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Äthiopien: Fotografieren verboten! Schwierige Reise mit Happy End (Einsatzbericht)

Bericht vom 09.03.2016


Unglaublich, dass Menschen unter solchen Bedingungen leben und überleben.


Überall sieht man Kadaver von verdursteten Tieren.


Es ist ein Privilleg, solchen kostbaren Kindern zu helfen!

Aufgrund der einsetzenden Hungerkrise in Äthiopien, die ebenso dramatische Ausmaße anzunehmen droht wie vor 50 Jahren, machte unser Projektleiter Derek im Februar eine Erkundungsreise. Sie führte ihn unter anderem in die Dürreregion um die Stadt Dire Dawa im Nordosten des Landes, laut Berichten eines der am stärksten betroffenen Gebiete. Was er auf dieser Reise erlebte, ist schier unglaublich. Hier ist sein Bericht von einer schwierigen Fahrt ins Ungewisse mit unerwartetem Ausgang.

Wie gewöhnlich hatte ich eine für mich „ganz normale“ Erkundungsreise zur Lieferung von Hilfsgütern in die Dürreregionen Äthiopiens und Somalias geplant und organisiert. Aber als ich diese Reise antrat, hätten die Umstände gleich zu Beginn kaum widriger sein können:

Ich habe mich noch nicht völlig von einer Grippe erholt und fühle mich überhaupt nicht wohl. Mein Smartphone versagt mir den Dienst, und zu allem Überfluss machen unsere äthiopischen Kontaktpersonen vor Ort in letzter Sekunde einen Rückzieher, mit den verschiedensten Begründungen: Die Regierung habe die Gesetze geändert, und sie könnten den Job unmöglich ausführen. Wir dürften die Zielregion nicht anfahren, es sei dort nicht sicher. Der örtliche Verwaltungschef würde mich als Ausländer sofort festnehmen, wenn ich das Gebiet beträte, usw. Nichts, aber rein gar nichts, scheint zu funktionieren, alle Türen scheinen plötzlich fest verschlossen.

Deshalb mache ich mich für ein paar Tage auf nach Somaliland, um dort mehr Informationen zu bekommen. Dieser ungeplante Abstecher meiner Reise verläuft erstaunlich reibungslos. So kann ich nicht nur die erforderliche Lage-Einschätzung durchführen, sondern auch Organisatorisches für die kommenden Monate klären und sogar eine kleine Lebensmittelverteilung für Menschen durchführen, die vor der äthiopischen Dürre hierher geflohen sind. Eine recht erfolgreiche Mission also.

Wieder zurück in Addis Abeba, buche ich einen Flug nach Dire Dawa, der zweitgrößten Stadt im Nordosten Äthiopiens. In dieser Region hat das Ausbleiben des Regens die schlimmsten Auswirkungen gehabt. Ich kenne dort keine Menschenseele, habe noch keinen einzigen Kontakt – und fühle mich doch auf seltsame Weise gedrängt, dieses Gebiet zu erkunden: ohne Hotelbuchung, ohne Fahrer, ganz ohne jegliche Planung. Tatsächlich gelingt es mir, dort einen Fahrer ausfindig zu machen, der eine Woche zuvor ein Team des britischen Nachrichtensenders BBC herumgefahren hat. Er weiß ganz genau, wohin er mich bringen muss!

Mit Abdo, so heißt mein Fahrer, bespreche ich dann mein Vorhaben. Er meint, da müsse er wohl erst mit der Bezirksregierung sprechen (ohne Kontrolle geht es nicht). Der erste Beamte sagt sofort nein, unmöglich. Weiter zum nächsten Regierungsvertreter. Wir setzen uns mit ihm zusammen, ich schütte ihm mein Herz aus. Ich erzähle ihm, dass unser einziges Anliegen sei, der hungernden Bevölkerung zu helfen, nichts weiter. Wir wollen wirklich nur helfen! Der Beamte hört sich meine inständige Bitte an – und hat ein Einsehen! Er wedelt mit der Hand und sagt: „Okay, ihr dürft fahren“, will uns sogar zur Sicherheit Soldaten mitgeben. Aber Kameras und Fotografieren seien strengstens verboten!

Was nun folgt, ist wirklich unglaublich: Wir haben zwar die Erlaubnis, das Dürre-Gebiet zu befahren, aber wir müssen auch noch die Lebensmittel und die LKW organisieren – keine kleine Aufgabe, das kann einige Tage dauern! Wir versuchen immer, Getreide und Öl zum bestmöglichen Preis direkt von einem einzigen Großhändler in der Nähe des Zielgebietes zu kaufen. Das ist wichtig, um Preistreiberei durch Zwischenhändler zu vermeiden und die Kosten im Rahmen zu halten. Außerdem sparen wir Zeit und unterstützen die hiesige Wirtschaft. Und dann geschieht das Wunder … innerhalb weniger Stunden haben wir alles Notwendige zusammen! Völlig unerklärlich – so etwas ist uns noch niemals zuvor passiert! Begleitet von Soldaten und unserem neuen Sicherheits-Koordinator machen wir uns mit Abdos allradgetriebenem Land Cruiser auf den Weg. Hoffentlich hält der Wagen durch, sonst steht uns eine Nacht im Freien bevor und anschließend ein ziemlich langer Fußmarsch. Übrigens: Seit der Sicherheitsbeamte weiß, was wir vorhaben, nämlich notleidenden Inlandsflüchtlingen Überlebenshilfe zu bringen, hat er uns erlaubt, Fotos zu machen!

Die Situation in der Region ist katastrophal. Die Menschen warten verzweifelt auf Regen, ihre winzigen Unterstände bieten kaum Schutz vor Wind, Staub und Hitze. Überall liegen die Kadaver verendeter Tiere herum. Welches Vorrecht ist es doch, hier helfen zu können und zu dürfen! Persönlich händigen wir den Dürre-Opfern unsere „Schätze“ aus. Die Menschen nehmen sie gern an und belohnen uns mit vielfachem Lächeln. Sicherheit müssen wir in dem entlegenen Gebiet dennoch groß schreiben. Wenn die Verteilung beendet ist und manche leer ausgehen, kann die Lage schnell außer Kontrolle geraten. Unser Einsatz war anstrengend und ermüdend, aber zutiefst erfüllend, vom fröhlichen Lachen und Rufen der Menschen begleitet.

Wieder haben wir ein neues Gebiet ausfindig gemacht, in dem die Menschen sehr leiden und dringend Hilfe brauchen. Bis Anfang April 2016 wollen wir zurückkehren, um diese Hilfe fortzusetzen und außerdem in einer benachbarten zweiten Region Lebensmittel verteilen. Die Notleidenden in den entlegenen Gebieten der Welt sollen durch unsere Unterstützung Hoffnung bekommen. Unser Plan ist, in den kommenden vier Monaten die Überlebenshilfe und das Speisungsprogramm nicht nur hier in Äthiopien, sondern auch in Somalia und im Südsudan weiterzuführen.

Für uns im reichen Westen ist es keine große Sache, ein paar Euro für irgendein Hilfsprojekt in einem weit entfernten Land zu spenden. Für die Menschen hier bedeutet diese Hilfe aber unendlich viel mehr: Sie gibt ihnen Hoffnung, ermutigt und freut sie, weil sie merken, dass man sie nicht völlig vergessen hat und es Menschen gibt, die sich tatsächlich um sie kümmern!

Deshalb senden wir ein herzliches „Dankeschön“ an alle Spender von Gebende Hände!



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