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Mexiko: Dutzende Dörfer gehen zur Selbstjustiz über

Meldung vom 13.08.2013

In Mexiko sind die Menschen oft den Machenschaften der Drogenkartelle hilflos ausgeliefert. Jeden Tag gibt es Morde, Vergewaltigungen, Entführungen und Erpressung. Die Drogenkartelle schikanieren die mexikanische Bevölkerung. Weil Bürger sich auf die Polizei nicht mehr verlassen können, ziehen sie selbst in den Krieg gegen die Kartelle. Die Männer sehen keinen anderen Ausweg mehr – auch wenn sie ihr Leben aufs Spiel setzen.

Bis vor kurzem war José Manuel Mireles Valverde in Mexiko ein unbekannter Mann. Der Arzt hat sich aber zum Chef der Bürgermiliz der kleinen Ortschaft Tepalcatepec im Bundesstaat Michoacán erklärt und hat mit dieser Aufgabe öffentliches Aufsehen erregt. Wie viele andere Dörfer der Umgebung, wird auch der 10.000-Einwohner-Ort im Westen Mexikos seit Jahren von den Drogenkartellen heimgesucht: Ermordung, Entführung, Erpressung von Schutzgeld und seit kurzem auch die Vergewaltigung von Frauen und Mädchen fügen den Menschen unermessliches Leid zu. Der Staat sieht passiv zu.

Aber in Tepalcatepec sei jetzt wieder der Frieden hergestellt, sagt José Manuel Mireles. Er führt den Consejo Ciudadano de Autodefensa, den Bürgerrat für Selbstverteidigung an, wie seine Miliz sich nennt. Die Bewohner hätten die Verbrecher eigenhändig in die Flucht geschlagen, berichtet er in einem Interview, das vor ein paar Wochen auf YouTube eingestellt und seither rund eine halbe Million Mal angeklickt wurde. Am Wochenende weckten Mireles und die Geschichte seines Dorfes auch die Aufmerksamkeit der mexikanischen Medien.

In einem 20 Minuten langen Interview bezeugt der Bürgerwehr-Boss, wie die Drogenkartelle den Menschen das Leben in den dörflichen Gemeinden von Michoacán seit rund drei Jahren unerträglich machten. „Erst kamen die Zetas, dann die Familia Michoacana und schließlich die Caballeros Templarios (Tempelritter).“ Die Kartelle verdienten ihren Lebensunterhalt vom Drogentransport, stolzierten schwerbewaffnet durch die Orte und setzten die Bevölkerung auf Dorfversammlungen über ihre Machenschaften in Kenntnis. „Aber sie ließen uns in Ruhe.“

Das änderte sich vor rund drei Jahren, als das Geschäft mit den Drogen konfliktträchtiger wurde, sich die Kartelle untereinander um Routen und Reviere stritten und die Gewinne ausblieben. Dann begann die Mafia, bei der Bevölkerung Schutzgeld zu erpressen. Die Viehzüchter von Tepalcatepec mussten 1.000 Pesos (umgerechnet 60 Euro) pro Rind entrichten, die Metzger 15 Pesos pro Kilo Fleisch und die Tortilla-Bäcker vier Pesos pro Kilo Maisfladen. Die Summen wuchsen und wuchsen, sagt Mireles. „Irgendwann mussten wir bezahlen, um leben zu dürfen.“

Sie ordneten sich zunächst unter. Bis die Vergewaltigungen geschahen. Der Milizen-Chef gibt an, dass allein im Dezember aus einer Schule des Dorfes 14 Mädchen zwischen elf und zwölf Jahren entführt und missbraucht worden seien. „Sie brachten sie uns erst zurück, als sie schwanger waren.“

Im Februar ergriffen die Männer des Dorfes die Initiative, sie konnten nicht länger zuschauen. Sie bewaffneten sich und machten sich daran, Vergewaltiger und Erpresser aus dem Ort zu verdrängen: „Wir sind das neunte Dorf hier in der Gegend, das sich erhoben hat“, weiß Mireles. Denn der Staat handle nicht. „Die Polizei frühstückt mit den Bandenbossen, anstatt sie zu schnappen.“

Währenddessen begeben sich Mireles und Kollegen in ihren weißen Streifenwagen auf Patrouille. Auf den Autos ist lesbar: „Für ein freies Tepalcatepec.“ Wenn sie Pistoleros der Kartelle ergreifen, übergeben sie diese den Sicherheitskräften. Manchmal erscheinen die Verbrecher am nächsten Tag wieder an Ort und Stelle. „Wir haben unser Dorf in drei Wochen gesäubert, und es hat seit drei Monaten keine Entführung, Erpressung oder Hinrichtung mehr gegeben“, unterstreicht Mireles. Aber die Mafia setzt fast täglich alles daran, zurückzukehren.

Um dem entgegenzuwirken, hat Präsident Enrique Peña Nieto im Mai Heeres- und Marineeinheiten nach Michoacán entsandt. Sie sollen die Arbeit aufnehmen, die von der Polizei nicht gemacht wird.

Die Entwicklung von Tepalcatepec vollzieht sich derzeit in Dutzenden von Dörfern in Mexiko, die inzwischen zur Selbstjustiz übergehen. Aber nicht alle können sich so durchsetzen wie die Männer von Tepalcatepec. Sicherheitsexperten schätzen, dass sich in rund einem Drittel der 32 Bundesstaaten Bürgerwehren gebildet haben.

Die mexikanischen Bürgerwehren formieren sich nicht in den bekannten Drogen-Zentren im Norden, sondern im Süden und der Mitte des Landes. Ganz allmählich hat sich der Drogenkrieg dorthin verlegt. Dabei ist Michoacán aktuell der Staat, der Präsident Peña Nieto am meisten beunruhigt. In den vergangenen zwei Wochen wurden dort 30 Menschen umgebracht, darunter der Vizeadmiral der Marine, Carlos Miguel Salazar.

Michoacán eignet sich nicht nur zur Rauschgiftherstellung, sondern die Gegend wurde auch wegen ihrer geografisch zentralen Lage nahe des Pazifiks und wichtiger Häfen zum Schlachtfeld der Kartelle. In Michoacán überkreuzen sich die Schneisen praktisch aller Kartelle.

Die Geschichte von José Manuel Mireles und seiner Bürgerwehr sowie die jüngsten Gewaltausbrüche lassen sich nicht vereinbaren mit der offiziellen Darstellung der Regierung, wonach der Drogenkrieg zurückgehe. Der Krieg der Kartelle ist zwar aus dem öffentlichen Blickwinkel geraten, weil die Medien aus Furcht vor Drangsalierung weniger berichten. Aber hinter den Kulissen medialer Aufmerksamkeit treiben die Kartelle weiterhin ihr Unwesen.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Mexiko, Bürgerwehr, Drogenkrieg, Selbstjustiz, Drogenkartelle, Drogenmafia, Schutzgeld, Erpressung, Routen, Vergewaltigung, Michoacán, Enrique Peña Nieto