsgüter. Jede Familie bekommt das gleiche.

Nicht lange nach der Landung schicken wir das Flugzeug zurück, um mehr Versorgungsgüter zu holen. Wir verbringen unsere Zeit damit, die Menschen ein bißchen besser kennenzulernen. Wir wollen sehen, wo und wie sie leben und was wir zu ihrer Hilfe sonst noch tun können. Wir wollen auch herausfinden, wo noch andere Dörfer und Camps existieren, die keinerlei Hilfe erhalten haben.

Die Lebensbedingungen sind entsetzlich. Die sogenannten Hütten bestehen aus nicht mehr als ein paar Stöcken, die mit Stroh bedeckt sind. Viele leiden an Malaria. Ein Mann nahm meine Hand und legte sie auf seine Brust, wo ich einen Tumor fühlen konnte, härter als mein Ellbogen und größer als meine Hand. Die beständige Unterernährung läßt die Malaria tödlich enden. Einer der Häuptlinge erzählt uns, daß bei einer Geburt oft die Mutter oder das Kind stirbt, manchmal auch beide.

Die Menschen sind sehr gastfreundlich und lachen gern. Plötzlich marschieren die Kinder alle um den Platz herum und singen ein paar fröhliche Lieder, die den Dank an Gott ausdrücken, daß er uns geschickt hat.
Während wir von Hütte zu Hütte gehen, sehen wir, wie die Menschen die Hilfsgüter schon in Gebrauch nehmen. Sie sind äußerst dankbar und laden uns lächelnd in ihre Hütten ein.

Ich sehe Fadnah und zeige ihr das Foto, das ich mit meiner Digitalkamera gemacht habe. Sie ist so aufgeregt, daß ich gleich noch ein Foto von ein paar Frauen mache, um ihnen zu zeigen, wie sie aussehen. Sie lachen, necken sich, stellen sich in Pose, wollen mehr Bilder mit ihren Männern zusammen … Mitten in solch einer verzweifelten Situation können diese Menschen noch an Kleinigkeiten Freude finden und kümmern sich um andere. Sie hoffen immer noch auf eine bessere Zukunft.

Dank Ihrer Spenden können wir dazu beitragen, diese Hoffnung aufrecht zu erhalten. Die Menschen erleben, daß sie nicht vergessen wurden, daß es Leute gibt, die ihnen helfen wollen, daß dieses Morden aufhört und ihre Rechte in Zukunft genauso geachtet werden wie die ihrer „weißen“ Landsleute.

Mit Ihrer fortdauernden Hilfe wollen wir weiterhin nach Darfur reisen, um die zu finden und denen zu helfen, die von keinerlei Hilfe erreicht wurden.