Unser Service für Sie


 [ » Newsletter ]

[ » zum Kontakt-Formular ]

[ » Material bestellen ]

[ » Geschenke bestellen ]



Videos aus unseren Projekten finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.
[ » Gebende Hände – Youtube-Kanal ]


Wenn Sie Kunde von Amazon sind, können Sie Gebende Hände bei jedem Einkauf unterstützen – jedes Mal mit 0,5% des Kaufpreises. [ » Ja, das will ich.]


Syrien: Das Mädchen mit dem T-Shirt (Reisebericht)

Bericht vom 03.07.2019


... weil Du stark genug bist, zu leben!

Anfang Mai führte unser Einsatzleiter Derek H. wieder einen Hilfstransport für syrische Flüchtlinge an die Grenze Jordaniens durch. Ausnahmsweise begleitete ihn seine Frau, die sehr anrührende Begegnungen mit den Geflüchteten hatte. Ihre Eindrücke und Gedanken hielt sie anschließend im folgenden Bericht fest:

„Dir wurde dieses Leben geschenkt, weil Du stark genug bist, es zu leben.“ – Auf dem T-Shirt eines kleinen Flüchtlings-Mädchens prangt dieser Ausspruch, und die Ironie der Worte trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht! Ist die Kleine wirklich stark genug? Stark genug wofür? Warum wurde gerade ihr „dieses Leben“ geschenkt? Was ist das für ein „Leben“, das ihr „geschenkt“ wurde?

Zurzeit gibt es Millionen Flüchtlingskinder weltweit, die UN bezifferte die Gesamtzahl der Geflüchteten 2018 auf sage und schreibe 68,5 Mio., 52 Prozent davon Kinder! Das sind 35.620.000 Millionen an der Zahl – heimatlose, staatenlose, vertriebene Kinder!

Dem kleinen Mädchen ist nicht bewusst, welchen Aufdruck sein T-Shirt trägt und welche Botschaft er beinhaltet. Für uns ist dieser Spruch wie ein offenes Fenster, das uns auffordert, genauer hinzusehen und etwas zu ändern an dem Leben, das die Kleine leben muss. Sie hat sich dieses Leben nicht selbst ausgesucht, es wurde ihr aufgezwungen. Solche Einblicke in das Leben von Kindern, denen wir helfen, bekommen wir unter anderem hier an der Grenze zu Syrien, aber auch in Äthiopien, Sambia, Somalia und im Südsudan. Das syrische Mädchen heißt vielleicht Fatima, in Äthiopien oder Somalia mögen es Tsehay oder Taaliah sein. Ihre Namen sind sehr wichtig für sie, denn sie bedeuten das einzige Stückchen eigener Identität für die Kinder, das Einzige, was sie mitnehmen können, das Einzige, was ihnen nicht entrissen werden kann, das Einzige, was sie besitzen. Tsehay bedeutet Sonne, Taaliah bedeutet Glück oder Vorsehung. Man kann nur inständig hoffen, dass sich das für die Zukunft der Kinder auch bewahrheitet.

Die Situation der geflüchteten Kinder ist in den genannten Ländern durchweg ähnlich: Sie sind vor Kugelhagel, Bomben, Stammesrivalitäten und Dürre geflohen. In Jordanien leben einige Menschen, die vor vielen Jahren aus Syrien hierher kamen. Aber es wird nie ihr Zuhause, ihre Heimat werden. Es gibt enorm große offizielle Flüchtlingslager in Jordanien, aber selbst daraus sind bereits wieder viele geflohen. Diese Lager haben eine hohe Kriminalitätsrate und sind der ideale Nährboden zur Rekrutierung von Extremisten. Die Kinder, die in diesen Camps aufwachsen, lernen durch ihre Lebensumstände, dass viele Dinge für sie unerreichbar sind. Unsere Arbeit führt uns zu jenen, die die trostlosen Camps verlassen haben, zu jenen, die sich aus Pappe, Plastik und allem erdenkbaren Abfallmaterial ihre eigenen wackeligen Unterstände zusammengeschustert haben. Manchmal werden wir eingeladen in ihre „Hütten“, wo wir bei süßem Schwarztee ihre Schicksale hören, oder auch nur, um ihnen durch unser Dasein zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Diese Menschen waren durchaus nicht immer arm. Viele von ihnen sind sehr gebildete Leute und haben einen soliden familiären Hintergrund. Nun suchen sie mit aller Kraft nach Wegen, um sich in den neuen Lebensumständen zurechtzufinden.

In Äthiopien haben die Dürreflüchtlinge oft nicht einmal eine Unterkunft. Mütter mit Kindern sind mehrheitlich die „Bewohner“ der mit Stöcken mühsam aufrecht gehaltenen blauen Netze in der Wüste. Sie haben keinerlei Privatsphäre, kein Bettzeug und nichts, um den sandigen Boden abzudecken. Die einzige Kleidung tragen sie am Leib. Die Frauen sind in leuchtend bunte Tücher gehüllt – ein krasser Gegensatz zu ihrer tristen Umgebung, ein seltsam optimistisches Bild. Das aber auch nur für das Auge des Betrachters, denn in diesem öden, brütend heißen und staubigen Niemandsland gibt es absolut nichts zu hoffen.

Allen Flüchtlingen gemeinsam ist ihr absoluter Mangel: Mangel an Nahrung und Wasser, Kleidung und Hygiene, Mangel an Schutz, Hoffnung und Zukunft…

Ein wichtiger Aspekt in unserem Leben ist die Gewissheit, geliebt zu werden. Wir können den notleidenden Menschen unsere Liebe zeigen, indem wir sie nicht vergessen. Wir dürfen ihrer Geschichten nicht überdrüssig werden, nur weil sie uns nicht persönlich betreffen. Sie alle sind Kinder, Mütter, Väter, Brüder und Schwestern mit denselben Hoffnungen und Träumen wie wir! Albert Einstein hat gesagt: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“ Und Anne Frank schrieb es sinngemäß so in ihr Tagebuch: „Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern! Wie herrlich ist es, das jeder, groß oder klein, sofort mithelfen kann, Gerechtigkeit zu schaffen, indem er von sich selbst etwas gibt.“ Geben wir also großzügig von uns selbst!



Schlagwörter: Syrien, Bürgerkrieg, Flüchtlinge, Flüchtlingscamp, Hilfsgüter, Armut, Kinder, Extremisten, Dürre, Flüchtlingslager, Vertriebene, Niemandsland