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Südsudan: Plötzlich eine offene Tür! (Einsatzbericht Teil I)

Bericht vom 25.06.2018


Säckeweise Hilfe!


Schlafmatten aus heimischer Produktion.


Die Säcke werden verladen.


Engagierte Helfer erleichtern den hochgefährlichen Einsatz.

Seit nunmehr fast zwei Monaten hält sich unser Einsatzleiter Derek H. mit seinem Team fast ununterbrochen im Grenzgebiet von Uganda auf, um Flüchtlingen aus dem Südsudan Hilfsgüter zu bringen. Ein Einsatz führte ihn auch ins Land selbst, direkt in die Kriegsregion, aus der die Menschen scharenweise vor den unsagbaren Gräueltaten der gegnerischen Parteien nach Uganda zu fliehen versuchen. Diejenigen, die soweit nicht gekommen sind und in den Sümpfen der eigenen Heimat Schutz gesucht haben, versorgte er dort unter Lebensgefahr mit den allernotwendigsten Dingen, weil die meisten nur ihr nacktes Leben retten konnten. Im ersten Teil seines Berichts ließ er uns an seinen Gedanken und Eindrücken vom Beginn dieser besonders schwierigen Reise teilhaben:

Es ist Donnerstag, der 10. Mai. James, seit über 20 Jahren mein Kontaktmann im Südsudan, informiert mich, dass wir für den 15. des Monats völlig überraschend eine Möglichkeit bekommen haben, Hilfsgüter nach Unity State zu bringen. Die Genehmigung ist erteilt, und auch ein Flug wurde freigegeben. Ich solle am Montag in Juba sein – nur noch fünf Tage – das ist wirklich nicht mehr viel Zeit! Ich antworte James: „Wenn Du es schaffst, mir in den nächsten 24 Stunden die Reiseerlaubnis und alle Papiere zu beschaffen, dann komme ich!“ Insgeheim halte ich dieses Vorhaben natürlich für völlig aussichtslos und wende mich gedanklich bald wieder meinen Aufgaben zu.

Der Flughafen in Juba wird von Soldaten vom Stamm der Dinka kontrolliert, die auch die Regierung stellen. Das von James genannte Einsatzgebiet wird vom Stamm der Nuer bewohnt. Dort gab es in den vergangenen Wochen zahlreiche Kampfhandlungen und Vertreibungen. Die Dinka betrachten die oppositionellen Nuer als ihre Feinde. Aus unerfindlichen Gründen – vielleicht auf Druck der Vereinten Nationen oder internationalen Druck – hat die Regierung dennoch ein schmales Zeitfenster für den Zugang in das umkämpfte Gebiet geöffnet.

Freitagnachmittag, 16 Uhr, erreicht mich eine Nachricht von James: „Deine Reiseerlaubnis ist da!“ Ich bin perplex, kann es kaum glauben – für gewöhnlich dauert das Wochen. Das ist wohl ein Wink des Himmels. Also bestelle ich für Montag die Flugkarten für den Flug nach Juba über Addis Abeba. In mir breitet sich Nervosität aus. Ich bereite mein Reisegepäck vor und fange an, mich gedanklich auf den Einsatz einzustimmen – wieder einmal raus aus meinem sicheren und bequemen westlichen Leben hinein in ein Kriegsgebiet, wo Menschen leiden und sterben.

Montagnachmittag: Anflug auf Juba, es ist grün unter mir, die Regenzeit hat begonnen. Der majestätische Nil wie immer ein überwältigender Anblick. Wieder berührt mich tief, welch ein großartiges Land der Südsudan eigentlich ist mit seinen großen Flüssen, den Sümpfen, Wäldern und Bergen, einer reichen Fauna und vor allem seinen wunderbaren Menschen. Aber dieses Land ist getränkt mit dem Blut so vieler Unschuldiger, über 50.000 Opfer in wenigen Jahren – eine Tragödie…warum nur?

Die Flugzeugtür öffnet sich, Hitze und Feuchtigkeit schlagen mir entgegen. Am Rand der Landebahn gehe ich zu einem großen Zelt, der recht chaotischen „Ankunftshalle“. Dort erwartet mich James. Ich bekomme eine brüderliche Umarmung, aber er ist sehr nervös, und das überträgt sich auf mich. James ist ein Nuer, das Flughafenpersonal aber durchweg vom Stamm der Dinka. Die Atmosphäre ist angespannt, manche Blicke hasserfüllt, das fühlt sich nicht gut an. James ist sehr still, während wir die Sicherheitskontrollen passieren, er vermeidet jeden Blickkontakt und händigt mit gesenktem Kopf meine Papiere aus. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Beamte sie kontrolliert hat. Auch mein Gepäck wird geöffnet und gründlich durchsucht, aber eine Viertelstunde später können wir doch die Ankunftshalle verlassen. Es ist merklich ruhiger geworden in Juba, wenig Flugzeuge, kaum noch Hilfsorganisationen. In den letzten fünf Jahren wurden hier über 100 Entwicklungshelfer getötet und noch mehr entführt. Sie sind nicht gern gesehen, und darum verbringen wir die schwüle Nacht hinter schweren Stahltüren und hohen Mauern mit Stacheldraht.

Am nächsten Morgen soll uns ein Charterflug ins Einsatzgebiet bringen. Am Flughafen werden Flugzeuge mit Waffen und Munition beladen für weitere Kampfeinsätze. Die Maschinen der UN und für zivile Einsätze sind weiter weg geparkt. Sicherheitsleute in Zivil umringen unsere Maschine, schweigsam kontrollieren sie unsere gesamte Fracht. Sie wissen genau, wohin wir wollen. Der Abflug verzögert sich, während sie in ihre Funkgeräte sprechen – wieder große Anspannung. Wir wissen nicht, was sie diskutieren. Nach zwei endlosen bangen Stunden geben sie uns Starterlaubnis. Als wir endlich in der Luft sind, verspüren wir große Erleichterung, sind dankbar für diese offene Tür. Aber unsere Reise hat gerade erst begonnen…



Schlagwörter: Südsudan, Flüchtlinge, Bürgerkrieg, Rebellen, Massaker, Juba, Nuer, Dinka, Waffenstillstand, Riek Machar, Salva Kiir, Gewalt, Hilfsgüter, Hilfsgüterlieferung, Hunger
Route Cork -> Killarny | Irland