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Somalia: Ein Land wagt den Neuanfang

Meldung vom 21.08.2013

Derzeit herrscht buntes Treiben in Somalia. Für frischen Wind sorgen die zahlreichen Rückkehrer Somalias. Nach jahrelangem Exil kommen sie in ihr Heimatland zurück. Einige haben im Ausland ein Studium absolviert und wagen einen Neuanfang. Doch während die Wirtschaft in Mogadischu sich stabilisiert, ist die Situation in den Vertriebenenlagern nach wie vor von Hunger, Armut und Hoffnungslosigkeit geprägt.

Ein beinahe idyllisches Bild bietet ein Strand in Somalia, 25 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Mogadischu. Das Meer schillert im Sonnenlicht, junge Männer spielen Fußball, andere joggen an der Küste entlang. Nicht weit vom Ufer entfernt ist malerisch eine Halbinsel zu sehen, darauf stehen eine historische Moschee und ein paar Häuser. Der Ort, er heißt „Jazeera Beach“, könnte zu einem Magnet für Tourismus werden. Wären da nicht die Soldaten, unter deren Obhut die Fußballer spielen. Die Sicherheitslage in Somalia hat sich in den vergangenen Monaten deutlich beruhigt, aber friedlich ist das langjährige Bürgerkriegsland noch lange nicht: Mitglieder der islamistischen Al-Schabaab-Miliz, die zum Terrornetzwerk Al Kaida gehört, führen regelmäßig Selbstmordattentate durch.

Im Sand hat sich eine Gruppe von vier Freunden niedergelassen: drei Männer und eine Frau. Sie haben eine Tüte mit Proviant mitgebracht: Bananen, Grapefruits, Kekse. „Ich spreche nicht so gut Englisch, aber mein Freund hier – der spricht sehr gut, er kommt aus England. Schön, Sie kennenzulernen! Ich bin Somalier, habe aber in Großbritannien gelebt. Vor einem Monat bin ich zurückgekommen, für immer. Jetzt suche ich hier einen Job.“

Der Mann, der sich als „Abdi“ vorstellt, ergriff die Flucht vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat nach London. Zwölf Jahre sind seither vergangen. Dort studierte er Medizin und war anschließend in der Notaufnahme eines Krankenhauses tätig. Vor einem Monat reichte er die Kündigung ein und kam nach Somalia zurück.

„Mein Land braucht mich. Bevor ich mich zur Rückkehr entschlossen habe, war ich für eine Erkundungstour hier. Bei dieser Reise wurde mir bewusst, wie dringend Somalia möglichst viele gut ausgebildete Rückkehrer braucht, vor allem Ärzte. Deshalb habe ich beschlossen, zurückzukommen und hier zu leben“, sagt er.

Außerdem haben auch andere Mitglieder seiner Familie schon diese Entscheidung getroffen: Vier von Acht hätten sich schon vor ihm auf den Weg gemacht, die anderen würden hoffentlich nächstes Jahr folgen. Dennoch: Sein Londoner Leben vermisst er noch ein wenig. „Ja, das stimmt. Aber vom Gefühl her ist Somalia meine Heimat. Ich genieße das bessere Wetter, das Essen und mit Menschen zu reden. In Großbritannien geht es immer nur um eins: Arbeit, Arbeit, Arbeit – das ist alles. Hier fühle ich mich wohler. Obwohl die Sicherheitslage immer noch nicht 100 Prozent in Ordnung ist, aber doch immerhin zu 70 oder 75 Prozent. Für mich reicht das.“

In den vergangenen Jahren sind Hunderte, vielleicht Tausende Somalier zurückgekehrt. Die meisten von ihnen haben jahrelang im Ausland gewohnt und hatten die Möglichkeit, in die Schule zu gehen oder zu studieren, eine Ausbildung zu machen. Diese Fachkräfte werden tatsächlich dringend benötigt: Mehr als 20 Jahre lang ging Somalia im Krieg unter, hatte das Land keine Regierung.

Die Bevölkerung tat, was sie konnte, um ihren Kindern und Jugendlichen Bildung zukommen zu lassen – aber so ganz ohne Staat ließ diese zu wünschen übrig. Nach Schätzungen der UN besuchten nur 40 Prozent der somalischen Kinder eine Schule. Das ist wenig, aber doch eine große Leistung für einen zerfallenen Staat ohne jede Regierung. Jetzt regiert in Somalia seit rund einem Jahr erstmals wieder ein legitimer und international anerkannter Staatschef: Hassan Sheikh Mohamud ist seit September 2012 Präsident. Seine Wahl hat auch Mohamed Hoffnung gemacht, der neben Abdi im Sand sitzt.

„Menschen wie ich waren mehr als 40 Jahre lang von zu Hause fort. Jetzt wollen wir zurückkommen und hier Geschäfte machen. Denn die Lage in Somalia normalisiert sich allmählich.“ Man träumt von Neueröffnungen von Restaurants, Kleinbetrieben und Internetcafes. Viele haben schon aktiv die Verwirklichung ihres Traumes angepackt. Ein Land wagt einen Neuanfang und mit ihm seine Rückkehrer.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Deutschlandfunk“, dradio.de

Schlagwörter: Somalia, Rückkehrer, Exil, Fachkräfte, Heimat, Neuanfang, Bildung, Sicherheit, Mogadischu, Geschäfte, Stabilität