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Zur Geschichte und Problematik des Landes

 



Nicaragua ist ein Land mit tragischer Vergangenheit. Die Spanier gingen bei der Kolonialisierung des südamerikanischen Landes äußerst grausam vor und schlugen den Menschen und dem Land von Nicaragua tiefe Wunden. Das durch die Jahrhunderte erlittene Unrecht der nicaraguanischen Bevölkerung mündete in heftige Befreiungskämpfe.

Eine ebenso dramatische Kulisse zu den Jahrzehnte währenden Guerillakämpfen findet sich in Nicaraguas Landschaft. Parallel zur Pazifikküste zieht sich eine Kette aktiver Vulkane durch das Land, weshalb es auch den Namen „Land der tausend Vulkane“ trägt. Zwei große Binnenseen prägen die Landschaft – der größere Nicaraguasee und der kleinere Managuasee. An der Karibikküste im Osten des Landes befindet sich eine große Regenwaldregion, in der einst viele Ureinwohner lebten und die aufgrund ihrer gefragten Edelhölzer von den Spaniern und Amerikanern zu großen Teilen abgeholzt wurden.

Unmittelbar nachdem die Spanier 1520 das Land Nicaragua erobert hatten, wanderten spanische Missionare in das Land ein. Die Ureinwohner indianischen Ursprungs wurden oft gewaltsam zum katholischen Glauben bekehrt. Allerdings kam es immer wieder zu Aufständen gegen die Spanier. Jeglichen Widerstand gegen die Unterwerfung behandelten die spanischen Eroberer und Kolonialherren als Rebellion, die prinzipiell mit Ausrottung und Versklavung bestraft wurde.

Aus diesem Grund wurden auch zahlreiche Nicaraguaner nach Peru verschleppt und zu Minenarbeit gezwungen, bei der die meisten starben. Ein spanischer Mönch schrieb 1552: „Im gesamten Nicaragua dürften heute nur noch 4.000 Einwohner leben.“

Nach zahlreichen Unabhängigkeitskämpfen wurde Nicaragua am 15. September 1821 unabhängig von der spanischen Krone. Doch dadurch kehrte kein Friede ein. In der Kolonialzeit hatten sich tiefgreifende Gegensätze zwischen einer liberalen und einer konservativen Elite in Nicaragua herausgebildet, was später zu zahlreichen Bürgerkriegen führte.

1927 entflammte der Bürgerkrieg erneut zwischen der konservativen Regierung und den Liberalen, zu deren Generälen auch Augusto César Sandino gehörte. Die USA unterstützten die konservative Regierung militärisch, zogen jedoch 1932/33 ihre Truppen ab, nachdem sie den Oberbefehl ihrem Favoriten, Anastasio Somoza García, übergeben hatten. Somoza ließ Sandino trotz eines Friedensangebots hinterrücks bei einem Festbankett ermorden.

Über viele Jahre baute sich der Somoza-Clan mit diktatorischer Regierungsweise eines der größten Wirtschaftsimperien Lateinamerikas auf. Über drei Generationen dauerte die Somoza-Diktatur, die von Intrigen, Mord und Bereicherung geprägt war.



Ausgelöst durch den staatlichen Machtmissbrauch des letzten Somoza kam es 1977 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Sandinisten, den einstigen Truppen unter Sandino. Die Kämpfe weiteten sich zu einem landesweiten Bürgerkrieg aus. Am 17. Juli 1979 floh Somoza nach Florida; am 19. Juli des Jahres zogen die sandinistischen „Guerilla-Kämpfer“ in Managua ein, die Nicaraguanische Revolution hatte den Sieg davongetragen.

Nach Erlangung der Macht kümmerten sich die Sandinisten um friedliche und demokratische Strukturen: eine breit angelegte Bildungskampagne führte zu einer deutlichen Senkung der Analphabetenrate, die Kunst und Kultur der indianischen Ureinwohner wurden gepflegt, nachdem die Spanier versucht hatten, deren Sprachen, Malerei und Gebräuche auszurotten, Frauen- und Menschenrechte wurden etabliert.

US-Präsident Ronald Reagan unternahm in den 1980er-Jahren den Versuch, die sandinistische Regierung zu stürzen, da sie sich zunehmend dem Kommunismus zuwandte. Er instrumentalisierte die „Contras“, paramilitärische Gruppen, die die Landbevölkerung überfielen, Minen legten, Vieh und Ernte vernichteten, um das Land zu destabilisieren.

Die ersten freien Wahlen in Nicaragua im Jahr 1984 erbrachten trotz dieser Machenschaften eine Bestätigung der sandinistischen Regierung. Zum Zeitpunkt der Wahlen hatte der Krieg gegen die durch die USA finanzierten Contras bereits mehr als 29.000 Tote gefordert.

Der Krieg gegen die Contras brachte die Wirtschaft Nicaraguas an den Rand des Zusammenbruchs. Die Arbeitslosigkeit war hoch, der Lebensstandard sehr niedrig. In den Wahlen 2006 konnte sich der frühere Guerilla-Führer und Sandinisten-Chef, Daniel Ortega, als Präsident behaupten. Er hatte sich 2011 eine weitere Amtszeit gesichert, obwohl die Verfassung dies nicht gestattete. Doch Ortega führte mir unlauteren Maßnahmen eine Verfassungsänderung herbei.

Im November 2017 hat sich Ortega für seine dritte Amtszeit wählen lassen. Nicht nur das – er gestaltet seine Regierung mehr und mehr als Familienbetrieb: Der ehemalige „Commandante“ hat seine Frau Rosario Murillo als Vizepräsidentin aufgestellt. In den vergangenen zehn Jahren hatte der 70-Jährige ihr immer mehr Aufgaben zugespielt, sie gilt als „Strippenzieherin“ hinter den Kulissen. Nun regieren sie Hand in Hand fünf weitere Jahre ihr Land. Warum auch nicht? Die Wirtschaft macht positive Fortschritte, für die Ärmsten gibt es Sozialprogramme, Wohlhabende werden kaum zur Kasse gebeten, die Kriminalität hält sich in Grenzen. Richtig faire und freie Wahlen hat Ortega jedoch mit starker Hand unterbunden. Denn die Wahrung der Menschenrechte und der Aufbau demokratischer Institutionen spielen im System Ortega keine so wichtige Rolle.

In letzter Zeit ist es immer wieder zu Demonstrationen gegen den Ortega-Clan gekommen. Die Protestbewegung ging maßgeblich von den Studenten aus, die Ortega aufs Schärfste bekämpfen ließ. Doch ganz konnte sie der Präsident nicht unterbinden. Die Jugend Nicaraguas fordert Reformen und den Rücktritt Ortegas. Die katholische Kirche startete immer wieder Vermittlungsversuche. Der Reform-Prozess zieht sich seitdem zäh in die Länge.

Dem damaligen Guerilla-Führer werden Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch nachgesagt. Die einstigen sandinistischen Errungenschaften und Ideale scheinen verloren gegangen zu sein. Leidtragende sind weiterhin die Menschen, von denen rund 50 % unterhalb der Armutsgrenze leben.