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Indien: Altern im Land der Jugend

Meldung vom 29.01.2013

In Indien leben 67 Millionen Alte. Der Umgang mit ihnen wird in dem Land mit einem sehr hohen Bevölkerungsanteil an Jugend totgeschwiegen. In der Millionenmetropole Neu-Delhi gibt es gerade einmal vier Altersheime.

In Indien sieht man viele junge Menschen auf den Straßen und in den Parks. Es herrscht geschäftiges Treiben draußen. Die Städte sind eng, nicht jeder hat eine Wohnung. Auf Indiens Straßen gehört es daher zum gewohnten Anblick, dass man dort kocht, isst und schläft. Das Leben spielt sich draußen ab. Aber man sieht kaum alte Menschen.

Die vergleichsweise geringe Zahl der Alten bedingt, dass es in Indien ein mangelndes Bewusstsein für die Probleme älterer Menschen gibt. In Indien sind die geburtenstärksten Jahrgänge immer noch die allerjüngsten. Der Nachwuchs steht im Mittelpunkt des Geschehens. Die älteren Inder neigen daher dazu, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und keine Ansprüche zu stellen. Den meisten kommt keine medizinische Versorgung zugute, über zwei Drittel sind von Lungen- und Gelenkerkrankungen befallen, um die sich in der Regel niemand kümmert.

Ravi Kalra, Gründer der Earth Saviour Foundation in Delhi, kümmert sich um die Alten in Indien. Seit sechs Jahren haben die alten Menschen bei ihm oberste Priorität, die von der Gesellschaft ausgestoßen werden. Dafür hat er im Süden Delhis ein kleines Zeltdorf aufgeschlagen, wo die Alten leben, drei Mahlzeiten am Tag bekommen und sich für arme Kinder und Tiere einsetzen. Kalra weiß, dass ein Großteil der heutigen Großelterngeneration in den eigenen Familien unter schlimmsten Bedingungen lebt.

Beschimpfungen und körperliche Misshandlungen gehörten zum Alltag. „Die alten Menschen werden nicht mehr respektiert. Vor 20 Jahren war das noch kein Problem“, sagt Kalra und erklärt, woran das liegt: „Seit die junge Generation bessere Bildungschancen hat, fühlen sie sich nicht mehr auf den Rat der Alten angewiesen. Die Senioren werden nutzlos. Wenn sie nicht zum Unterhalt der Familie beitragen können, werden sie einfach auf die Straße gesetzt.“

Während in den Industriestaaten verschiedene Modelle der Altenpflege vorhanden sind – Pflegedienste, die ins Haus kommen, Altersheime und Pflegegelder für Angehörige – steckt die öffentliche Altenpflege in Indien noch in den Startlöchern. Für indische Familien gestaltet sich die Altenversorgung schwierig. Für Delhis über elf Millionen Einwohner stehen gerade einmal vier staatliche Altersheime zur Verfügung. Auch die teuren privaten Heime platzen aus allen Nähten. Pflegefälle werden in aller Regel direkt abgewiesen.

Zwar hat die Regierung sich des Themas angenommen und Pläne für eine bessere Altersverpflegung geschmiedet. Doch wer heute außerhalb der Familie Hilfe sucht, kann die nur in Einrichtungen finden, die wie die von Ravi Kalra aufgebaut wurden. Sein Altersheim macht allerdings eher den Eindruck eines Flüchtlingscamps. Trotzdem sind die Senioren des Camps Kalra voller Dankbarkeit. Sie sind zusammengesetzt aus Angehörigen aller Klassen und Kasten.

Doch viele von Kalras Schützlingen leiden unter Krankheiten oder Verletzungen. Sie kommen zu ihm zum Sterben, sie suchen etwas menschliche Nähe in den letzten Stunden. Wenn die Polizei in Delhi dann wieder mal die Leiche eines alten Menschen entdeckt, der von der eigenen Familie verstoßen, auf der Straße erschlagen oder aus dem fahrenden Zug geworfen wurde wie Abfall, dann melden sie sich bei Ravi Kalra. Der ist immer zur Stelle. Er betet für die Verstorbenen und kümmert sich um deren Einäscherung nach hinduistischem Ritual.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Zeit Online“, zeit.de

Schlagwörter: Indien, Altern, Alte, Senioren, Jugend, Bevölkerung, Demographie, Altersheim, Altenpflege, medizinische Versorgung, Neu-Delhi, Pflegedienste