Sambia: Widerstand gegen die „weiche Macht“ Chinas

Meldung vom 05.03.2012

Chinas Ambitionen in Afrika werden mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Eine neue Strategie der Wirtschaftsmacht führt dabei nicht unbedingt zum Erfolg: Die Regierung in Beijing bemüht sich, die Angst kleinerer, in direkter Beziehung zu China stehender Staaten vor der chinesischen „Bedrohung“ zu vermindern. In Ostasien fährt Beijing dabei einen scheinbar freundlichen Kurs und versucht, durch „gute Nachbarschaftsbeziehungen”, „einem neuen Sicherheitskonzept” oder „friedlichem Wachstum“ etwaige Sorgen zu zerstreuen. Auch in Afrika hat China seine alte Rolle wieder eingenommen, die es Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts innehatte.

Dabei entsteht oberflächlich der Eindruck, dass China den afrikanischen Ländern eine Alternative bieten könnte, nicht nur in Bezug auf eine strategische Partnerschaft gegenüber den USA und der EU, sondern auch hinsichtlich des chinesischen Entwicklungsmodells einer relativ freien Marktwirtschaft mit zentral-autoritärer Führung. Der Autor Joshua Kurlantzick nennt dieses Konzept eine „Charme-Offensive“ der Volksrepublik und befürchtet sogar, dass diese neuen Bündnisse zwischen China, Asien und Afrika mittels „weicher Macht“ die Weltpolitik verändern könnten.

Doch dieses positive Bild geriet ins Wanken. Statt mit „Charme-Offensiven“ zu punkten, nötigte China seine asiatischen Nachbarn zwischen 2009 und 2011, seine neue einseitig ausgerufene maritime Ordnung zu akzeptieren. Diese Drohgebärden bewirkten eine militärische Aufrüstung der Nachbarstaaten. Die Zahl der Auseinandersetzungen chinesischer Seestreitkräfte mit philippinischen und vietnamesischen Fischern ist in den letzten zwei Jahr rapide angestiegen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2010 gab es allein 30 Fälle, in denen vietnamesische Fischer durch chinesische Schiffe vertrieben, festgenommen und wegen „unbefugtem Eindringens“ in chinesisches Territorium bestraft wurden.

Vietnam, Malaysia und die Philippinen haben erheblich aufgerüstet. Die Philippinen haben für 2011 zusätzliche 255 Mio. US-Dollar für die Armed Forces of the Philippines (AFP) eingeplant. Möglicherweise aus Unsicherheit über das chinesische Verhalten im Südchinesischen Meer unterstrich die philippinische Regierung die Wichtigkeit einer Partnerschaft mit den USA. Die „reparaturbedingte“ Präsenz eines US-Kriegsschiffes in dem strategisch wichtigen Tiefseehafen Cam Ranh Bay lässt sich als wichtiges Anzeichen dafür deuten.

Doch auch in Afrika ist zunehmendes Misstrauen gegenüber China zu beobachten. In den letzen Jahren ist in einigen afrikanischen Staaten wie beispielsweise Sambia mehrfach zu beobachten, dass diese sich von der einseitigen Abhängigkeit Chinas lösen wollen. Sie stellen den zunehmenden chinesischen Einfluss in ihrer Gesellschaft als Bedrohung dar und setzen alles in Bewegung, diese Bedrohung zu politisieren. Diese Anzeichen in Südostasien und in Afrika geben Raum für die Spekulation, ob die „Charme-Offensiv“-Politik Chinas an eine Grenze gestoßen ist.

In dem südafrikanischen Staat Sambia formierte sich in den vergangenen vier Jahren eine Gegnerschaft gegenüber dem chinesischen Engagement. Einige Oppositionsparteien und -bewegungen mobilisierten ihre Anhänger gegen die Chinesen, bezeichnen sie als „Neokolonialisten“ und klagen sie an, Ressourcen und Arbeitskräfte auszubeuten und die lokale Wirtschaft zu destabilisieren. Vor allem Kleinhändler stellen sich gegen die chinesischen Unternehmer. Einheimische Geschäftsleute, Gewerkschaftsvertreter, die Bauindustrie und die meisten Oppositionspolitiker bemängeln einstimmig die unmoralischen Geschäftspraktiken der Chinesen.

Präsidentschaftskandidat Michael Sata stellte in seiner Wahlpropaganda 2011 die chinesische Präsenz als Bedrohung für die jeweilige afrikanische Zielgruppe dar. Im Bergbaugebiet und Kupfergürtel Sambias ist es bereits zu Unglücksfällen mit sambischen Toten gekommen. Die jeweiligen Ausformungen der antichinesischen Stimmung führten nicht nur zu teils gewaltsamen Protesten, sondern 2011 auch zum Wahlsieg Michael Satas.


Quelle: „Internationales Magazin für Sicherheit“, http://www.ims-magazin.de